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Über die erfolgreiche Suche nach Eheringen

Wie Metalldetektoren Menschen glücklich machen

09.11.2016
  • Thomas de Marco

Als Philippe von Hornstein aus Riederich ausholte, um einen Ball für seinen Hund zu werfen, ahnte er noch nichts vom Verlust, den er kurz darauf zu beklagen hatte: Sein Ehering aus Platin löste sich aber dabei vom Finger – und ward nicht mehr zu finden. „Mein Mann war verzweifelt und fragte mich ständig, was wir tun sollten“, erinnert sich Ehefrau Christiane Victoria von Hornstein an jenen Tag vor drei Wochen in Glems. Dort, bei Otto Kiesel, dem Ziehvater ihres Mannes, waren die beiden bei der Gartenarbeit aktiv, als sich der Ring selbstständig machte.

„Ich bin dann bei der Suche nach einem Metalldetektoren im Internet auf der Seite von Schatzsuchern gelandet“, sagt Kiesel. Einen Tag später stand Janik Ratke, 18-jähriger Abiturient aus Pforzheim, vor der Haustür – mit zwei Detektoren und einem Extra-Set Batterien. Er gehört zu einem Netzwerk von etwa 150 Frauen und Männern in Deutschland, die über www.aktivsucher.de im Internet gebucht werden können. 75 Euro kostet so ein Einsatz, bei Fund werden noch zehn Prozent Finderlohn fällig.

Seit sechs Jahren ist Gymnasiast Ratke aktiv als Sucher. Vor dem Einsatz in Glems hatte er dieses Jahr bereits vier Eheringe aufspüren müssen – und alle gefunden. Doch diesmal erwies sich die Suche als extrem schwierig. Auf der Wiese außerhalb des Gartens spürte der Detektor allerlei Relikte aus der Nazizeit auf, das Abzeichen einer Panzerdivision oder Geldstücke, aber nicht den Ehering. Ratke wollte den Trip nach Glems fast schon als Fehlschlag verbuchen und aufgeben, da schlug sein Gerät leicht an, als er über den Zaun zurück in den Garten kletterte.

Und tatsächlich, direkt am Zaun, lag der Ring. Kurioserweise genau dort, wo sich Ehefrau die ganze Zeit während der Suche aufgehalten hatte. „Ich bin fast draufgestanden“, sagt Christiane Victoria von Hornstein, die danach allerdings nichts mehr am Platz hielt. „Ich bin dem jungen Mann erst einmal um den Hals gefallen!“, erzählt sie.

Szenen, die Ratke trotz seines jungen Alters schon zur Genüge erlebt hat. „Ich habe einmal den Ring einer Frau gefunden, die 50 Jahre verheiratet gewesen war und nach dem Tod ihres Mannes beide Ringe zusammengeschmiedet hatte. Die Frau hat dann nur noch geweint“, sagt der Pforzheimer Abiturient. Sie hatte auch noch das Glück, dass ihr Ring nicht drei Jahre lang unter einem Acker verschwunden war wie der in der Eifel, durch den eine Karotte wuchs und ihn beim Ernten an die Oberfläche brachte.

Wenn Abiturient Ratke nicht nach Ringen sucht, ist er häufig mal im heimischen Freibad unterwegs, um den Rasen von Metallmüll wie Kronkorken zu reinigen. „Bargeld im Wert von 10 bis 15 Euro findet man an so einem Tag auch immer“, erklärt er.

Was die Riedericher Eheleute, die seit 2012 verheiratet sind, ganz besonders glücklich macht: Nächstes Jahr wollen sie an ihrem fünften Hochzeitstag nicht nur die Taufe ihres dritten Kindes feiern, sondern auch die kirchliche Trauung nachholen. Das alles ohne den Originalring – einfach undenkbar. Und dank Aktivsucher Ratke ist Familie von Hornstein dieses Desaster nun auch erspart geblieben.

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09.11.2016, 01:00 Uhr

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