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Discounter

Wenn sich Aldi in Holzoptik kleidet

Die neuen Filialen der Supermarktkette sind angeblich kundenfreundlicher. Ein Einkauf zwischen Leuchtanzeigen.

05.10.2016
  • CAROLINE STRANG

Das Karton-Chaos wartet direkt nach dem Eingang. Ein paar plastikverpackte Waffeln liegen trostlos neben ihrem eigentlichen Bestimmungsort, einige Kisten stehen schräg und liegen übereinander. Da haben anscheinend ein paar Kunden gewütet, um an das schönste Gebäck zu kommen. Das typische Aldi-Feeling kommt auf. Wie schade. Denn sonst blitzt und blinkt die neu eröffnete Aldi-Süd-Filiale in Ulm-Wiblingen an allen Ecken und Enden. Sie verkörpert das neue Konzept des Discounters – alles soll schöner und hochwertiger aussehen, außerdem kundenfreundlicher angeordnet sein und dazu einladen, sich gerne in den Fängen des Aldi-Imperiums aufzuhalten.

Und so hängen von der Decke große Leuchtanzeigen, die zeigen, wo denn nun nochmal das Gemüse zu finden ist. An den Wänden, im Kassenbereich und an den Aktionstischen sind Vertäfelungen in Holzoptik angebracht, ebenfalls mit Beschriftung. Die teilt den Wein an der Stirnseite des Ladens sogar in rot, rosé und weiß ein. Die Beleuchtung ist milder geworden, die über den Köpfen der Kunden baumelnden Posten und Preisschilder fehlen ganz. Die Preise sind unten an den Regalen angebracht.

Einzelne Kohlrabi

Es gibt Gemüse und Obst nicht mehr nur im Groß-Familienpack, sondern einzeln. Kohlrabi zum Beispiel kann man sich selbst in eine Tüte packen. Das tut dann auch gleich eine Kundin. In Ruhe, denn die gesunden Waren befinden sich nicht mehr direkt vor den Kassen, wo man die Kassenschlange stört, sondern hinten im Laden. Die frischen Kräuter im Topf sind schön angeordnet. Ein Kühlschrank kurz nach dem Eingang bietet gekühlte Getränke und kleine Snacks. Direkt daneben spuckt der riesige Backautomat Brezeln oder Minipizzen aus, wenn man die entsprechende Taste drückt. In der Nähe gibt es ein extra Regal mit Bio-Artikeln. Das und der Rest des Bungalows sind sechs Tage die Woche bis 21 Uhr zugänglich, auch eine Neuheit.

Eigentlich sind die Gänge zwischen den Regalen nun angenehm breit. Heute allerdings ist es streckenweise schwierig, den Wagen hindurch zu manövrieren. Denn es gab anscheinend eine Lieferung Pflanzen. Die Ständer mit Chrysanthemen, ein bisschen Gebüsch und Gestrüpp und sogar noch mit den üblichen Verdächtigen an Zimmerpflanzen versperren den Weg und machen ihn mühsam.

Die Einkaufswagen sind schicker

Übrigens sind in dem modern anmutenden dunkelgrauen Aldi-Klotz sogar die Einkaufswagen neu und anders. Zumindest sind sie dunkler und sehen dadurch etwas schicker aus. Eine Münze braucht man dafür immer noch. Und an den drei offenen Kassen heißt es immer noch warten. Das wird sich wohl nicht so schnell ändern. Als gerade weniger Kunden anstehen, verkündet eine glockenhelle Stimme, dass Kasse 3 jetzt geschlossen wird und sich doch tunlichst niemand mehr anstellen soll. Damit auch jeder Bescheid weiß.

Damit jeder über die grundsätzlichen Veränderungen Bescheid weiß, hat Aldi bereits im Mai verkündet, dass bis 2019 alle Filialen ungefähr so aussehen sollen wie die in Ulm-Wiblingen. Warum? „Für uns als innovatives Unternehmen ist es selbstverständlich, mit der Zeit zu gehen und unsere Filialen zu modernisieren“, sagt Lars Linscheid, Geschäftsführer der Aldi Süd Regionalgesellschaft Ebersberg und Verantwortlicher für die „Filiale der Zukunft“, in einer Pressemitteilung. Ein klares, warmes Ladendesign sei nun kombiniert mit der Konzentration auf das Wesentliche, die ein einfaches, aber zugleich an den Kundenbedürfnissen orientiertes Einkaufen ermögliche, lässt der Discounter wissen. Die Schlagworte sind: „Einfachheit, Kundenorientierung und Verantwortung.“

Wie viel für die Umrüstungsaktion ausgegeben wird, verrät Aldi Süd nicht. Nur von Kosteneinsparungen durch die neue LED-Beleuchtung ist die Rede. Aldi Nord baut ebenfalls aus und um. Hier sei, so Verantwortliche, der Umsatz pro modernisiertem Markt im Schnitt um 19 Prozent gestiegen.

Der Discounter ist mit seinem Drang, alles ansprechender zu gestalten und sich so ein neues Image zu verpassen, nicht allein. Auch große Konkurrenten wie Lidl haben angekündigt, ihre Filialen zu modernisieren. Der Kunden soll sich wohlfühlen.

Ob alles Neue allerdings Sinn ergibt, bleibt fraglich. Der Kaffeeautomat nach der Kasse mit 16 Heißgetränkesorten zum Beispiel steht da ganz appetitlich, aber ziemlich verwaist. Man kennt das Gefühl: Der Einkauf ist geschafft und bezahlt, man schiebt den Wagen – wahrscheinlich auch noch voll mit Tiefkühlkost – nur noch schnell zum Auto, packt ein und fährt los.

Ob man da in Stimmung ist für ein kleines Käffchen? Es gibt hinter den Kassen nun auch ein schönes langes Holzbrett, auf dem man in Ruhe seine Waren umpacken oder laut Aldi-Pressemitteilung auch einfach mal ein bisschen sitzen kann. Früher war das ja aus Kunststoff. Und nicht zum Sitzen gedacht.

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05.10.2016, 06:00 Uhr

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