Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Wie badet man richtig?
Projekt zur Integration im SSV-Hallenbad: Jeden Samstag können Flüchtlinge dort eine Stunde lang schwimmen lernen, Ball spielen oder sich austoben. Foto: SSV
Flüchtlinge in Schwimmbädern: Manchmal falsche Kleidung und einige Nichtschwimmer

Wie badet man richtig?

Schwimmen ist in Ländern wie Irak und Syrien kein Schulsport: Deshalb kann ein Teil der Flüchtlinge nicht schwimmen. Auch die Badeordnung will gelernt sein. Die Bäder hier haben sich auf die neuen Gäste eingestellt.

14.04.2016
  • ULRIKE SCHLEICHER

Ulm. Unterhosen sind immer wieder ein Thema. Dass die in Deutschland nicht als adäquate Badebekleidung gelten, wissen viele Flüchtlinge offenbar nicht. Zudem nimmt man eine Badehose wohl kaum auf die Flucht mit. Deshalb passiert es häufig, dass junge Asylbewerber das Ulmer Westbad, das SSV-Vereinsbad und das Neu-Ulmer Hallenbad besuchen und "keine Badehose dabei haben", ist die Erfahrung der Schwimmmeister dort. Entweder sie leihen sich dann ein übrig gebliebenes Exemplar aus dem Fundus des Bades. Wenn keine Badehose da ist, "schicken wir sie leider wieder weg", sagt ein Mitarbeiter im Westbad auf Anfrage. Denn in Unterhosen ins Becken, das gehe gar nicht.

Vieles andere geht auch nicht in deutschen Bädern, wie an den Hausordnungen zu sehen ist. Aber in der Regel gibt es in den Schwimmbädern der beiden Städte kaum Probleme, wenn Flüchtlinge zum Baden kommen, wie eine Nachfrage der SÜDWEST PRESSE ergibt. Von Hausverboten, wie etwa in der Stadt Bornheim bei Bonn geschehen, oder davon, dass Geflüchtete nur in Begleitung Eintritt haben, ist man in Ulm und Neu-Ulm weit entfernt.

Ins Westbad kommen meist am Sonntag bis zu 15 Männer, sagt Gert Wendler, leitender Schwimmmeister. Frauen kämen - wenn überhaupt - nur mit der Familie. Wenn es Probleme mit den Neuankömmlingen gebe, dann nur "weil einige nicht schwimmen können". Wenn sie dann trotzdem ins Schwimmerbecken gehen, sind die Mitarbeiter in Alarmbereitschaft. "Drin waren wir alle schon", sagt Wendler über diverse Rettungsaktionen. Aber beileibe nicht nur wegen der Flüchtlinge. Dass immer weniger Menschen schwimmen können, sei inzwischen ein generelles Phänomen. Die Badeordnung werde den Gästen mit Hilfe von Piktogrammen erklärt, ansonsten verständige man sich auf Englisch: "Das klappt gut."

Gut aufpassen auf die Badenden aus den fernen Ländern muss auch das Team im Hallenbad Neu-Ulm. "Es stimmt, dass viele Männer nicht gut schwimmen", sagt die leitende Schwimmmeisterin. Neulich sei einer fast untergegangen: "Ich war schon auf dem Sprung." Aber ein Bekannter habe ihm einen Schubs in Richtung Beckenrand gegeben. Das habe gereicht. Auch in Neu-Ulm wollten immer wieder Leute in Unterwäsche baden gehen und müssten sich dann eine Badehose leihen. Anfangs unentgeltlich, doch inzwischen zahlten die Flüchtlinge eine Leihgebühr. Man müsse die Stücke ja reinigen und notfalls ersetzen.

Ganz reibungslos verläuft der Aufenthalt auch ansonsten nicht immer. So fielen die Männer schon allein dadurch auf, dass sie in Gruppen kommen - "inzwischen sind es weniger". Hin und wieder beschwerten sich auch Badegäste. "Überwiegend jung und weiblich." Sie fühlten sich dann meist angestarrt von den Männern.

Machen könne man da aber nicht viel. Ob subjektives Empfinden oder tatsächliches Anstarren, das sei schwer festzustellen. Grundsätzlich würden die Flüchtlinge jedoch darauf hingewiesen, sich rücksichtsvoll zu verhalten: "Wir erstellen gerade auch leicht verstehbare Piktogramme."

Ganz unter sich sind die Männer, wenn sie samstags ins SSV-Hallenbad gehen. Wie Vereinspräsident Willy Götz erklärt, "haben sie einen Riesenspaß in dieser einen Stunde". Sie spielten Ball und tobten sich einfach aus. "Ich denke, das ist eine willkommene Abwechslung für alle." Seit vier Wochen bietet der Verein das an. Der SSV nimmt am Projekt des Landessportbundes teil, das Integration durch Sport fördert.

"Etwa 10 von 25 können schwimmen, sind aber schnell erschöpft. 6 bis 7 können es gar nicht", sagt Götz. Damit alle pünktlich am Bad ankommen, holen zwei Bundesfreiwilligen-Dienstler vom SSV die Männer an den Unterkünften ab und begleiten sie mit Bus und Straßenbahn zum Bad, sagt Götz. Andernfalls klappe es nicht: "Irgendwie scheint das für sie eine Weltreise zu sein."

Über Schwimmbäder im Irak und Syrien

Irak „Natürlich gibt es bei uns im Irak Schwimmbäder“, sagt der 19-jährige Ahmed: Frei- und Hallenbäder. Der Eintritt koste umgerechnet rund zwei Euro, in den Hallenbädern sei das Essen und Rauchen verboten. Man könne mit einer Badehose oder einer kurzen Sporthose ins Wasser. Duschen vorher sei üblich. Was überhaupt nicht üblich ist: Frauen und Männer in einem Bad. „Für Frauen gibt es überhaupt keine Schwimmbäder“, sagt der junge Mann. Schwimmen lerne man meist vom Vater oder von Verwandten und Bekannten. Kurse gebe es nicht. Und in der Schule lerne man es auch nicht.

Syrien Es gibt herrliche Strände, etwa in Latakia im Nordwesten. Dort gehen Frauen selbstverständlich im Bikini zum Baden. So eine Badebekleidung ist aber nur in großen, modernen Städten möglich. „Auf dem Land geht es konservativer zu“, sagt ein Syrer, der in Ulm Medizin studiert. Grundsätzlich gelte: Die Unterschiede im Land seien groß. In manchen Bädern herrsche Geschlechtertrennung, in manchen nicht. So wie man das Verhalten der syrischen Männer nicht generalisieren könne: „Der eine starrt Frauen an, der andere nicht.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

14.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball