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Aufs Land locken

Wie Kommunen an Ärzte kommen könnten

Hausärzte werden nicht nur auf den Dörfern des Landkreises rar, sondern auch in Reutlingen. Die Kommunale Gesundheitskonferenz stellte Erfolg versprechende Lösungen vor.

12.12.2014
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Reutlingen. „Das Ergebnis war auch für uns überraschend“, sagte Landrat Thomas Reumann: Laut einer Umfrage des Kreisgesundheitsamtes wird es langfristig nicht nur im ländlichen Raum zu wenig Hausärzte geben, sondern auch in der Stadt Reutlingen. „Der Kittel brennt heute“, sagte Reumann. Stadt und Gemeinden müssten schnell reagieren undnach Lösungen suchen. Deshalb ist der Fachkräftemangel eines der Themen der Kommunalen Gesundheitskonferenz, die gestern zum fünften Mal tagte.

Hausarzt zu werden, vor allem auf dem Land, ist für wenige junge Mediziner attraktiv. Die dörflich geprägte Gemeinde Hohenstein hatte sich deshalb entschlossen, als Kommune ein kleines Gesundheitszentrum zu bauen. „Wir haben uns gefragt, was junge Ärzte nach Hohenstein ziehen können“, sagt Bürgermeister Jochen Zeller. Ein Hausarzt hat die Praxis bereits bezogen, ihm sollen in Zukunft noch weitere folgen. Außerdem soll bereits ab Januar eine Fachärztin für Allgemeinmedizin, die zugleich Professorin der Uni Tübingen ist, das Zentrum mit aufbauen. Denn das Gesundheitszentrum soll auch eine Lehrpraxis der Uni werden.

Hohenstein ist neben Hülben und Eningen eine von drei Modellgemeinden in der Gesundheitskonferenz. Sie haben sich in eigens gegründeten Arbeitskreisen in den vergangenen Monaten besonders stark mit dem Thema Gesundheit auseinandergesetzt. So unterschiedlich die Strukturen der drei Gemeinden auch sind, sie haben eines gemeinsam: Es gibt bereits viele Angebote im Gesundheitsbereich, doch diese waren bislang kaum vernetzt. Hülben beispielsweise hat mit seinen 3000 Einwohnern 26 Vereine. Deren Angebote würde Bürgermeister Siegmund Ganser gern als App anbieten. In Eningen gab es beispielsweise einen Bewegungstag der Schule, und eine Lesung mit Giulia Enders („Darm mit Charme“). Der Albverein will Wanderungen für Demenzkranke anbieten. Demenzerkrankungen sollen im kommenden Jahr Schwerpunkt der Gesundheitskonferenz sein.

„Gesundheit ist das neue Feld der Kommunalpolitik“, sagte Landrat Reumann. Ein Gesetz von oben würde in Sachen Prävention wenig bringen. Das Bewusstsein müsse von den Menschen selbst kommen und von dezentralen, regionalisierten Strukturen getragen werden. Das scheint zu funktionieren: Denn noch eines haben alle drei Modellgemeinden beobachtet: Das bürgerschaftliche Engagement ist enorm, wenn man erst einmal alle an einen Tisch bringt.

Die Kommunale Gesundheitskonferenz im Landkreis Reutlingen (KGK) wurde 2010 als erste im Land gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss aller wichtigen Berufsgruppen und Akteure aus dem Gesundheitsbereich. Die KGK soll eine Diskussions-Plattform bieten und der Vernetzung dienen, um in Zukunft qualitative medizinische Versorgung zu gewährleisten und Prävention zu stärken. Dem Reutlinger Beispiel sind viele Kommunen gefolgt: Im Land gibt es mittlerweile 36 Gesundheitskonferenzen.

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12.12.2014, 12:00 Uhr

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