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Horst hilft im Forst

Wetterfest und bodenschonend: Rückepferde bei der Holzernte im Einsatz

Von wegen Nostalgie und Naturromantik: Als moderne Helfer sollen Pferde wieder vermehrt in der Forstwirtschaft eingesetzt werden. Vorteile und Grenzen zeigten die Kaltblüter bei ihrer Arbeit im Schönbuch.

03.11.2015
  • MADELEINE WEGNER

Weil im Schönbuch Wiehern mischt sich an diesem Tag im Schönbuch mit dem Lärm der Motorsäge. Horst, ein Schwarzwälder Kaltblut, hört dennoch auf jedes Kommando, das Uwe Eitel ihm gibt, jedes kaum hörbare Wort und jeden kurzen Laut. So zieht der stämmige Wallach einen Buchenstamm aus dem Wald, zwischen anderen Baumstämmen hindurch, ohne diese zu beschädigen, vor bis zur Rückegasse. Diese sind für Staatswälder in Baden Württemberg alle 40 Meter festgelegt: Dazwischen gibt es mittig also einen 20 Meter breiten Waldstreifen, den die Greifarme der größeren Maschinen von der Gasse aus nicht erreichen. Was Horst tut, übernimmt normalerweise eine Seilmaschine, die den gefällten Baum am Stahlseil herauszieht.

Pferd und Technik schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich hervorragend. Davon sind der Landesbetrieb Forst BW und der Verein "Interessengemeinschaft Zugpferde" überzeugt. Unter dem Titel "Bodenschutz mit Pferd und Technik" luden sie zu einem zweitägigen Seminar mit Exkursionen und Vorträgen in den Schönbuch ein. "Das Pferd ist nichts Nostalgisches, sondern ein sehr modernes Arbeitsmittel und ein Spezialist", sagt Carsten Rempp von der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ). Der große Vorteil beim Vorliefern durch Pferde: Sie können auch auf nassem Boden arbeiten und das schonend, weil sie den Boden - im Gegensatz zu schweren Maschinen - nur punktuell und nicht irreparabel verdichten.

Kurzfristig sind zwar auch weitaus höhere Stückmassen möglich, doch im Schnitt kann ein Kaltblüter Stämme von jeweils rund 0,25 Festmeter vorliefern. Bei sechs bis sieben Stunden Arbeitszeit am Tag und durchschnittlich 30 Stämmen pro Stunde liefern die tierischen Helfer 40 bis 50 Festmeter pro Tag vor. Das sind zwei LKW voll Holz. Damit ist das Pferd konkurrenzfähig zur Seilmaschine. Wirtschaftlich trägt sich der Einsatz der Tiere bei zu einer Vorlieferentfernung bis zu 30 Metern.

Natürlich habe das Pferd als Arbeitstier seine Grenzen und diese müsse man klar kennen, sagt Rempp. Das Pferd etwa braucht Futter und Erholungspausen. Außerdem sei es wichtig, vorher zu überlegen und technisch zu planen, ob das Pferd für das jeweilige Gebiet die ideale Lösung ist. "Wir können vieles tun, aber keine Tonnen bewegen", sagt Rempp. Doch dort, wo es um eine besondere Schonung des Bodens geht, bieten die Vierbeiner klare Vorteile - etwa auch zum Mähen auf Naturschutzflächen oder zur Bodenpflege im Weinbau.

"In den letzten Jahrzehnten wurde das Thema in der Forstwirtschaft viel zu sehr vernachlässigt", sagt Nabu-Waldreferent Johannes Enssle, "es ist erfreulich, dass Forst BW den Einsatz von Pferden bei der Waldarbeit wieder stärker in den Fokus rückt." Enssle begrüßt deshalb die Pläne der Landesregierung, den Einsatz von Pferden im Forst finanziell zu fördern.

Forstwirtschaft und die Pferderücker-Unternehmen müssen erst wieder zusammenfinden, sagt May-Britt Fiedler. Wie viele andere Pferderücker betreibt sie aus Vorsicht diesen Beruf zunächst im Nebenerwerb. Doch scheint die Arbeit mit dem Pferd immer beliebter zu werden: Die Ausbildungskurse der IGZ sind laut Rempp stets ausgebucht.

Die herkömmliche Holzernte ist heute vor allem durch technologischen Fortschritt geprägt: Seit einem Jahr werden überall im Schönbuch bodenschonende Raupen als Seilmaschinen eingesetzt, wo der Arm der großen Maschinen nicht hinreicht. Etwa die der Vollernter: 22 Tonnen schwere Maschinen, die mit ihrem Kran-Arm die Bäume fällen, vermessen und schneiden - mit einem Griff, in Sekundenschnelle.

Es sei erstaunlich, welche Investitionen die Unternehmen tätigten, um mit solchen modernen Maschinen zu arbeiten, sagt Götz Graf Bülow von Dennewitz, der beim Landratsamt Tübingen für den Schönbuchforst verantwortlich ist. Der Forstwirt ist auch von den Vorteilen des Pferde-Einsatzes beeindruckt, allein: "Es gibt noch zu wenig Unternehmer, die das anbieten."

Wetterfest und bodenschonend: Rückepferde bei der Holzernte im Einsatz
Für den Einsatz im Wald besonders geeignet: Gutmütige und kräftige Kaltblüter wie dieser belgische Brabanter. Besonders auf matschigen Böden - etwa durch milde Winter - bieten sie klare Vorteile bei der Holzernte. Foto: Madeline Wegner

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03.11.2015, 12:00 Uhr

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