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Stimmen die Bauernregeln und der Mondkalender?

Wetter-Moderator Sven Plöger zu Gast bei „Zeitgespräche“

Es wird subjektiv und höchst emotional wahrgenommen, es betrifft uns alle, und es interessiert uns immer. Wenn es schön ist, wird es zu unserem gemeinsamen Freund, wenn es schlecht ist, zum gemeinsamen Feind, über den wir schimpfen können, ohne dass er sich wehrt. Das Wetter ist unser Lieblingsthema, und es hat jeden schon mal vor einem peinlichen Smalltalk gerettet.

24.03.2011
  • Moritz Siebert

Reutlingen. Am Dienstagabend war im Rahmen des 85. Zeitgesprächs des Katholischen Erwachsenenbildungswerks Reutlingen (KEB) das Wetter Thema. Das klingt irgendwie unbedeutend. Ist es aber nicht, vor allem dann nicht, wenn man den richtigen Gast hat. Sven Plöger (Jahrgang 1967), Meteorologe und Wettermoderator bei ARD und SWR, gelang es mit einer Mischung aus Humor und ernster Analyse gut 400 Interessierte im Saal der Reutlinger Kreissparkasse über Wetter und Klima aufzuklären.

Wetter-Moderator Sven Plöger zu Gast bei „Zeitgespräche“
Wetter-Moderator Sven Plöger klärte in Reutlingen über Wetter, Naturkatastrophen und Klimawandel auf. Bild: Haas

Die Gesprächsleitung übernahmen Prof. Norbert Vogel und Ulla Heinemann vom Bildungswerk, die die Gelegenheit nutzten, zunächst Persönliches über den prominenten Gast zu erfahren. Plöger berichtete über seine Anfänge als Meteorologe, und die führten ihn in die dritte Klasse zurück: Die Lateinvokabeln litten bedenklich unter seiner Faszination für die Geografie. Dann folgte der schwierige Berufseinstieg: Zunächst landet er als blutiger Anfänger in Jörg Kachelmanns Unternehmen Meteomedia, wo er die Moderation lernte. Eigentlich ganz einfach, so Plöger, „man muss nur vertikal seitenverkehrt und horizontal um 90 Grad versetzt denken können“. Plöger landete mit solchen Sätzen reihenweise Lacher.

Die einmalige Möglichkeit, vom Fachmann Dinge über das Wetter zu erfahren, die man schon immer wissen wollte, wurde natürlich auch genutzt: Wie steht es mit der Zuverlässigkeit von Bauernregeln oder dem Hundertjährigen Kalender? „Alles Quatsch“, außer – und das ließ so manchen Gast aufhorchen – die Siebenschläferregel. Und der Mondkalender? Wieder musste Plöger das Publikum enttäuschen: „Wetter und Mond stehen in keiner Weise miteinander in Verbindung.“ Und wie macht der Profi dann seine Vorhersagen? Er verlässt sich mit Satellitenbildern und mathematischen Rechenmodellen auf die modernste Technik. Dann stimmt nämlich auch die Prognose. Jedenfalls mit neunzigprozentiger Sicherheit.

Und dann wurde es aktuell. Sehr präzise und sachlich erklärte Plöger, was ein Erdbeben ist oder was einen Tsunami auslöst oder diesen von einer Welle unterscheidet. Er vermittelte sehr glaubwürdig, wie schwer es auch erfahrenen Moderatoren fällt, den Spagat zwischen sachlicher Berichterstattung und emotionaler Berührtheit zu schaffen. Auch der Klimawandel wurde ausführlich diskutiert. Ein Thema, mit dem sich Plöger seit Jahren produktiv auseinandersetzt. 2009 erschien sein viel beachtetes Buch „Gute Aussichten für morgen. Wie wir den Klimawandel für uns nutzen können“. Er legte die Fakten auf den Tisch: Es wird wärmer, es gibt weniger Schnee, und es gibt mehr Unwetter als früher. Aber anstatt Panik zu verbreiten, schlug Plöger einen konstruktiven Umgang mit dem Klimawandel vor. Er beließ es nicht bei der Diagnose, sondern stellte auch die Möglichkeiten vor.

Voraussetzung für einen konstruktiven Umgang mit dem Wandel, so Plöger, sei ein „grundsätzliches Umdenken in der Energiewirtschaft und eine vollkommene Umstellung auf nachhaltige Energieressourcen“. Regional seien Ansätze zu erkennen, Ziel müsse aber ein globales Denken sein. Ein paar praktische Tipps, wie jedermann seinen Beitrag leisten kann, hatte Plöger auch bereit: „Wenn man sein Körpergewicht fortbewegen möchte, muss man ja nicht immer noch drei Tonnen Blech mitschleppen“. So gelang es Plöger immer wieder Ernstes humoristisch zu verpacken oder, wie Ulla Heinemann treffend schlussfolgerte: „Das intensivste Lernen geschieht durch Lachen.“

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24.03.2011, 12:00 Uhr

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