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Pflegeversicherung

Wenn es ohne Hilfe nicht mehr geht

Für die Betreuung von Familienangehörigen gibt es Geld. Der Schlüssel für die Verteilung ändert sich nächstes Jahr: Aus drei Stufen werden fünf Grade.

14.11.2016
  • SIMONE DÜRMUTH

Ulm. Wenn jemand im Alttag erhebliche Unterstützung benötigt, sollte er einen Antrag auf Zuerkennung der Pflegedürftigkeit zu stellen. Noch bis Jahresende gibt es die alt bekannten drei Pflegestufen. Ab 1. Januar 2017 jedoch nicht mehr. Dann erhalten Bedürftige einen der fünf Pflegegrade. Was sich damit ändert, interessierte unsere Leserinnen und Leser. Catrin Cammerer von der AOK Ulm-Biberach, Katja Kreiss von der Compass privaten Pflegeberatung und Monika Müller vom VdK Landesverband Baden-Württemberg gaben die folgenden Antworten.

Wir möchten unserer Tochter eine Vorsorgevollmacht ausstellen. Wie macht man das? Braucht man einen Notar?

Um sicher zu gehen, dass Ihre Wünsche berücksichtigt werden, sollte alles unmissverständlich festgehalten werden. Im Internet kann man auf der Seite des Bundesministerium der Justiz ein entsprechendes Formular herunterladen. Das füllen Sie aus und unterschreiben es beide. Ihre Tochter sollte wissen, dass sie bevollmächtigt wird. Sie können die Vorsorgevollmacht jederzeit ändern. Notariell muss es nicht beglaubigt werden – nur, wenn Immobilienbesitz vorhanden ist.

Jetzt habe ich die Pflegestufe I ohne Demenz und erhalte Pflegegeld. Wird das weniger, wenn es die Pflegegrade gibt? Werde ich dann noch einmal begutachtet?

Die Umwandlung in die neuen Pflegegrade erfolgt automatisch ab 1. Januar 2017 und zwar ohne eine erneute Begutachtung. Sie kommen aus Pflegestufe 1 in den Pflegegrad 2 und erhalten dann statt bisher 244 EUR Pflegegeld dann 316 EUR monatlich. Die Kasse informiert Sie darüber.

Was ändert sich für meine Schwiegermutter, die heute Pflegestufe 2 mit vollstationärer Pflege hat?

Ihre Schwiegermutter hat ab Januar den Pflegegrad 3. Das bedeutet, dass monatlich 1262 EUR aus der Pflegeversicherung zur Verfügung stehen.

Seit zehn Jahren pflege ich meinen Mann, der keine Pflegestufe hat. Jetzt schaffe ich das wegen meiner Arthrose nicht mehr und benötige Hilfe. Was sollte ich tun?

Ihr Mann sollte unbedingt einen Antrag auf Pflegebedürftigkeit bei seiner Pflegekasse stellen. Dann wird er durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen im häuslichen Umfeld begutachtet. Ist er privat krankenversichert, übernimmt das Medicproof, die Beratung findet durch die Compass-Pflegeberatung statt. Auf der Grundlage dieses Gutachtens erhält Ihr Mann dann entweder Pflegegeld, Sachleistungen oder eine Kombination aus beidem. Dazu lassen Sie sich am besten von einem Pflegeberater beraten. Auskünfte darüber bekommen Sie von der Pflegekasse.

Wie erkennt man eine dementielle Entwicklung?

Anhand festgelegter Kriterien kann man davon einen Eindruck bekommen. Sprechen Sie darüber zunächst auch mit dem Hausarzt. Zu den Kriterien gehören diese: Verkennen oder Verursachen gefährdender Situationen, unsachgemäßer Umgang mit gefährlichen Gegenständen, die so genannte Weglauftendenz und das Verwechseln von Tag und Nacht. Nachzulesen sind diese Kriterien im Internet unter www.bmg.de.

Mit meinen 95 Jahren komme ich noch einigermaßen zurecht im Haushalt. Meine Tochter hilft mir allerdings schon, etwa beim Einkaufen und Duschen. Aber sie fällt jetzt aus, weil sie selbst krank ist. Bekomme ich eine Pflegestufe?

