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Eine Königin als Mitfahrerin

Wespe nistet ausgerechnet in der Autotür

Welch Überraschung, als Hans-Jürgen Peters sein Auto aufschloss: In der Fahrertüre nistet eine Gallische Feldwespe. Das Tier und der Tübinger teilen sich seither das Gefährt. Wespen-Experte Rainer Radtke ist fasziniert.

17.07.2012
  • Fabian Ziehe

Eine Königin fährt mit: Wespe nistet in einer Autotüre

© Ziehe 02:59 min

Tübingen. „Das ist ja ein witziger Standort“, entfährt es Rainer Radtke, als Hans-Jürgen Peters das Auto auf dem Parkplatz vor seiner Wohnung auf Waldhäuser-Ost öffnet. In der Fahrertüre des Wagens bei der Angel hängt ein tischtennisballgroßes Wespennest, aufgehängt an einem Stiel.

Peters hatte dem TAGBLATT wegen seiner ungewöhnlichen Mitfahrerin gemailt und Fotos geschickt. Radtke, der ehrenamtliche Fachberater für Hornissen- und Wespenfragen des Tübinger Landratsamtes, identifizierte das Insekt als Gallische Feldwespe – und ließ sich nicht lange bitten, das Tier vor Ort zu begutachten.

Wespe nistet ausgerechnet in der Autotür
Sechs Larven, die im Schein einer Taschenlampe glänzen, hat die Feldwespen-Königin zu versorgen.

„Feldwespen sieht man selten, sie kommen aber häufig vor“, sagt Radtke. Sie sind unauffällig und bilden nur kleine Staaten mit bis zu 40 Arbeiterinnen. Die Insekten sind weniger aufdringlich als die stark verbreitete Deutsche Wespe oder Gemeine Wespe. Und friedfertiger: „Die können stechen, tun es aber so gut wie nie“, sagt Radtke.

}Peters sorgen Stiche eh nicht. Die Wespe sei seine „kleine Freundin“.Er beobachtet ihr Treiben und zeigt sie stolz den Nachbarn. Peters ist Rollstuhlfahrer, das Auto ist umgerüstet. Ende März zickte der Wagen. Sollte Peters den Opel nochmal reparieren? Ein umgebautes Auto stößt man nicht einfach ab. Derweil er überlegte, eroberte die Wespe über einen Türspalt den Hohlraum. Dunkel und geschützt vor Feinden, so mag sie es. Acht Wochen später, als Peters doch wieder ins Auto stieg, sah er das Nest. „Erst dachte ich, das ist ein Pilz.“ Später habe er die „zarte Wespe“ entdeckt. Seither ist er besorgt ob deren schmächtiger Statur.

Wespe nistet ausgerechnet in der Autotür
H.-J. Peters

„Die muss zart sein“, sagt Radtke. Eine Sorge von Peters teilt der Experte: Die Wespen-Königin findet ihr Nest nur wieder, wenn das Auto im Umkreis weniger Meter parkt. Wenn Peters losfährt, sollte die Wespe auf dem Nest sein. Darauf achtet dieser schon. Aber das Auto still legen, will er nicht: „Da hört meine Tierliebe doch auf.“

Peters begeistert, dass eine Woche für den Bau der 40 Waben gereicht hat. Derzeit beobachtet er, wie die Wespe die Larven versorgt, die als Arbeiterinnen der Königin bald die Nahrungssuche abnehmen. „Viele Nachbarn haben gesagt, nichts wie weg mit der Wespe. Aber dann fanden sie sie auch toll“, sagt Peters. Gut sei, dass die Wespe nicht während der Fahrt ins Fahrzeuginnere kommt. Da will er doch lieber auf den Verkehr achtgeben.

Wespe nistet ausgerechnet in der Autotür
R. Radtke

Radtke freut, dass Peters die Wespe nicht umsiedeln will. Er greift bei Wespen ein, die nah bei Kindern und Senioren siedeln oder stechlustig sind. Geschützte Arten wie Hornissen (die Feldwespe gehört nicht dazu) siedelt er nur in gut begründeten Fällen um. Da ein ausgewachsenes Volk von Hornissen täglich ein Pfund Insekten verdrückt, hängt sich Radtke eins der 60 Zentimeter großen Nester jedes Jahr in den eigenen Garten.

Einen Dauergast hat Peters übrigens nicht: Die Wespe nutzt das Nest bis August. Dann fliegen die Jungköniginnen aus.

Wespennester selber entfernen kann schmerzhaft enden – oder bei den neun geschützten Arten mit einer Geldstrafe von bis zu 10 000 Euro. Bei diesen neun dürfen nur geschulte Fachleute ran. Im Landkreis Tübingen gibt es dafür vier ehrenamtliche Fachberater,, ihre Kontaktdaten stehen auf www.kreis-tuebingen.de. Dort sind auch zwei Firmen genannt, die Gemeine Wespen und Deutsche Wespe entfernen. Auch Feuerwehr, Polizei und Behörden vermitteln Hilfe. Ein Video heute Nachmittag auf www.tagblatt.de zeigt die Feldwespe in der Autotüre und wie Rainer Radtke ein Nest entfernt.

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17.07.2012, 12:00 Uhr

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