Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Kommentar

Wer schlägt, riskiert den Führerschein

Wer im Landkreis Reutlingen etwa in der Disko rot sieht und eine Schlägerei anzettelt, für die er verurteilt wird, bekommt jetzt vom Landratsamt hinterher noch die Gelbe Karte. Beim nächsten Aggressionsdelikt, heißt es in dem Verwarnungs-Schreiben auf gelbem Papier, müsse er damit rechnen, sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) zu unterziehen – und damit einkalkulieren, dass ihm bei negativem Ergebnis der Führerschein entzogen wird. „Wir wollen damit klar aufzeigen, dass Gewaltdelikte auch außerhalb des Straßenverkehrs sehr wohl zum Verlust des Führerscheins führen können“, stellte Landrat Thomas Reumann gestern bei der Vorstellung des Projekts klar. Diese Aktion solle auch kein Papiertiger werden, „nach Gelb gibt es Rot“, kündigte er an.

28.07.2012
  • Thomas de Marco

Die Jugendkriminalität in Baden-Württemberg sei zwar auf dem tiefsten Stand seit 15 Jahren, erklärte Horst Vöhringer, Leiter der Kriminal- und Verkehrsprävention bei der Reutlinger Polizei – aber es seien immer noch zu viele Fälle. „Wir haben pro Jahr 14 000 Straftaten im Landkreis, davon 2000 Rohheitsdelikte mit 1500 Körperverletzungen.“ Letztere würden immerhin zu 90,8 Prozent aufgeklärt – was auch daran liege, dass die Polizei nach nächtlichen Schlägereien am nächsten Morgen eine Ermittlungsgruppe bilde und mit viel Personal vorgehe. Von den 1325 ermittelten Tatverdächtigen waren 45 Prozent jünger als 25 Jahre.

Bei denen dürfte durchaus wirken, dass dieses Delikt in Verbindung mit dem Autofahren gebracht wird, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Walter Vollmer aus Tübingen: „Wenn es vor Gericht um den Führerschein geht, akzeptieren die Leute oft sogar höhere Strafen, um den behalten dürfen.“ Die Gelbe Karte sei aber nicht als Bestrafung zu sehen, sondern solle die Bevölkerung schützen. „Wir von der Staatsanwaltschaft sind erst nach den Straftaten repressiv tätig, das Landratsamt kann dagegen präventiv vorgehen“, sagte Vollmer.

Die Anzahl der Gelben Karten werde sich freilich in Grenzen halten, erklärte Ingwild Weber, Leiterin des Rechts- und Ordnungsamtes vom Landkreis Reutlingen, und verweist auf den Landkreis Tübingen, der die Karten bereits zückt. Zehnmal komme das pro Jahr vor, erläuterte Weber. Noch wesentlich seltener werde Rot gezeigt: 2010 seien landesweit von 15 Dienststellen 544 gelbe Verwarnungen verschickt worden – „nur 0,02 Prozent der Fälle endeten dann auch mit einer MPU“, berichtete Weber.

Um auf die Aktion aufmerksam zu machen, hat das Landratsamt Jugendliche der Reutlinger Kerschensteinerschule beauftragt, Informationsmaterial zu entwerfen. „Das sollte ein unkonventionelles Format haben und nicht gleich alles auf der Titelseite verraten“, erklärte Mariana Baur. Herausgekommen ist ein kreisrunder, schwarzer Flyer, der mit wenigen Worten klarmacht, wann der Lappen in Gefahr ist. „Der Führerschein ist auf jeden Fall ziemlich wichtig. Ich wohne in einem Kaff und wäre ohne Auto abgeschnitten“, verriet Baur, die deshalb davon überzeugt ist, dass die Aktion bei Jugendlichen durchaus ankommen dürfte.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

28.07.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball