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Eine Polin für die Oma

Wie Familien Pflegehilfskräfte aus Osteuropa legal beschäftigen können

Viele Pflegebedürftige werden zu Hause von Helferinnen aus Polen und anderen osteuropäischen Ländern betreut. Häufig geschieht dies in Schwarzarbeit. Dabei ist auch eine legale Beschäftigung möglich.

23.11.2015
  • DIETER KELLER

Berlin Betreuung in der gewohnten Umgebung, und das möglichst rund um die Uhr - viele Familien vertrauen darauf, dass dieses Modell der Pflege älterer Angehöriger dank einer Helferin aus einem östlichen EU-Land klappt. "Eine Polin für die Oma" ist das Stichwort, das auch die Autorin Ingeborg Haffert als Titel für ein Buch gewählt hat. Auf bis zu 500 000, ganz überwiegend Frauen, schätzen Fachleute die Zahl der Helferinnen. Ohne sie würde die häusliche Pflege zusammenbrechen, weil sich Kinder oder andere Angehörige nicht in der Lage sehen, selbst die Arbeit zu übernehmen. Doch meist handelt es sich um eine Beschäftigung im Graubereich oder um Schwarzarbeit, obwohl das riskant ist, angefangen beim fehlenden Versicherungsschutz bis zu drohenden Strafen.

Dabei können seit 2011 Polinnen und Helferinnen aus anderen EU-Ländern problemlos in Deutschland beschäftigt werden. Nur für Rumäninnen und Bulgarinnen gelten noch Ausnahmen. Doch die gesetzlichen Regeln zeigen, dass sie offiziell vieles gar nicht dürfen. Als erstes sind sie meist nicht als Pflegerinnen ausgebildet. Nur Hilfstätigkeiten sind erlaubt. Daher zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung auch nicht die Sätze für professionelle Betreuung, sondern nur für Angehörige.

Für die legale Beschäftigung gibt es drei Wege. Zum ersten kann - mit Hilfe einer Agentur - eine selbstständige Hilfskraft gebucht werden. Sie muss in Deutschland ein eigenes Gewerbe angemeldet haben, was EU-Ausländer problemlos können. Das große Problem: Sie muss mehr als einen Pflegebedürftigen betreuen, sonst gilt dies als Scheinselbstständigkeit. Dann drohen der Familie die Nachzahlung der Beiträge zur Sozialversicherung sowie ein Bußgeld oder gar eine Anzeige.

Zum zweiten bieten viele Agenturen im Ausland Pflegekräfte an, die bei ihnen in ihrem Heimatland angestellt sind. Dort führen sie alle Steuern und Sozialabgaben ab, was sie nachweisen müssen. Zudem hat die Agentur das Weisungsrecht, bestimmt also Arbeitszeit und -inhalte. Die deutsche Familie darf nicht zu viel mitreden, sonst wird dies als Scheinselbstständigkeit eingestuft. Das Risiko von Fehlern mit gravierenden Folgen ist daher groß. Zudem greifen in jedem Fall einige deutsche Vorschriften, so der Mindestlohn von 8,50 EUR pro Stunde. Die Arbeitszeit ist auf 8 Stunden pro Tag und 48 Stunden pro Woche begrenzt. Es gibt Anspruch auf mindestens einen freien Tag pro Woche und auf bezahlten Urlaub.

Diese Regeln zeigen: Eine Betreuung rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche, wie sie häufig erwartet wird, ist nicht zulässig. Sie gelten ebenso für den dritten Weg: Die Familie stellt die Helferin selbst an, wird also zum normalen Arbeitgeber, und führt Steuern und Sozialabgaben ab einschließlich der gesetzlichen Unfallversicherung. Dies ist der transparenteste Weg, empfiehlt Faircare in Stuttgart, ein Projekt des Vereins für Internationale Jugendarbeit. Faircare hat Büros etwa in Rumänien, die passende Bewerberinnen suchen und die Deutschkenntnisse überprüfen, berichtet Sylvia Takacs. In die Vermittlung sind die Diakoniestationen vor Ort eingebunden. Ähnliche Angebote gibt es an einigen Orten von der Caritas.

Für eine "absurde Idee" hält Takacs eine Betreuung rund um die Uhr durch nur eine Kraft: "Die Frauen brauchen Freizeit." Es müsse ein Mix mit Pflege durch die Familie und die Sozialstation geben. In der Regel wechseln sich mehrere Helferinnen alle sechs Wochen bis drei Monate ab. Bei den Konditionen orientiert sich Faircare am Tarifvertrag von NGG (Nahrung Genuss Gaststätten): Der Monatslohn beträgt 1652 EUR brutto bei einer 38,5-Stunden-Woche. Hinzu kommen etwa 400 EUR als Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung. Zudem berechnet Faircare 125 bis 150 EUR pro Monat für die Lohnabrechnung sowie die Betreuung der Helferinnen vor Ort. Insgesamt ist also mit etwa 2200 EUR im Monat zu rechnen. Netto bekommt eine Dauerkraft rund 1050 EUR im Monat heraus. Teilt sie sich die Stelle mit einer zweiten Helferin, sind es laut Faircare 750 EUR.

Wie Familien Pflegehilfskräfte aus Osteuropa legal beschäftigen können
Eine polnische Pflegekraft betreut eine 90-Jährige in deren Wohnung in Bonn. Foto: epd

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23.11.2015, 12:00 Uhr

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