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Wenn ein Franzose die Deutschen aufs Korn nimmt
Alfons' Markenzeichen ist der Dackelblick. Foto: Guido Werner
Satire

Wenn ein Franzose die Deutschen aufs Korn nimmt

Der Kabarettist Alfons macht sich lustig über Rentner, die S-21-Baustellen zerstören.

03.12.2016
  • RAIMUND WEIBLE

Stuttgart. Nein, sein Puschel-Mikrofon hat er nicht dabei. Aber sein anderes Erkennungszeichen: die zerfledderte Kladde mit den Fragen, die er bei seinen Straßeninterviews betont stockend abliest. Und vor allem die Trainingsjacke in Orange: Das ist Alfons, bürgerlich Emmanuel Peterfalvi, französischer Kabarettist, den seine deutschen Freunde schon wegen des Akzents lieben.

Auf der Bühne des T 2 im Theaterhaus Stuttgart steht Alfons mit seinem neuen Programm, das den Titel trägt: „Das Geheimnis meiner Schönheit.“ Aber bevor Alfons ins philosophische Meer eintaucht, lässt er sich über die Feinstaub-Hauptstadt Stuttgart aus, wo selbst die Rentner fleißig sind und, statt wie ihre Altersgenossen in Südfrankreich Boule zu spielen, am Bahnhof demonstrieren und „Baustellen kaputtmachen“.

Von Stuttgart ein Ausflug nach Amerika: Den Sieg von Donald Trump, bekennt Alfons, habe er nur durch tagelanges Verharren „in der stabilen Seitenlage“ überstanden, und es ging ihm erst besser, als Sarkozy aus dem Präsidenten-Karussell rausgekickt worden ist. Nun malt sich Alfons aus, was passiert, wenn Trump zum ersten Mal in Berlin auf Angela Merkel trifft: „Rolololo.“ Ach ja, Merkel. Wir in Frankreich, sagt Alfons, bemühen uns ständig um Abwechslung in der Regierung, „und ihr habt ständig Merkel“. Die mache die ganze Zeit nichts und kriege dafür Beifall, und plötzlich öffne sie ihr Herz den Flüchtlingen, was Alfons imponiert: Sie zeige als einzige in Europa Moral. „Und ihr, ihr findet sie jetzt doof!“

Der Franzose liebt es, seine Landsleute mit den Deutschen zu vergleichen. Hier die braven Germanen, da die routiniert korrupten Gallier: „Wenn du in Frankreich vier Politiker kaufst, kriegst du den fünften gratis dazu.“ Doch Überraschung: Mit ihrem Betrug in der Abgas-Affäre übertreffen die Deutschen die Franzosen. Sie betrügen auf ihre Art, nicht mit Geld, sondern mit Software – für Alfons ganz typisch deutsch.

Alfons ist ein leichtfüßiger Satiriker, aber auch ein Erzähler der hohen Schule. Die Geschichte über seine Jugend unterbricht er mit Einblendungen seiner fabelhaften Interviews mit Leuten auf der Straße – das gehört zum Konzept des Auftritts. Die Suche nach sich selbst ist auch die Suche nach der eigenen Schönheit. Vom Bauer Augustine in der Provence hat er schon als kleiner Bub den Ratschlag bekommen: „Werde, wer Du bist, und Du bist schön!“ Alfons auf der Bühne: Das ist Lebensberatung pur. Im Januar kommt er wieder ins Stuttgarter Theaterhaus. Raimund Weible

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03.12.2016, 06:00 Uhr

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