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Ab ins Gästeklo!

Wettermoderator Sven Plöger plauderte bei der Talkreihe Schoog im Dialog

Wetterretter und Klimamann? Umgekehrt wird ein Sven Plöger draus: Wettermann und Klimaretter. Der TV-Meteorologe kam am Mittwoch zur Plauderstunde ins Tübinger Kreissparkassen-Carré zu „Schoog im Dialog“. Man redete übers Wetter. Und mehr.

19.10.2012
  • Fabian Ziehe

Schade, dass CO2 geruchlos ist, befand ARD-Wettermoderator Sven Plöger: Würde das Treibhausgas müffeln, die Menschheit wüsste, was zu tun ist. Diese Idee malte Plöger für die 220 Zuhörer im ausverkauften Tübinger Kreissparkassen-Carré und Moderatorin Bernadette Schoog hübsch aus: „Stellen sie sich vor, das würde stinken wie die Stinkbomben, die man als Schüler immer in die Lehrerzimmer geschmissen hat.“

Das sind die Schnörkel in seinen Erklärstücken, die den 45-Jährigen so beliebt machen. Ebenso wie die Understatements hinsichtlich seiner Person – er wirkt bodenständiger als Kachelmann, nonchalanter als Ben Wettervogel. Das Publikum kicherte noch über die Stinkbomben-Nummer, da legte Plöger schon nach: „Ich habe da nie mitgemacht! Ich habe den Lehrern dann nur Bescheid gesagt.“ Sven war kein böser Bube!

So kennt man die rheinländische Frohnatur aus Funk und Fernsehen: Etwas Schwiegersohn, etwas Klassenkasper, etwas Neunmalklug. Zwischen „Et ess, wie’t ess“ und „Et kütt wie et kütt“. Früher sei er ein „Spezialkind“ gewesen: In der dritten Klasse malte er Messdaten auf Millimeterpapier – obwohl das Wetterbeobachtungsprojekt in der Schule schon abgeschlossen war.

Aus dem eigentümlichen Kind, das bei Gewitter an der Fensterscheibe klebte, um keinen Blitz zu verpassen, wurde Sven Plöger, der Wetterjunkie. Was ihn von anderen Drogen abgehalten habe: „Eine Sucht reicht.“ So ganz stimmt das nicht: Als Bub wusste er am Flughafen Köln-Bonn zu jeder Maschine Fabrikat und Modell. Das Fliegen blieb eine Leidenschaft, die er bis heute beim Paragliding pflegt.

Obwohl er hochkant durch die erste Mathe-Prüfung rasselte, am Ende seines Meteorologie-Studiums „klappte alles“. Plöger heuerte bei Jörg Kachelmanns Wetter-Firma an und hörte vom Chef bald den Satz: „Du siehst zwar scheiße aus, aber du kannst reden.“ Also: Erst vors Radio-Mikro, dann vor die Kamera. Das machte er so gut, dass er 2010 zum besten Wettermoderator Deutschlands gekürt wurde.

Er wurde zum Intimus in den heimischen TV-Stuben, der in aller Kürze das Wetter erklärte. „Aber um über Klima und Klimaveränderung zu sprechen, sind 2 Minuten 19 Sekunden zu kurz“, sagte Plöger. Auf der Bühne hatte er anderthalb Stunden und füllte diese kurzweilig.

Horrorsturm hoch oben in der Holzhütte

Es sei verziehen, dass auch dieser Artikel nicht reicht, um Plögers wort- und zahlenreiche Analyse der Klimaproblematik zu bündeln – hierfür sei auf sein Buch „Gute Aussichten für morgen“ verwiesen. Nur so viel: Ja, der Klimawandel kommt. Und nein, Panikmache ist nicht angebracht. Aber doch: Jeder muss etwas tun – was beim Wasserkochen mit Topfdeckel anfängt und mit Solarzellen auf dem Dach endet.

Die Jazzer Anselm Krisch und Saxophonist Lukas Pfeil boten Plöger Pausen zum Luftholen. Moderatorin Schoog genügte als Stichwortgeberin. Zu einer tieferen persönlichen Ebene Plögers drang das Gespräch so selten vor – ein wenig schimmerte sie durch, als er vom Orkan Lothar erzählte: An jenem zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 saß er hoch oben in der Schweiz in einer Holzhütte, die bedenklich knarrte.

So entschied Plöger, es sei Zeit für den kleinsten, weil sichersten Raum im Haus: das Gästeklo. Vier Leute, anderthalb Stunden, draußen tosender Sturm und umknickende Bäume. Sein erster Gedanke als Meteorologe war: „Ja! Ich war dabei!“

Wettermoderator Sven Plöger plauderte bei der Talkreihe Schoog im Dialog
Alle reden übers Wetter, wenige so wie er: Sven Plöger sprach mit Bernadette Schoog im Kreissparkassen-Carré. Bild: Ziehe

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19.10.2012, 12:00 Uhr

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