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Zwei Varianten für Egeria

Wettbewerbssieger sollen ihre Entwürfe zur Entscheidung noch überarbeiten

Der städtebauliche Wettbewerb für das Egeria-Gelände in Lustnau ist entschieden – aber nicht ganz. Zwei Siegerentwürfe sollen zur End-Auswahl weiterentwickelt werden. Die Überraschung: Beide stammen von Tübinger Architekten.

25.01.2010
  • Ulrike Pfeil

Lustnau. Die Wettbewerbsjury, die am Freitag bis in die Abendstunden im Evangelischen Gemeindehaus Lustnau tagte, hatte am Ende aus 17 Entwürfen zwei Favoriten gekürt – mit klarem Abstand zu den anderen, aber mit einem zu knappen Votum, um einen eindeutigen Sieger zu benennen. Sie entschied sich deshalb einstimmig, zwei zweite Preise zu vergeben und die beiden Architektenteams mit einer weiteren Ausarbeitung zu beauftragen. In einer ersten Wettbewerbsstufe waren 56 Arbeiten eingegangen.

Hochwasserschutz, Tradition, Urbanität

Die endgültige Entscheidung soll die Jury aus Fachpreisrichtern und Kommunalpolitikern im Frühjahr treffen. Die Architekten kommen in beiden Fällen aus Tübingen: Andreas Huhn, 41, der sich mit dem Berliner Landschaftsarchitekten K1 zusammentat, stammt aus Tübingen, war nach dem Studium am Bauhaus in Dessau und in Delft Mitarbeiter von Rem Koolhaas und verlegte erst vor kurzem sein Büro von Berlin nach Tübingen; er hat ein weiteres Standbein in Moskau. Matthias Hähnig und Martin Gemmecke, die mit dem Landschaftsarchitekten Stefan Fromm aus Dettenhausen kooperieren, sind im Städtebau die derzeit erfolgreichsten Tübinger Architekten. Von ihnen stammte der Masterplan für das Mühlenviertel, und sie gewannen 2008 den Wettbewerb um die Neugestaltung des zentralen Tübinger Uni-Campus.

Oberbürgermeister Boris Palmer betonte bei der Presse-Vorstellung des Wettbewerbsergebnisses, dass durch die offengehaltene Entscheidung kein Zeitverlust bei der Besiedlung der Industriebrache entsteht. Mit dem Abbruch der maroden Fabrikbauten wird so oder so im März begonnen. Auf dem Areal der ehemaligen Frottierweberei Egeria (einschließlich dem Queck-Gelände jenseits der Ammer, das erst später bebaut werden kann) sollen Wohnungen für rund 1000 Bewohner und rund 150 Arbeitsplätze entstehen. Es ist das umfassendste Stadtentwicklungsprojekt Tübingens in den nächsten Jahren. Zum Vergleich: Das Französische Viertel war für 2 500 Bewohner ausgelegt; das Mühlenviertel für rund 700.

Der Wettbewerb habe die teilnehmenden Architekten mit „sehr, sehr harten Bedingungen“ konfrontiert, sagte Baubürgermeisterin Ulla Schreiber. So sei es darum gegangen, die Erinnerung an einen traditionsreichen Textilbetrieb mit einer neuen urbanen Identität zu verknüpfen, gleichzeitig das Viertel an den dörflichen Charakter Lustnaus anzubinden. Eine variationsreiche Parzellierung war ebenso zu berücksichtigen wie die Umsetzbarkeit in Bauabschnitten und der Hochwasserschutz von gleich zwei Seiten her. Schließlich gibt es auf dem Gelände, vor allem aber auf dem benachbarten Queck-Areal, Altlasten im Boden, die versiegelt bleiben müssen, also auch nicht bebaut werden können.

Schreiber lobte an beiden Arbeiten die Ausrichtung zum Wasser hin: „Lustnau wird an den Neckar gebracht.“ Das neue Quartier soll einen qualitätvollen öffentlichen Raum bieten, der historischen Ortsmitte jedoch keine Konkurrenz machen, betonte sie.

