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Frühstück um vier

Weshalb der Fastenmonat eine wichtige Erfahrung wurde

Ab Sommer 2011 war ich für ein halbes Jahr als Austauschschülerin in Malaysia. Da meine Gastfamilie muslimisch war und alle fasteten, beschloss ich, es auch zu probieren. Konkret bedeutete dies, dass ich jeden Morgen um 4.10 Uhr aufstand, um noch im Schlafanzug in die Küche zu gehen und so viel wie möglich zu essen.

31.07.2012

Nach mindestens einem großen Teller Reis mit verschiedenen Beilagen (etwa Rindfleisch, Hähnchen, verschiedene Fisch- und Gemüsesorten) und einer Tasse Milch oder Sojamilch schnell noch die Zähne putzen, um dann nochmal für zwei Stunden ins Bett zu gehen.

Dieser Ablauf wurde bald zur Routine und verlief mehr im Schlafen als im Wachen. In der Schule wurden die Aktivitäten und auch die Hausaufgaben auf die kleinstmögliche Stufe heruntergeschraubt, denn auch die meisten Lehrer fasteten. Nach der Schule habe ich immer Wasser getrunken, weil sowohl meine Familie in Malaysia als auch meine Familie in Deutschland mir verboten hatten, auf das Trinken zu verzichten. Meistens legte ich mich nochmal hin oder schaute fern, denn für alles andere war ich zu müde.

Aber Hunger hatte ich meistens noch nicht, denn ich war es nicht gewohnt, morgens schon so viel zu essen. Am Nachmittag ging ich meistens mit meiner Familie Essen einkaufen. Wir besuchten so genannte „Ramadan-Märkte“, auf denen man alles Mögliche kaufen konnte: Zum Einen Gemüse, Obst, Fleisch und Fisch, aber auch schon fertige Kleinigkeiten, zum Beispiel verschiedene Reis- und Nudelgerichte zum Mitnehmen oder frittierte Bananen, Durian und andere Früchte, kleine Küchlein, die wie Waffeln in Formen gegossen und gebacken wurden, dann noch Pfannkuchen ähnliche Gerichte, die entweder mit Erdnüssen und Zucker gefüllt wurden oder salzig mit Fleisch.

Diese Liste könnte noch ewig weitergehen, nach meinem Gefühl gab es jeden Tag wieder etwas Neues zum Probieren. Zu Hause haben wir das ganze Essen auf dem Tisch hergerichtet und bis zum Sonnenuntergang gewartet. Gegen 19 Uhr war es so weit, wir hörten den Gebetsgesang aus der nächsten Moschee und beteten gemeinsam, bevor wir aßen. Im Gegensatz zu den „verschlafenen“ Mahlzeiten am Morgen war es abends immer lustig, zusammenzusitzen und gemütlich von allem etwas zu probieren. Am Wochenende konnte dieser Tagesablauf allerdings auch geändert werden: Wenn wir Besuch hatten oder einfach mit der Familie abends weggingen, zog sich das manchmal so lange, dass wir das „Frühstück“ direkt im Anschluss aßen und ausschlafen konnten.

In dieser Zeit bin ich meiner Familie nochmal um einiges näher gekommen. Ich würde auf jeden Fall wieder mit ihnen fasten. Es ist am Anfang jeden Tag aufs Neue schön gewesen, es geschafft zu haben, und bis auf vier Tage, an denen ich krank war, habe ich es auch den ganzen Monat durchgehalten. Um dann am Schluss mit dem Fest Hari Raya belohnt zu werden. Theresa Juraschitz, 17

Weshalb der Fastenmonat eine wichtige Erfahrung wurde
Lecker! Diese Speisen gab es auf einem „Ramadan-Markt“ fürs abendliche Fastenbrechen zu kaufen. Bild: Theresa Juraschitz

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31.07.2012, 12:00 Uhr

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