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Der Kampf um die Klassenzimmer

Werkrealschulen gehen mit Rekord-Schülerzahlen ins neue Schuljahr

Mit dem neuen Schuljahr startet in Baden-Württemberg eine neue Schulart. In Horb bereiten sich die Werkrealschulen auf dem Hohenberg und in Altheim auf den Unterrichtsbeginn vor.

10.09.2010
  • Claudia Salden

Horb/Altheim. „Wir sind in den Startlöchern“, sagt Eugen Gamerdinger, Leiter der Hauptschule mit Werkrealschule auf dem Hohenberg. Am Montag startet der Schulbetrieb – auch in der Außenstelle Eutingen, die Schüler der Klassen 5 und der neuen Kombiklasse der Stufen 6 und 7 besuchen. „In der Kombiklasse unterrichten in den Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch jeweils zwei Lehrer“, berichtet Eugen Gamerdinger. Insgesamt müssen neun Lehrer zwischen Horb und Eutingen hin und her fahren. Während die Werkrealschule als ergänzendes Jahr in der 10. Klasse nichts Neues für Rektor Gamerdinger ist, besuchen ab Montag mit Start der Schulreform neue Schüler seine Schule auf dem Hohenberg: „Die Achtklässler aus Dettensee und Eutingen bilden die neue Klasse 8c“, berichtet Gamerdinger. Auch in den Folgejahren werden die Stufen 8 bis 10 in der Regel dreizügig sein.

Insgesamt besuchen 330 Schüler die Werkrealschule. „Die Schule platzt aus allen Nähten“, sagt der Rektor. Wegen der Räumlichkeiten seien enge Absprachen mit der benachbarten Realschule nötig. „Um die Fachräume kämpfen wir“, sagt Gamerdinger. Ihm war es wichtig, dass jede Klasse ein Klassenzimmer hat. Notfalls müssen Fachräume zu Klassenräumen umfunktioniert werden. Die räumliche Knappheit werde sich im kommenden Jahr mit steigenden Schülerzahlen noch verschärfen, fürchtet Gamerdinger: „Möglicherweise müssen wir dann an die Stadt herantreten und um neue Räumlichkeiten wie einen Container bitten.“

Problematisch sei es gewesen, den Unterrichtsbetrieb umstellen, berichtet der Schulleiter. Anfang der Woche habe der Konrektor noch am Stundenplan gebastelt. Erst am Mittwoch – und nicht wie sonst zu Ferienbeginn – haben die Lehrer ihr Deputat erfahren. Neu sind die Wahlpflichtfächer „Gesundheit und Soziales“, „Wirtschaft und Informationstechnik“ sowie „Natur und Technik“, die ab Klasse 8 belegt werden. „Glücklicherweise gibt es genug Lehrer, die sich dafür interessieren“, freut sich Gamerdinger. Die Fortbildungen für die Lehrkräfte beginnen allerdings erst im Oktober.

„Die Lehrerversorgung ist sehr gut“, sagt der Schulleiter. „Ich kann viel individuelle Förderung in Kleingruppen anbieten.“ Dafür erhält die Werkrealschule auf dem Hohenberg eine Wochenstunde pro Klassenlehrer und Fachlehrer. Die jetzt geforderte Integration der Berufsorientierung sei mit der Berufswegeplanung und einer externen Ansprechpartnerin der Beruflichen Bildung gGmbH bereits Alltag. Auch der Ganztagesbetrieb, an dem fast alle Schüler teilnehmen, laufe wie bisher weiter: Am Mittwochnachmittag leiten die Lehrer 25 halbjährlich wechselnde Arbeitsgemeinschaften, hinzu kommen Angebote von externen Kräften. An den anderen Tagen gibt es freie Spielangebote in der Mittagspause und eine Hausaufgabenbetreuung unter Lehreraufsicht.

