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Schnellstens nach Hause

Wie die Nationalelf die Spielabsage in Hannover verarbeitet

Die Nationalspieler haben die gespenstischen Bilder rund um das Stadion in Hannover nicht gesehen - und wollten doch schnell nach Hause. Verarbeiten müssen sie die Vorfälle der letzten Tagen bei ihrem Verein.

19.11.2015
  • GEROLD KNEHR

Hannover Auch am Tag nach der Absage des Fußball-Länderspiels gegen die Niederlande prägten mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten das Bild in Hannover. Der Hauptbahnhof der niedersächsischen Landeshauptstadt und die weitläufigen Einkaufspassagen werden streng überwacht. So wie es am Abend zuvor auch bei der nahe des Stadtzentrums gelegenen HDI-Arena der Fall gewesen war.

Doch all diese vermeintlich beruhigenden Sicherheitsmaßnahmen hatten die Absage des Spiels nicht verhindern können. Es war das erste Mal in der Geschichte des DFB, dass ein Spiel wegen Terrorgefahr nicht stattfand. Zurück bleiben Ohnmacht, Angst und Frust bei Spielern, Trainern, Funktionären, den Zuschauern, die sich in Hannover auf den Weg gemacht hatten, und den Fans vor den Fernsehbildschirmen.

Bei den schlimmen Ereignissen in Paris in der Nacht vom Freitag zum Samstag spürten die Spieler und die Besucher im Stade de France die Gefahr bei den beiden gewaltigen Explosionen unmittelbar. In Hannover war die Mannschaft noch nicht im Stadion, als die Begegnung abgesagt wurde, und es wurden keine Sprengstoffe gefunden. Die Bedrohung blieb abstrakt. Was sie deshalb aber keineswegs harmloser macht. "In Verbindung mit den Vorerlebnissen war die Bedrohung dennoch spürbar", sagt DFB-Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann.

Diese schleichende Furcht ist rational nicht zu bewältigen. Trainer und Spieler können ihre eigenen Fehler analysieren, taktische Vorgaben begreifen, an der Feinabstimmung arbeiten. Der anonyme Gegner namens Terror jedoch ist nicht greifbar.

Die Nationalspieler waren im Bus in Richtung Stadion unterwegs, als das Spiel abgesagt wurde. Der Bus steuerte zunächst eine Polizeistation an. Danach kehrte das Team ins Mannschaftsquartier zurück. "Als der Bus plötzlich in eine andere Richtung fuhr und die Nachricht der Absage verkündet wurde, wirkten die Spieler deutlich angespannt", berichtete Hermann. Die meisten wollten so schnell wie möglich nach Hause. "Wir sind keine Maschinen, sondern Menschen mit Gefühlen", hatte der Dortmunder Ilkay Gündogan nach dem Spiel in Frankreich gesagt. "Auch wenn wir Profis sind, in dem, was wir machen, geht das nicht spurlos an einem vorbei."

Die Folgen dieser bleiernen Tage werden für den Fußball und die Europameisterschaft 2016 in Frankreich gravierend sein. Eine mögliche Verlegung der Euro 2016 in ein anderes Land, wie nach den Pariser Vorfällen gelegentlich diskutiert wurde, macht freilich keinen Sinn. Der Terror zielt nicht auf ein einziges Land, sondern bedroht das gesamte Europa.

"Eine einhundertprozentige Sicherheit kann es im gesellschaftlichen Raum nicht geben", sagt Hendrik Große Lefert, der Sicherheitsbeauftragte des DFB. Dennoch muss das Thema Sicherheit neu überdacht werden. Zu erwarten ist, dass sich die Nationalmannschaft noch mehr von den Zuschauern abschotten wird als bislang schon.

Auf die Verarbeitung der letzten Tage wird Bundestrainer Joachim Löw nur begrenzten Einfluss haben. Seine Nationalmannschaft trifft sich erst Ende März 2016 wieder. Am 26. März findet in Berlin ein Freundschaftsspiel gegen England statt, drei Tage später findet in München die Begegnung gegen Italien statt. Verarbeiten müssen die Spieler die traumatischen Ereignisse der vergangenen Tage im Liga-Alltag bei ihren Vereinen.

Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff werden bereits am 12. Dezember nach Paris zurückkehren. An jenem Samstag werden die EM-Vorrundengruppen ausgelost. Dann stehen auch die ersten drei Spielorte der Gruppenphase fest, und danach kann Bierhoff detailliert planen. Doch fürs erste ist die Vorfreude auf das nächste große Turnier gewichen.

Wie die Nationalelf die Spielabsage in Hannover verarbeitet
Die Fahnenträger marschierten unverrichteter Dinge aus dem Stadion in Hannover. Foto: Imago

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19.11.2015, 12:00 Uhr

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