Alter oder auch Krankheiten allein, bedeuten nicht automatisch Pflegebedürftigkeit. Doch wenn Ihr täglicher Hilfebedarf erheblich ist, sollten Sie bei Ihrer Pflegekasse einen Antrag stellen. Pflegebedürftigkeit liegt vor, wenn in drei Punkten erheblicher Hilfebedarf besteht: bei der Ernährung, bei der Mobilität und bei der Körperpflege. Holen Sie sich Rat bei Ihrer Pflegekasse.

Meine Schwägerin hatte mit 32 Jahren einen Schlaganfall, hat jetzt Pflegestufe 2 und zwei Kinder zu betreuen. Die ärztliche Verordnung für Haushaltshilfe läuft aus. Bisher erhält sie monatlich 458 EUR Pflegegeld, braucht aber weiterhin professionelle Hilfe. Was raten Sie?

Ihre Schwägerin sollte mit einer Pflegeberaterin erörtern, ob eventuell eine Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Sachleistungen sinnvoll ist. Angenommen, Ihre Schwägerin entscheidet sich, die Hälfte der ihr zustehenden Sachleistungen in Stufe II in Höhe von 1144 EUR monatlich in Anspruch zu nehmen, dann würde das Pflegegeld auch zur Hälfte aufs Konto kommen. Wenn Hilfe direkt für die Kinder benötigt wird, sollte sich Ihre Schwägerin ans Jugendamt wenden.

Mein Mann benötigt viel Hilfe im Alltag zu Hause. Ich weiß nicht, ob er schon eine Pflegestufe bräuchte. Sollen wir einen Antrag stellen?

Schreiben Sie in einem Pflegetagebuch auf, wie viel Unterstützung Ihr Mann tagtäglich benötigt. Wo müssen Sie wann etwas für ihn tun? Dabei geht es vor allem um die Hilfe bei der so genannten Grundpflege. Müssen Sie ihm helfen beim Aufstehen, Waschen, Anziehen, beim Toilettengang, beim Essen? Ist dem so, stellen Sie einen Antrag.

Der Antrag auf eine Pflegestufe für meine Frau wurde vor einem Jahr abgelehnt, der Widerspruch auch. Die Grundpflegezeit reichte nicht aus. Sollten wir noch einmal eine Pflegestufe beantragen oder warten, bis die neuen Pflegegrade da sind?

Wenn die Pflegebedürftigkeit größer geworden ist, benötigt sie auch jetzt die Hilfe. Also stellen Sie zeitnah einen Antrag.

Unsere Mutter möchte in ihrem Häuschen bleiben. Wir wollen hier einiges bedarfsgerechter umbauen. Gibt es dafür einen Zuschuss?

Ja. Ihre Mutter sollte bei Ihrer Pflegekasse einen Antrag auf den Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen stellen. Der beträgt maximal 4000 EUR. Am besten Sie fügen dem Antrag Kostenvoranschläge für den Umbau bei. Der Beginn der Umbaumaßnahme darf nicht vor Bewilligung durch die Pflegekasse liegen.

Da unser Vater nur eine kleine Rente und kein Vermögen hat, wird das wohl nicht reichen, wenn er jetzt ins Heim umzieht. Was dann?

Wenn Einkommen, Vermögen und Pflegeversicherungsleistungen nicht ausreichen, springt das Sozialamt ein. Das Amt prüft seinerseits ob und in wieweit Sie in angemessener Höhe an der Heimfinanzierung beteiligt werden können. Dabei spielen auch Freibeträge und Ihre wirtschaftliche und sozialrechtliche Situation eine Rolle. Sie und gegebenenfalls Ihre Kinder müssen dann sämtliche Einkommens- und Vermögensverhältnisse offenlegen.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung?

Mit einer Vorsorgevollmacht geben Sie für den Fall, dass Sie nicht mehr geschäftsfähig sind, die Verantwortung für alle Bereiche des täglichen Lebens an eine andere Person ab. Bei einer Patientenverfügung legen Sie fest, ob beispielsweise im Notfall lebenserhaltende Maßnahmen ergriffen werden sollen. Sie nehmen Ihren Angehörigen diese wichtige Entscheidung ab.

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14.11.2016, 06:00 Uhr

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