„Für Freizeitangebote habe ich pro Klasse sieben Lehrerwochenstunden bekommen“, berichtet Gamerdinger. Im Folgejahr sollen es nur noch fünf sein. „Ich habe jetzt schon Angst, wie ich das umsetzen soll“, sagt der Schulleiter. Nach der jetzt beschlossenen Kürzung des Landesetats für die Lehrbeauftragten an Schulen von 3 auf 2 Millionen Euro sinken die Mittel für Lehrbeauftragte, die ehrenamtlich Arbeitsgemeinschaften anbieten. „Die Differenz muss ich jetzt aus meinem eigenen Etat bezahlen“, ärgert sich Gamerdinger. In diesem Jahr rechnet er mit Kosten von 1000 Euro.

Auch an der Werkrealschule Altheim laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. „Derzeit ändern sich die Schülerzahlen täglich“, sagt Rektor Peter Götz. Die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule in Altheim, die Außenstelle der Werkrealschule in Dettingen und die Außenstelle der Grundschule in Grünmettstetten werden insgesamt 300 Schüler besuchen. Damit ist Götz Peter für 100 Schüler mehr zuständig als im vergangenen Schuljahr. Kurzfristig habe sich ergeben, dass in Altheim nicht nur eine, sondern zwei 5. Klassen mit jeweils 17 Schülern starten werden. Eine dritte 5. Klasse beginnt in Dettingen mit 22 Schülern. Für die neue Klasse in Altheim konnte eine Lehrerin aus Horb verpflichtet werden.

Insgesamt wächst das Altheimer Kollegium um 11 auf 31 Lehrer, die sich bei der Lehrerkonferenz am heutigen Freitag kennen lernen. Eine Kollegin von der Talheimer Hauptschule ist nach Altheim gekommen, eine zweite bleibt noch ein Jahr in Talheim und betreut die dortige 9. Klasse. Die Lehrer der ehemaligen Dettinger Hauptschule unterrichten nun an der Grundschule und in der in Dettingen verbleibenden 9. Klasse. Der Stundenplan für alle Klassen ist fertig, vermeldet Rektor Götz.

Die Schüler der 8. Klassen hätten sich erfreulicherweise gleichmäßig auf die neuen Wahlpflichtfächer verteilt, freut sich der Schulleiter. Die jetzt vorgeschriebene Integration der Berufsorientierung in den Unterricht sei auch für Altheim nichts Neues: „Seit dem Bildungsplan 2004 hat die Berufsorientierung bei uns großes Gewicht“, sagt Götz Peter. Außerdem sei die Schule vor einem Jahr von der Industrie- und Handelskammer mit dem Boris-Berufswahl-Siegel ausgezeichnet worden. Wie die neue Zusammenarbeit mit den beruflichen Schulen, die ab dem Schuljahr 2012/2013 für die 10. Klassen greifen soll, aussehen wird, stehe hingegen noch nicht fest. Dazu gebe es ein erstes Treffen im Oktober.

Neu ist das Ganztagesangebot, das auf großes Interesse bei den Altheimer Schülern stoße. „Ich hoffe, dass sich das Angebot auch in Dettingen herumspricht“, sagt der Schulleiter. Dort interessieren sich bisher nur rund 12 der 57 Werkrealschüler für das Ganztagesprogramm. In Altheim werde es jeweils für ein Tertial mindestens vier, in Dettingen zwei Angebote von Lehrern und Jugendbegleitern zur Wahl geben.

„Räumlich kommen wir gut zurecht“, sagt Götz Peter. Einige Fachräume seien in Klassenzimmer umgewandelt worden. Mehr Gedanken macht sich der Rektor um die zur Mensa umfunktionierten Schulküche, die nur 20 Plätze zählt. Das Essen muss im Schichtbetrieb angeboten werden. „Mittelfristig hoffen wir auf einen besseren Raum“, so Peter. Eine häufige Frage der Eltern sei die nach den Busverbindungen gewesen. „Für die Schüler aus Talheim wurde eine neue Direktverbindung geschaffen“, freut sich der Schulleiter. Schwerer haben es die Achtklässler aus Dettingen und Betra, die nach Altheim fahren – wegen der Bauarbeiten im Dießener Tal sind sie länger unterwegs und müssen nach Schulschluss noch eine Stunde in Altheim bleiben.

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10.09.2010, 12:00 Uhr

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