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Nein, nein, nein, dieser Peter!

Wenn sich die charakteristischen Instrumente in einer Orgel wiederfinden: Prokofjews musikalisches Märchen einmal anders

Tübingen. Der Tübinger Orgelsommer geht seinem Ende entgegen und bietet doch immer noch Premieren. Stiftsorganist und Orgelsommer-Organisator Hans-Peter Braun ließ es sich so auch nicht nehmen, die am frühen Donnerstagabend in großer Zahl erschienenen „Kinder und alten Kinder“ bei „Orgel Punkt Sechs“ persönlich zu begrüßen. Noch nie zuvor ist sei Sergej Prokofjews „Peter und der Wolf“ in der Stiftskirche aufgeführt worden.

23.08.2014

Er schrieb das musikalische Märchen 1936, kurz nachdem auch seine Familie in die Sowjetunion nachgekommen war, auf Anregung von Natalja Saz. Die Direktorin des Moskauer Kindertheaters hatte den Komponisten wiederholt mit seinen Söhnen Svjatoslav (11) und Oleg (7) im Publikum entdeckt und es schließlich gewagt, ihn um ein Orchestermärchen als gleichsam spielerischer Instrumentenkunde zu bitten.

Dass Prokofjews „Petja“ nun im Orgelsommer erklingen konnte, ist einer Bearbeitung dieses op. 67 für die Orgel von Heinrich Grimm und Leonhard Völlm zu danken. Völlm, der schon am Alten Theater Heilbronn Erfahrung als Arrangeur sammeln konnte und jetzt als Kantor in Rottenburg wirkt, saß am Donnerstag selbst auf der Orgelempore. Mal in direkter Übersetzung, wo die Orgel – wie bei der Oboe der Ente oder dem Fagott des Großvaters– über ein entsprechendes Register verfügt, mal in komplexerer Nachbildung, wenn es etwa das den Titelhelden charakterisierende Streichquartett nachzuahmen gilt, verlieh Völlm Peter und seinen Freunden musikalisch Gestalt.

Wenn auch die Frische und Keckheit der Vorlage nicht erreicht werden, vermochte die Orgelfassung doch gerade in den sinfonischen Passagen zu überzeugen. So kam vor allem der abschließende Triumphzug auf der Orgel zu großer Wirkung. Unten im Schiff wusste Rudolf Guckelsberger, der bekannte Rezitator und SWR-Moderator, als Erzähler sogleich jede Distanz zu überwinden, indem er sein junges Publikum bei der Vorstellung der Märchengestalten einbezog: „Und wen gibt es noch?“

Kundig gaben die Kinder Antwort. Dann erst setzte sich Guckelsberger zum Vortrag des Märchens an das aufgebaute Lesetischchen. Besonderen Anklang fand seine Darstellung des Vögelchens, das sich stolz das Einfangen des Wolfs auf die Fahnen schreibt.

Neben Organist und Sprecher trat auch das junge Publikum in Aktion: Ein Mädchen in der dritten Reihe dirigierte zeitweilig mit, von zwei noch ganz kleinen Mädchen in der vierten hielt sich eines die Ohren zu und wollte fort, das andere stellte sich barfuß auf die Bank, um ja nichts zu verpassen und den Vogel womöglich fliegen zu sehen. Und ein Junge in der fünften kommentierte: „Nein, nein, nein, dieser Peter!“

Den Eltern und Großeltern, die still zuhörten, gefiel dieser Peter auf der Orgel nicht weniger – herzlicher Applaus für Völlm und Guckelsberger. Tim Hagemann

Wenn sich die charakteristischen Instrumente in einer Orgel wiederfinden: Prokofjews musikalisches
Der Organist befindet sich irgendwo rechts oben außer Sichtweite, aber Sprecher Rudolf Guckelsberger ist ja da: „Peter und der Wolf“ am Donnerstag in der Stiftskirche.Bild: Faden

Wenn sich die charakteristischen Instrumente in einer Orgel wiederfinden: Prokofjews musikalisches
Leonhard Völlm

Die fünfte (und letzte) Veranstaltung in der Reihe „Orgel Punkt Sechs“ ist am kommenden Donnerstag, 28. August um 18 Uhr wiederum in der Tübinger Stiftskirche. Dann spielt für eine halbe Stunde die Tübinger Organistin Clara Hahn. Sie hat schon in jungen Jahren Orgeldienste in den Gottesdiensten in der heimatlichen Aalener Umgebung übernommen und vor ihrem Studium kirchenmusikalische Praxis in einem freiwilligen sozialen Jahr gesammelt. Unter anderem wurde sie von Jens Wollenschläger, dem neuen Ersten Stiftskirchenorganisten, unterrichtet. Im kommenden Jahr schließt sie ihr Tübinger Hochschulstudium für Kirchenmusik ab, wo sie von Martin Kaleschke und Ingo Bredenbach ausgebildet wird. Am Donnerstag spielt sie Werke von Johann Sebastian Bach, Buxtehude und Tournemire.

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23.08.2014, 12:00 Uhr

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