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„Wettbewerb wird dramatisch“
So werden am Tübinger Hertie-Institut Nervenbahnen sichtbar gemacht. Die Hirnforscher gehören zum Forschungsverbund des Zentrums für integrative Neurowissenschaft, dem bisher einzigen Tübinger Exzellenzcluster. Bild: Hertie-Institut
Sieben potenziell exzellente Cluster-Kandidaten

„Wettbewerb wird dramatisch“

Zwei große Forschungs-Cluster braucht die Tübinger Universität, um ihren Exzellenzstatus zu verteidigen. Sieben Kandidaten hat sie jetzt benannt.

08.12.2016
  • Ulrich Janßen

Seit 2012 darf sich die Tübinger Hochschule mit dem Titel „Exzellenz-Universität“ schmücken. Der (etwas verspätete) Aufstieg in die Elite der deutschen Wissenschaft, da ist sich Prof. Bernd Engler ganz sicher, „war für die Universität ein Segen.“ Nicht nur weil die Ernennung satte 70 Millionen Euro einbrachte. Der Exzellenz-Status und der Kampf darum habe der Universität, sagte der Rektor im Gespräch mit dem TAGBLATT, „insgesamt viele Impulse“ beschert.

Doch die Gefahr ist groß, dass der Impuls- und Geldsegen im Jahr 2019 endet. Denn in der vierten Runde werden nur elf Unis exzellent gefördert. Wer dabei sein will, muss statt einem (wie jetzt) mindestens zwei sogenannte Exzellenzcluster bieten. „Der Wettbewerb“, ahnt Engler, „wird dramatisch intensiver werden.“ Pro Cluster winken zwar bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr. Doch rechnet der Rektor auch mit gut 300 Bewerbungen um die etwa 50 Plätze.

Ein Exzellenzcluster ist ein großer Forschungsverbund, in dem renommierte Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen und Institutionen gemeinsam an einem zukunftsträchtigen Thema arbeiten. So ein Verbund muss nicht nur gut vernetzt sein und mit herausragender Forschung aufgefallen sein, er soll auch interessante und originelle Entwicklungsperspektiven bieten. Für kleinere Universitäten ist das eine große Hürde. Bislang hat Tübingen nur ein Cluster: Das Zentrum für integrative Neurowissenschaften (CIN). Heidelberg dagegen hat schon zwei, München sogar fünf Cluster. Bisherige Cluster können in der nächsten Runde auch durchfallen.

Seit einem Jahr suchte die Universität deshalb in „intensiven Gesprächen“ (Engler) nach geeigneten Kandidaten. In verschiedenen Auswahlrunden hat man sich jetzt auf sieben Projekte geeinigt, mit denen die Universität ins Rennen gehen will. Es sind:

Das adaptive Gehirn. Dahinter verbirgt sich die bisher unter dem CIN-Dach gebündelte neurowissenschaftliche Forschung. Sie soll künftig weniger medizinisch ausgerichtet sein und stärker untersuchen, wie das Gehirn ganz allgemein körperliche Prozesse steuert.

Kontrolle mikrobieller Gemeinschaften. Seit die Entwicklung von Antibiotika immer schwerer wird, suchen Forscher weltweit nach neuen Wegen, um Infektionen zu bekämpfen. Die Tübinger Immunbiologen und Infektionsforscher wollen dabei eine führende Rolle spielen.

Individualisierung von Tumortherapien. Personalisierte Medizin nennt sich eine der interessantesten Strategien im Kampf gegen den Krebs. Ziel ist, jeden Patienten individuell zu behandeln, etwa mit speziell auf ihn zugeschnittenen Antikörpern. Tübingen hat hier nicht nur einige Sonderforschungsbereiche zu bieten. Es bieten sich auch Kooperationen mit Unternehmen wie Curevac oder Immatics an.

Maschinelles Lernen. Hier geht es unter anderem um die Auswertung riesiger Datenmengen („Big Data“) durch „lernende“ Computerprogramme. Interessant ist das unter anderem für die personalisierte Medizin, für die Analyse von Bilderkennungsprozessen (Thema des neuen Sonderforschungsbereichs „Robust Vision“) oder die Bildungsforschung.

Förderung der Integrierten Empirischen Bildungsforschung. Dieses Projekt baut auf der exzellenz-gekrönten Graduiertenschule der Tübinger Bildungsforscher auf. Um die Schule herum hat sich ein Forschungsnetzwerk gebildet, das unter anderem die Bildungspolitik regelmäßig mit neuen empirischen Erkenntnissen versorgt.

Dynamiken sozialer Differenzierung. In diesem Projekt kommen die Sonderforschungsbereiche „Bedrohte Ordnungen“ und „Ressourcenkulturen“ zusammen. Sie beschäftigen sich unter anderem damit, wie Gesellschaften auf Herausforderungen wie Migration, Terroranschläge oder Finanzkrisen reagieren.

Verstehen verstehen. Dieses Projekt, über dessen „pfiffigen Namen“ sich Engler besonders freut, vereinigt Sprach- und Computerwissenschaftler aus Stuttgart und Tübingen, die sich mit der Analyse von Sprache und Texten beschäftigen.

Engler betonte, dass die Uni die sieben Projekte, die aus elf Kandidaten ausgewählt wurden, „gleichwertig“ behandle. Der Rektor: „Welche zwei Kandidaten durchkommen, ist für uns fast irrelevant.“

Exzellenzstrategie: So geht es weiter

Bis zum 1. Dezember2016 mussten die Unis unverbindlich erklären, welche Cluster sie einbringen wollen. Das hat die Uni getan. Bis zum 3. April 2017 ist nun Zeit, die Bewerbung in „Skizzen“ zu konkretisieren. Im September 2017 werden die „Skizzen“ begutachtet und die interessanten Kandidaten ausgewählt. Die müssen bis 19. Februar 2018 förmliche Anträge abgeben, über die am 27. September 2018 ein Expertengremium entscheidet. In diesem, von DFG und Wissenschaftsrat zusammengestellten Gremium sitzen 39, vorwiegend im Ausland tätige Wissenschaftler. Am 1. Januar 2019 starten dann die neuen Exzellenzcluster, ab 1. November 2019 werden zusätzlich die Exzellenz-Unis gefördert. Sie müssen mindestens zwei Cluster aufweisen und erhalten weitere 10 bis 15 Millionen Euro pro Jahr.

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08.12.2016, 01:01 Uhr

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