Über die Lustnauer Interessen wachten im Preisgericht, dem der Kölner Architekturprofessor Markus Neppl vorsaß, Vertreter des Runden Tischs Lustnau. Sie könnten „mit beiden Entwürfen gut leben“, sagte CDU-Stadtrat Rudi Hurlebaus. Man wolle in Lustnau kein „abgetrenntes Neubaugebiet“ wie den Herrlesberg, und auch kein Französisches Viertel. Immerhin sähen die Pläne auch Reihenhäuser vor, „für diejenigen, die eine eigene Haustür wollen“, stellte Silke Saur-Nagel fest.

Neben einigen Tübinger Baugruppen, die bereits in den Startlöchern stehen, interessieren sich auch viele Lustnauer für die Möglichkeit, auf dem Egeria-Gelände zu bauen. Der städtische Projektentwickler Cord Soehlke schätzt, dass im kommenden Winter mit der Vermarktung des Baugebiets begonnen werden kann, das von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Tübingen (WIT) erworben wurde. „2013 wird man schon was sehen“, sagt Soehlke voraus.

Und wie soll das neue Quartier heißen? Darüber dürfen die Lustnauer demnächst selbst abstimmen. Der Runde Tisch lässt in den örtlichen Geschäften Boxen für Namensvorschläge aufstellen. Am 25. Februar um 17 Uhr werden der siegreiche Name und sein/e Erfinder/in in der Shedhalle (siehe Kasten) bekanntgegeben.

Entwürfe werden in der Shedhalle ausgestellt

Neben den beiden gleichrangigen zweiten Preisen zu je 20 000 Euro für die Wettbewerbssieger Andreas Huhn / Landschaftsarchitekt K1 sowie Hähnig und Gemmecke / Stefan Fromm vergab die Jury zwei vierte Preise (jeweils 9000 Euro) an Thomas Meurer / Christoph Heckel (Frankfurt / Trier) und Ulrike Böhm / Cyrus Zahiri (Berlin). Anerkennungen von je 5000 Euro gingen an Till Heller / Ulli Welsner (Plochingen/Nürtingen), Lehen drei / Frank Lohrberg (Stuttgart und Werk.Stadt /Christian Der, Gabriele Heusel (Stuttgart). Sämtliche Wettbewerbsarbeiten werden von Samstag, 6. Februar, an drei Wochen lang in der Shedhalle, Schlachthausstraße 13, ausgestellt. Die endgültige Entscheidung über das neue Stadtviertel soll auf diese Weise auch öffentlich mitdiskutiert werden können.

Wettbewerbssieger sollen ihre Entwürfe zur Entscheidung noch überarbeiten
Bänkle mit prominenter Besetzung beim „1-Jahr-vorher-Fest“ (von links) Horbs Oberbürgermeister Peter Rosenberger, Annette Stoll von der Förderungsgemeinschaft der Gartenschauen im Ländle, Landschaftsarchitekt Karl Vandeven, Ex-Ob Michael Theurer und Bürgermeister Jan Zeitler. Bild: Kuball

Wettbewerbssieger sollen ihre Entwürfe zur Entscheidung noch überarbeiten
Auf den ersten Blick haben die beiden gleichrangigen (zweiten) Siegermodelle (oben: Andreas Huhn und der Berliner Landschaftsarchitekt K1; unten: das Tübinger Büro Hähnig und Gemmecke mit Landschaftsarchitekt Stefan Fromm aus Dettenhausen) manches gemeinsam: Beide gestalten das Neckarufer urban mit aufgelockerten Wohnhöfen, beide nutzen das langgestreckte bestehende Egeria-Verwaltungsgebäude (Satteldach mit Querhaus in der Mitte) mehr oder weniger vollständig als historische Landmarke für einen Platz. Und beide sehen an der Grenze zum alten Lustnau niedrigere und kleinteiligere Baukörper vor. Bei Hähnig und Gemmecke liegt der Akzent auf dem Quartiersplatz, während Huhn und K1 die Achse zum Queck-Gelände jenseits der Ammer durch einen Grünzug entlang der Nürtinger Straße stärker betonen. Bestehen bleiben der Firmenteil mit dem charakteristischen Turm (rechts), der noch in Betrieb ist, und ein denkmalgeschütztes Treppenhaus aus dem Bestand gleich daneben. Im Entwurf von Hähnig und Gemmecke erhält der Turm ein modernes Pendant am anderen Ende der Bebauung. Bilder: Sommer

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25.01.2010, 12:00 Uhr

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