Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
(K)eine Kunst

Wie Eichendorff in Reusten Tarantino trifft

Eichendorff trifft Tarantino – der süddeutsche Kunstverein macht es mit einer Reustener Ausstellung möglich. Gezeigt werden Fotografien eines Berliner Nicht-Künstlers, der nicht sucht und am Ende dennoch findet.

29.12.2014
  • mre

Reusten. Immer von Ostern und Weihnachten an wird ein ehemaliger Reustener Kuhstall zur Kunst-Bühne. Diesmal hängen fast 300 Fotos an den Wänden: Aufnahmen von halb Europa und darüber hinaus. Menschen, Tiere, Gegenstände. Schweine in Natur und in der Pfanne. Hausfassaden. Schwarzweiße Küstenlandschaften und bunte Marktansichten mit vielen Äpfeln. Alte Fahrräder und neue Cabriolets. Straßenzüge und textliche Fundstücke wie die Galerie, die am 22. Juni „nur nach Vereinbarung“ geöffnet ist: In der Scheibe spiegelt sich ein Frauengesicht.

Die Bilder sind von Tomas Svevo. Er ist seines Zeichens: kein Künstler. „Deshalb interessiert er uns“, sagt Daniel Schürer. Der Brüsseler mit familiären Reustener Bezügen hat die Bilder von Svevo gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen Äschkuth Beineberg inszeniert. Mit einem Wühltisch voller Bilder in der Mitte. Auf Holzstelzen steht ein altes Röhrenradio daneben und wummert Musik, die ebenfalls Svevo ausgesucht hat. Zur Vernissage am Freitag lief gerade die kubanische Formation Buena Vista Social Club.

Svevo ist vielleicht ein Lebenskünstler, so genau weiß man das nicht. Er lebe irgendwo abseits der gesellschaftlichen Normen, erzählt Schürer. Und zwar in Berlin, wo weitere seiner Bilder ausgestellt werden. Der Titel der Reustener Auswahl steht kleingedruckt unten jedem Foto: „Aus dem Leben eines Taugenichts / unchained“. Das kombiniert die ur-romantische Eichendorff-Erzählung mit dem Film „Django unchained“ von Quentin Tarantino.

„Er lebt und lebt sich durch. Er will vielleicht gar nichts sein.“ So charakterisiert Schürer Tomas Svevo – und das gleiche gilt für den Taugenichts in Eichendorffs Erzählung, der nicht sucht und am Ende natürlich das Glück findet. Die Natur, die in der Erzählung eine weitere Hauptrolle spielt, tut das auch in den vielen Fotos des Berliner Nicht-Fotografen. Den Bezug zu Tarantino muss man eher suchen – Schürer interpretiert den Film als Variante der Siegfried-Sage im Wagnerschen Gewand.

Svevo wisse viel über Kunst, Musik und Literatur, erzählt der Wahl-Belgier.

Die Plattensammlung habe Svevo verscherbelt, aber dennoch die Musik zur Ausstellung auf einem drei Zentimeter großen, roten Datenstick zugeliefert. Schürer zitierte zur Vernissage kluge Literaturwissenschaftler und Filmtheoretiker: „Sie fragen sich, was das mit der Ausstellung zu tun hat. Dafür bin ich nicht zuständig, das zu sagen“, bedauerte er. Gab aber wenigstens noch einen Tipp: Kommendes Jahr wolle sich der süddeutsche Kunstverein mit dem Italowestern in der zeitgenössischen Kunst beschäftigen. Django, bitte übernehmen!

Info: Bis 19. Februar, Jesingerstraße 8, Reusten; von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Wie Eichendorff in Reusten Tarantino trifft
Galerist Daniel Schürer vor dem Wühltisch der Foto-Ausstellung. Bild: Franke

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.12.2014, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball