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Tübingen

Wie die IHK einmal den Arbeitgeberverband kritisierte

Nanu? War da was? Hat die IHK Reutlingen/Tübingen es wirklich gewagt, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände zu kritisieren? Die mächtige BDA? Den Spitzenverband der gesamten deutschen Wirtschaft? Geführt von Persönlichkeiten wie Otto Esser, Dieter Hundt oder Hanns-Martin Schleyer?

28.01.2017
  • Ulrich Janßen

Auf den Gedanken konnte kommen, wer die Pressemitteilung las, die die IHK vor kurzem verschickte. Darin verkündeten die Reutlinger, dass sie, im Gegensatz zur erklärten Meinung der BDA, an der Vielzahl neuer Studiengänge an den deutschen Universitäten keinen besonders großen Gefallen finden konnten. Im Gegenteil: „Zu viele“ Studiengänge seien es, hieß es energisch. Die Studierenden würden den Überblick verlieren, das Studium abbrechen oder ausdehnen. Die jungen Leute, so formulierte es Hauptgeschäftsführer Wolfgang Epp, „wissen nicht wirklich, was sie da studieren“.

Eine Kritik, die erstmal einleuchtet. Die Zeiten, als man „Geschichte“, „Biologie“ oder „Wirtschaft“ studierte: Waren sie nicht viel schöner? Heute gibt es 18000 Studiengänge in Deutschland, die zum Teil äußerst exotische Namen tragen wie „International Business Administration“ oder „Neuronale Informationsverarbeitung“. Wer blickt da noch durch?

Die Namensgebung allerdings deutet schon an, was der Hauptgrund für die große Vermehrung sein könnte: Es ist das Interesse der Unternehmen an hochspezialisiertem Nachwuchs, den Europas Hochschulen so gut es geht zu befriedigen versuchen. Auch in Tübingen: Ohne Abstimmung mit der Wirtschaft wird hier kaum noch ein Studiengang ins Leben gerufen. Die IHK selbst wirkte vor ein paar Jahren in Workshops bei der Suche nach neuen Spezialisierungen mit.

Irgendwer muss das der IHK wohl mitgeteilt haben. Denn als wir mit dem Pressesprecher telefonierten, war die saftige Kritik auf ein kaum noch vernehmbares Kritikchen geschrumpft. Grundsätzlich habe man gar nichts gegen die Spezialisierungen und die vielen Studiengänge einzuwenden, hieß es nun. Und auf keinen Fall wolle man den Eindruck erwecken, die IHK würde die Tübinger Universität kritisieren. Im Gegenteil wolle man sehr gerne und sehr eng kooperieren.

Man wünsche sich halt einfach, dass vielleicht im Abschlusszeugnis der Bewerber die Studieninhalte ausführlicher erläutert werden könnten. (Allerdings auch nicht zu ausführlich, weil ja Personaler so viel gar nicht lesen könnten.)

Es geht also der Kammer weniger um die geplagten Studierenden und mehr um die geplagten Personalverantwortlichen in den Betrieben. „Die Personaler blicken nicht mehr durch“, gab der Pressesprecher erfrischend ehrlich zu. Sie sind es, die nicht wirklich wissen, was die Leute, die sich bei ihnen bewerben, da studiert haben.

Das wäre doch mal eine schöne Aufgabe für die IHK: Die Personaler der Region auf das „Diploma Supplement“ hinzuweisen. Das liegt heute jedem Zeugnis bei und sagt genau, was die Bewerber alles studiert haben. Beim Arbeitgeber-Dachverband kennt man das schon und erläutert es der IHK sicher gern.

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28.01.2017, 01:00 Uhr

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