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Marke Eigenbau mit Mehrwert

Wie der Architekt Max Schwitalla gemeinsam mit Flüchtlingen bauen möchte

Tübingen stößt derzeit ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm für Flüchtlinge an. Der Architekt Max Schwitalla hat einen speziellen Vorschlag: Er will die späteren Bewohner mitbauen lassen.

17.04.2016
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. Einen „spektakulären und klugen Votschlag“ nennt es die FAZ, und die „Neue Zürcher Zeitung“ lobt den „beachtenswerten Entwurfansatz“: Das „urbane Regal“, das sich Max Schwitalla ausgedacht hat, stößt auf architektonisch-städtebauliches Interesse. Auch in der Tübinger Stadtverwaltung, die mit dem Berliner Architekten im Gespräch ist und mit ihm gemeinsam EU-Fördergelder einheimsen möchte.

Was ist das „urbane Regal“? Zunächst einmal der Versuch, den Flüchtlingen Hilfe zur Selbsthilfe angedeihen zu lassen. Zusammen mit der ETH Zürich und dem Aufzugbauer Schindler hat Schwitalla ein modules System entwickelt, das von handwerklich geschickten Asylsuchenden unter professioneller Anleitung umgesetzt wird. Nach dem Rohbau, als Marke Eigenbau.

Der Vorteil: Das Verfahren senkt nicht nur Kosten, sondern sorgt für Gemeinschaftsgefühl und vor allem für fachliche Fähigkeiten, die auch danach von Nutzen sein können – ob die beteiligten Flüchtlinge nun bleiben oder später in ihre Heimatländer zurückkehren, um sie womöglich wieder aufzubauen.

Die Überlegung, Geflüchtete während ihres Aufenthalts auszubilden, indem sie gleichzeitig an der eigenen künftigen Unterbringung mitwirken, ist als Gedanke nicht ganz neu. Als konkretes Projekt allerdings sehr wohl. Jedenfalls ist auch Schwitalla kein anderer Fall bekannt. Auf Tübingen kam er, weil er die Štadt gut kennt: Er ist hier aufgewachsen, als Sohn der architektur-affinen Kunsthistorikerin Ursula Schwitalla, der Organisatorin der Reihe „Architektur heute“.

Schwitalla glaubt, „dass der Rohbau eines Moduls je nach Größe in zwei bis vier Monaten erstellt werden kann. Dann kann mit dem Ausbau durch Geflüchtete begonnen werden.“ Für den Rohbau werde ein Quadratmeterpreis von um die 500 Euro angestrebt. „Durch die Mithilfe der Geflüchteten können wir weitere Kosten in der ersten Ausbaustufe sparen und hoffen auch auf Material-Sponsoring durch Industriepartner.“

Partner wären neben der Firma Schindler hier vor Ort das Architekturbüro Danner und Yildiz, aber auch der gemeinnützige Verein Cucula, der seine Erfahrungen mit Flüchtlingen und gemeinschaftlicher Arbeit einbringen würde. Aber auch Cucula braucht, so Schwitalla, die Unterstützung aus dem lokalen Handwerk, durch ehrenamtliche Helfer und möglicherweise einen Betrieb, der den Geflüchteten Ausbildungsplätze stellt.

„Vom Ansatz her und intellektuell sehr spannend“ findet Baubürgermeister Cord Soehlke das „urbane Regal“. Es gebe allerdings noch viele offene Fragen, nicht nur versicherungstechnisch. Auch der Bauherr fehlt noch. Ein erster Versuch, einen Bauträger dafür zu erwärmen, auf dem Spitz zwischen Schwärzlocher Straße und Burgholzweg das Konzept umzusetzen, hat sich zerschlagen. Doch das Selbstbau-Projekt bleibe weiterhin „sehr reizvoll“, so Soehlke. Und als Modellversuch sowieso: „Da ist Tübingen der richtige Ort dafür.“

Deshalb hat die Stadt mit Schwitalla und acht weiteren Projektbeteiligten einen Förderantrag bei der Europäischen Kommission laufen. 80 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) werden derzeit ausgeschüttet und damit vier Fünftel eines jeden vielversprechenden Projekts finanziert, bis zur Fördergrenze von 5 Millionen Euro. Die Entscheidung fällt im Herbst. Soehlke hätte zwar nicht sofort Ersatz für die Schwärzlocher Straße, sagt aber: „Wenn wir das Geld kriegen, finden wir garantiert einen Standort. Denn das hat großen Mehrwert, wenn es funktioniert.“

Bauen für Flüchtlinge: eine Informationsveranstaltung

Am kommenden Freitag, 22. April, informiert die Stadtverwaltung um 18 Uhr in der Mensa Uhlandstraße über die 10 bis 15 Grundstücksoptionen, die an Architekten und Bauherren mit den besten Bebauungskonzepten vergeben werden sollen. Baubürgermeister Cord Soehlke und seine Fachleute informieren über Standorte, Vergabeverfahren und Kriterien für die Grundstücksvergabe. An möglichst kleinteiligen und integrierten Standorten soll dauerhaft neuer Wohnraum entstehen, der allen Bevölkerungsgruppen zugutekommt. Dieser kann dann zunächst für Flüchtlinge, später aber auch für andere Gruppen wie Studierende, Klinikpersonal oder Personen mit niedrigem Einkommen genutzt werden. Wo es möglich und sinnvoll ist, kann der neugeschaffene Wohnraum auch gleich anderen Nutzergruppen zugänglich gemacht werden, zum Beispiel bei gemeinsamen Wohnprojekten mit Flüchtlingen.

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17.04.2016, 22:00 Uhr

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18.04.2016

18:35 Uhr

Linse schrieb:

Hallo!
Architekt Max Schwitalla möchte mit Flüchtlingen bauen !gute Idee aber,,
Hoffe es wird nicht so aussehen nach 10 Jahren wie in Gruppe 91 Tübingen West.



 

 

 
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