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Kein Abbau geplant

Widmann-Mauz widerspricht Hausärzten

Auch in rechnerisch überversorgten Gebieten wie Tübingen werde es durch das neue Versorgungsstärkungsgesetz kaum zum Wegfall von Arztpraxen kommen: Mit dieser Erklärung reagierte Gesundheits-Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz auf den Protest niedergelassener fachärztlicher Internisten (wir berichteten am 29. Mai).

12.06.2015
  • ele

Rottenburg.Am Donnerstag beschloss der Deutsche Bundestag das „Gesetz zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung“ (Versorgungsstärkungsgesetz), dessen Ziel laut Widmann-Mauz „die Sicherstellung der medizinischen Versorgung durch eine gute Verteilung der Ärzte in allen Regionen Deutschlands“ sei. Mit dem Gesetz sollen unter anderem Anreize für die Niederlassung von Fach- und Hausärzten in unterversorgten Gebieten gesetzt werden.

Die niedergelassenen Internisten der Neckar-Alb-Region fürchten jedoch, dass es infolge des Gesetzes zum Wegfall von bis zu 26 internistischen Praxen in der Region kommt. Ihre Annahme fußt auf einem Passus, wonach die Kassenärztliche Vereinigung die Wiederbesetzung frei werdender Arztpraxen in Gebieten mit „Überversorgung“ verhindern kann; ab einem Versorgungsgrad von mehr als 140 Prozent sogar verhindern muss. Statistisch gebe es in Deutschland aber kaum unterversorgte Gebiete, so argumenieren die niedergelassenen Internisten. Die meisten Regionen hätten einen Versorgungsgrad von mehr als 200 Prozent. Dennoch würden die meisten Patienten dies nicht so empfinden, sondern über zu lange Wartezeiten klagen.

Der vorgesehene Rückkauf von Praxis-Sitzen durch die Kassenärztliche Vereinigung werde außerdem zum Preisverfall bei Praxisübergaben führen und die Alterssicherung der niedergelassenen Ärzte zunichte machen. Im Ergebnis würden durch das Gesetz im Gesundheitswesen rund 10 Milliarden Euro umverteilt – weg von den niedergelassenen Fachärzten, hin zu den Kliniken.

Haus- und Fachärzte bleiben das Rückgrat

„Niedergelassene Haus- und Fachärzte sind das Rückgrat der ambulanten ärztlichen Versorgung“, versichert demgegenüber Annette Widmann-Mauz in ihrer Presseerklärung. Das Gesundheitsministerium werde die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin von 5000 auf 7500 Stellen ausbauen und durch weitere 1000 Arztstellen für Fachärzte ergänzen. Das Universitätsklinikum Tübingen mit seinem Institut für Allgemeinmedizin leiste darüber hinaus einen wichtigen Beitrag für die Nachwuchssicherung in der hausärztlichen Versorgung.

Zur besseren ambulanten Versorgung sollen auch die neuen Terminservicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen beitragen. Jeder, der eine medizinische Versorgung braucht, soll demnach innerhalb von vier Wochen einen Termin bekommen.

Als Seitenhieb auf die Beschwerdeführer ist zu verstehen, wenn Widmann-Mauz „einigen Vertretern der Ärzteschaft“ „Angstmacherei“ vorwirft. Bei Praxisschließungen sollen nach ihrer Interpretation künftig „Ärzte und Krankenkassen vor Ort gemeinsam darüber entscheiden . . ., ob die Nachbesetzung eines aufgegebenen Kassenarztsitzes aus Versorgungssicht sinnvoll ist“. Dies, so ist sie überzeugt, werde mit Augenmaß, abhängig von den besoderen Gegebenheiten geschehen. „Das heißt, auch in rechnerisch überversorgten Gebieten wie Tübingen wird es kaum zum Wegfall von Praxissitzen kommen“, so schließt Widmann-Mauz – „zumal die Ärzteschaft bei der Entscheidung vor Ort stets das letzte Wort hat.“

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12.06.2015, 12:00 Uhr

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