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Wer hat Schuld am Lehrermangel?
„Panikmache hilft nicht weiter“, sagte Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) in Bezug auf den Lehrermangel. Foto: Sina Schuldt/dpa
Bildung

Wer hat Schuld am Lehrermangel?

Im Landtag entbrennt ein Streit um die Frage der Verantwortung für den Unterrichtsausfall an den Schulen. Eine schnelle Lösung des Problems ist nicht in Sicht.

01.03.2018
  • AXEL HABERMEHL

Stuttgart. Vorwürfe, Anschuldigungen, Gegenangriffe: Im Landtag haben sich am Mittwoch Opposition und Regierung über Unterrichtsausfälle an baden-württembergischen Schulen gestritten. Die SPD-Fraktion hatte eine aktuelle Debatte zum Thema beantragt und warf Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) Unaufrichtigkeit und Versäumnisse vor.

„Wir führen diese Debatte, weil die grün-schwarze Landesregierung die miserable Versorgungssituation der Schulen einfach hinnimmt“, sagte der SPD-Abgeordnete Gerhard Kleinböck. „Unsere Schulen sind schon mit 635 Lehrkräften zu wenig ins neue Schuljahr gestartet.“ Ursache des Mangels sei unter anderem, dass pensionierte Lehrer zuletzt nicht ersetzt wurden.

Eisenmann erwiderte, sie teile den Ärger über die vielerorts unter Lehrermangel leidenden Schulen. Daher habe sie diverse Notmaßnahmen ergriffen. Jedoch reichten die bildungspolitischen Fehler lange zurück. „Ganz offensichtlich wurde bereits vor Jahren versäumt, vorausschauend zu planen und entsprechend die Ausbildungskapazitäten für den pädagogischen Nachwuchs zu erhöhen“, sagte Eisenmann. „Panikmache seitens derjenigen, die es versäumt haben, rechtzeitig geeignete Maßnahmen zu ergreifen, hilft uns nicht weiter“, bemerkte sie mit Blick auf die Tatsache, dass die SPD-Politiker Gabriele Warminski-Leitheußer und Andreas Stoch das Kultusministerium 2011 bis 2016 führten.

Die wahren Zahlen kennt keiner

Auch Timm Kern (FDP) griff die SPD an: „Die alte grün-rote Landesregierung trägt ein erhebliches Stück Mitverantwortung“, sagte er. „Fünf Jahre Grün-Rot waren fünf Jahre Politik gegen die Lehrer.“ Sandra Boser von den Grünen nahm ebenfalls die SPD mit in die Verantwortung, räumte aber auch Fehler ein. „Langfristig ist es wichtig, die Planungen an die Realitäten anzupassen“, forderte sie. Karl-Wilhelm Röhm (CDU) riet zu Flexibilität. Er schlug vor, „über ein Lebensarbeitszeit-Konto für Lehrer nachzudenken“ und die Verrechnung von Mehrarbeits-Unterricht attraktiver für Lehrer zu gestalten. Rainer Balzer (AfD) griff die SPD im Allgemeinen an. Sie sei „eine Sackgasse für unser Land“.

Wie viel Unterricht tatsächlich an Baden-Württembergs Schulen ausfällt oder nur durch Vertretungslehrer gegeben wird, weiß indes niemand. Dies wird nicht flächendeckend erhoben. Anlass der Debatte war eine repräsentative Stichprobe des Kultusministeriums aus dem November. Sie ergab, dass im abgefragten Zeitraum schulartübergreifend 3,6 Prozent des Pflichtunterrichts ausfielen. In der Stichprobe 2016 waren es 3,2 Prozent gewesen.

Abgefragt worden waren 610 zufällig ausgewählte Schulen im Land. Die höchsten Ausfälle gegenüber den Stundenplänen gab es mit je 5,4 Prozent des Pflichtunterrichts an allgemein bildenden Gymnasien und beruflichen Schulen. An beiden Schularten lag die Quote 2016 noch bei 4,5 Prozent. An Grundschulen dagegen, wo großer Lehrermangel herrscht, blieb der Anteil mit 1,1 Prozent unverändert, an Gemeinschaftsschulen sank er sogar um 0,4 Prozentpunkte auf 1,9 Prozent des Pflichtunterrichts.

Ministerin Eisenmann kündigte an, die Datenerhebung zum Ausfall zu verbessern. Künftig werde ihr Ministerium die Unterrichtssituation „schulscharf“, also an allen öffentlichen Schulen im Land, erfassen. Noch dieses Jahr wolle sie zudem ergänzend zur Novemberstichprobe eine „Vollerhebung“ durchführen.

Den Lehrermangel selbst bekämpfe sie mit Notmaßnahmen, jedoch seien die Pensionierungszahlen weiter hoch, es gebe zu wenige Bewerber. Erst ab 2020 oder 2021 werde sich die Situation voraussichtlich entspannen.

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01.03.2018, 06:00 Uhr

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