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ADAC

Werbeblock vor dem Unterricht

Der ADAC schickt Vertreter in den Theorieunterricht von Fahrschulen, um dort junge Mitglieder zu gewinnen. Mit einigem Erfolg.

07.11.2016
  • Sabine Lohr

Rund 20 junge Führerschein-Anwärter besuchen an einem Montagabend den Theorieunterricht der Fahrschule Armbruster in Tübingen. Manche sind zum ersten Mal da, andere haben schon einige Unterrichtseinheiten hinter sich gebracht. An diesem Montag bekommt der Kurs gleich zu Beginn Besuch: Ein Vertreter des ADAC ist da und erzählt den Schülern von den Vorteilen des Clubs. Er schenkt ihnen Warnwesten und Parkscheiben und teilt Mitgliedsanträge aus. Die meisten unterschreiben. Die Minderjährigen bekommen einen „Elternbrief“ mit. In dem werden die Eltern über die abgeschlossene Mitgliedschaft ihres Kindes informiert.

Ein Jahr später oder zum 18. Geburtstag werden alle dieser Neu-Mitglieder, die im ersten Jahr keine Mitgliedsbeiträge zahlen mussten, einen Brief vom ADAC bekommen und darüber informiert, dass die Mitgliedschaft ab sofort jährlich 24 Euro kostet.

Die Fahrschulen – eine Werbeplattform? Nicht alle sind dazu bereit. „Ich finde das nicht richtig“, sagt etwa Eleonore Eder. Vor Jahren sei einmal ein Vertreter des ADAC gekommen und habe eine derartige Werbeveranstaltung angeboten. „Aber das habe ich abgelehnt, das stört doch nur.“

Auch Claudia Arnold will keinen ADAC-Vertreter im Theorieunterricht haben. In ihrer Fahrschule darf der Werber zwar Material auslegen, mehr aber nicht. „Ich finde den ADAC wirklich gut“, sagt sie, „aber ich will ihn nicht im Unterricht haben. Bei uns im Fahrschulraum wird nichts unterschrieben.“

Verhaltenskodex für Werber

Bei der Fahrschule Mex wird unterschrieben. „Ich habe mir da bisher gar keine Gedanken darüber gemacht“, sagt Inhaber Rainer Pabst. Andererseits gebe er Versicherungen mit ähnlichen Anliegen immer sofort eine Absage. „Das Problem“, sagt er nun, „ist ja die Kündigung. Die jungen Leute setzen sich eher nicht hin und machen sich die Mühe zu kündigen.“

Wie viele Mitglieder der ADAC über den Fahrschul-Weg bekommt, kann Pressesprecher Christian Buric nicht sagen. Die Zahl der unter 25-jährigen Mitglieder bewege sich „im einstelligen Prozentbereich“. Das sind also zwischen 20000 und 175000 junge Menschen. Geworben werden sie nicht nur in Fahrschulen, sondern auch auf Messen oder auf öffentlichen Plätzen. Bis vor wenigen Jahren besuchten Werber auch Discos. „Das machen wir nicht mehr“, so Buric.

Nicht alle Werber sind direkt vom ADAC. Der Automobilclub beauftragt auch Agenturen. Allerdings bekommen deren Mitarbeiter dann spezielle Schulungen und müssen sich an einen Verhaltenskodex halten. Der schreibt unter anderem vor, dass „erkennbar alkoholisierte, unter Drogeneinfluss stehende beziehungsweise geschäftsunfähige Personen“ nicht geworben werden dürfen.

Nenad Lustek ist von einer solchen ADAC-Vertriebsagentur und besucht Fahrschulen in Tübingen. Er hält diese Plattform für geeignet. „Die Schüler profitieren ja davon, sie bekommen etwas“, sagt er. Wie viele Mitglieder er über diesen Weg anwerbe, wisse er nicht, sagt er. Nicht einmal eine grobe Schätzung könne er abgeben.

Bei der Fahrschule Armbruster waren es an besagtem Montag mindestens zehn Anträge, die der dort werbende ADAC-Agent mitgenommen hat. Eine Stellungnahme aus dieser Fahrschule war nicht zu bekommen, weil kein Ansprechpartner anwesend war.

Kündigung der Mitgliedschaft

In den Fahrschulen werden so genannte „Young-Generation-Mitgliedschaften“ abgeschlossen. Im ersten Jahr nach dem Erwerb des Führerscheins sind sie beitragsfrei. Danach kosten sie bis zum 23. Geburtstag 24 Euro im Jahr. Die Mitgliedschaft kann wie üblich innerhalb von 14 Tagen nach Antragstellung widerrufen werden. Danach kann der Vertrag spätestens drei Monate vor Ablauf der Beitragsfrist (ein Jahr) gekündigt werden.

Wird der Jahresbeitrag nicht bezahlt, bringt der Club keine Leistungen mehr und mahnt an. Werden auch die Mahngebühren ignoriert, streicht der ADAC spätestens nach zwei Jahren die Mitgliedschaft.

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07.11.2016, 01:00 Uhr

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