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Wer will schon mit den Wölfen heulen
Wölfe im Erlebnispark Tripsdrill. Früher ausgestorben, gibt es heute in Deutschland wieder wildlebende Rudel. Foto: dpa
Artenschutz

Wer will schon mit den Wölfen heulen

Offene Arme bei Naturschützern, keine Spur von Begeisterung bei Nutztierhaltern: Seit ein lebendes Exemplar des lange ausgestorbenen Raubtiers im Südwesten gesichtet wurde, wird heftig diskutiert.

12.01.2017
  • LSW

Karlsruhe. Nach vielen Jahren als „Wolferwartungsland“ ist der Südwesten seit Sichtung eines lebenden Wolfes zum „Wolf-ist-jetzt-auch-bei-uns-Land“ geworden. Zur Freude der Naturschützer und zum Missfallen von Schäfern und anderen Nutztierhaltern. Eine kleine Bilanz:

Wo ist der Wolf denn nun? Kaum da, war er im Südwesten wieder weg. Trotzdem war es eine Sensation, als erstmals seit 150 Jahren ein lebendiger Wolf gesehen wurde: Im Mai auf der Baar-Hochfläche zwischen Schwarzwald und Alb. Im Jahr davor waren bereits zwei tote Wölfe gefunden worden.

Wann könnte sich der Wolf hier dauerhaft ansiedeln? Jederzeit. „Ich glaube, dass wir in zehn Jahre ein oder zwei etablierte Wolfsrudel haben könnten“, sagt Johannes Enssle, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Nabu. „Die Verbreitung in Deutschland ist ziemlich rasant.“ Bundesweit gibt es geschätzt bereits rund 500 Wölfe. Da sie riesige Distanzen zurücklegen, ist ihre Ansiedelung im Südwesten nur noch eine Frage der Zeit, sagen Experten.

Dann wird es also ernst. Was tun? Der Landesschafzuchtverband testet in Zusammenarbeit mit Nabu und Umweltministerium in einem Pilotprojekt seit 2015 in acht Betrieben „Herdenschutzhunde und Zäune“, so Annette Wohlfahrt vom Landesschafzuchtverband.

Was sind diese Herdenschutzmaßnahmen denn genau? Schafherden können zum einen mit Hilfe der ausgebildeten Herdenschutzhunde vor Wolfsangriffen geschützt werden, erklärt Nabu-Landeschef Enssle. Der Einsatz der Tiere ist allerdings problematisch. Denn sie vertragen sich nicht unbedingt mit den Hütehunden der Schäfer. Außerdem bereitet die Bundestierschutzhundeverordnung einiges Kopfzerbrechen. Sie schreibe Auflagen für die Haltung der Hunde vor, die gut gemeint, für solche Arbeitshunde aber ungeeignet seien. Zum anderen könnten spezielle Zäune die Herden vor dem Raubtier schützen. „Wolfssichere Zäune müssen mit ordentlich Strom versetzt sein. Dann lernen die Wölfe, dass Schafe keine leichte Beute sind“, sagt Enssle. Wünschenswert dafür sind 120 Zentimeter Höhe und ein Stromfluss von etwa 4000 Volt.

Bringt das was? Da gehen die Meinungen auseinander. Der Einsatz dieser Hunde sei von zahlreichen Gegebenheiten abhängig, heißt es im Umweltministerium. Laut Schafzuchtverband dauere es mindestens fünf Jahre, um einen Herdenschutzhund auszubilden, außerdem sei es wegen der im Südwesten sehr verbreiteten Wanderschäferei und der starken Besiedelung sehr problematisch, diese Hunde mit sich zu führen: Sie verbellen jeden, der sich einer Herde nähert. Zäune wären schon eher die Lösung; die bisherigen Tests seien ermutigend, sagen Wohlfahrt, Nabu und Ministerium. Allerdings: 80 Prozent der durch Schafe beweideten Flächen sind Steillagen – Zäune aufzubauen ist nicht leicht. Außerdem ist der Boden oft „verbuscht“ und der Strom fließt ab.

Ist die Sorge der Schäfer nicht übertrieben? „Schauen Sie sich die Statistiken aus anderen Bundesländern, in denen es Wölfe gibt, doch an“, sagt Wohlfahrt. „Die Herden sind dort geschützt und trotzdem gibt es drastische und tragische Übergriffe.“ Das Ministerium hält Elektronetze als Grundschutz für ausreichend.

Fazit? Der Wolf kommt, soviel ist sicher. „Wir müssen uns darauf einstellen, bleibt uns ja nichts anderes übrig“, sagt Wohlfahrt. Außerdem, sagt der Wolfsbeauftragte des Nabu, Michael Glock: „Es gibt keinen 100-prozentigen Schutz.“ dpa

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12.01.2017, 06:00 Uhr

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