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Stuttgart

«Who kehrs?» - Soziale Kontrolle erklärt Kehrwoche

Der Nachbar macht es auch, und man schwätzt halt darüber: Die soziale Kontrolle durch die Nachbarschaft ist nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern ein wesentlicher Erklärfaktor für die sogenannte Große Kehrwoche im Schwäbischen.

16.11.2016

Von dpa/lsw

Ein Kehrwochenschild hängt an einer Wand. Foto: Franziska Kraufmann/Archiv dpa/lsw

Stuttgart. Die Forscher der Universität Speyer fanden bei Umfragen heraus, dass jeder Dritte in Stuttgart (30 Prozent) die Kehrwoche einhält - eben weil die Nachbarschaft sie auch macht.

Jeder vierte Befragte gab an, dass in der Nachbarschaft darüber gesprochen werde, ob und wie jemand seine Große Kehrwoche - also das Gehsteigfegen im wöchentlichen Wechsel unter den Wohnparteien - erfülle. Der Soziologe Daniel Rölle von der Universität im rheinland-pfälzischen Speyer hat sich zum Ziel gesetzt, dem Streben nach sauberen Gehwegen auf den Grund zu gehen.

Rölle sucht eine Antwort auf die Frage: Warum hat die Kehrwoche in Stuttgart überlebt, obwohl sie für öffentliche Straßen und Gehwege schon 1988 abgeschafft wurde? «Die Kehrwoche in Stuttgart ist und bleibt eine Tradition, die nach wie vor viele ernst nehmen und entsprechend gewissenhaft durchführen», lautete Rölles erstes Zwischenfazit seiner Studie mit dem Titel «Who kehrs?»

«Dass bei knapp 70 Prozent der Befragten ein Kehrwochenplan existiert, verstärkt diesen Kontrollmechanismus potenziell», sagte Rölle. Gut 850 Freiwillige aus der Kehrwochen-Hauptstadt Stuttgart hätten an einer Online-Befragung teilgenommen, knapp 630 vollständig.

Die befragten Stuttgarter stehen der Kehrwoche überwiegend positiv gegenüber: Nur knapp 18 Prozent bewerten sie negativ. Immerhin knapp 50 Prozent der Befragten gaben an, sich zumindest meistens zu beteiligen. Bei den meisten Befragten (58 Prozent) dauert die Große Kehrwoche maximal 30 Minuten, knapp zehn Prozent kehren länger als eine Stunde. Als gründlich empfinden sich etwa 72 Prozent.

Dass die Stuttgarter immer noch in weiten Teilen die Große Kehrwoche machen, habe ihn «nicht überrascht», sagte Rölle der Deutschen Presse-Agentur. Darauf hätten damals schon bei der Abschaffung der wöchentlichen Kehrpflicht die teilweise wütenden Reaktionen in zahlreichen Leserbriefen hingewiesen. «Dass die Kehrwoche aber als Synonym für Sauberkeit dient und den Befragten so ein Stück Sicherheit bietet, habe ich so nicht erwartet.» Auch das habe die Befragung ergeben. Weitere Erkenntnisse folgen.

Ein Kehrwochenschild hängt an einer Wand. Foto: Franziska Kraufmann/Archiv dpa/lsw

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Erstellt:
16. November 2016, 08:02 Uhr
Aktualisiert:
16. November 2016, 07:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. November 2016, 07:00 Uhr

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