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Das "Gockelmobil" kommt immer gut an

Wie die Versorgung der Flüchtlinge mit Lebensmitteln organisiert wird

Der Flüchtlingszuzug ist weiter sehr hoch - eine gute Sache für die Konjunktur, finden Ökonomen. Besonders angekurbelt wird durch die aktuelle Lage die Catering-Branche. Ein Besuch in Ellwangen.

20.11.2015
  • DPA

Ellwangen Die Essensausgabe muss schnell gehen, sehr schnell. Die Taktfrequenz liege bei zwei bis fünf Sekunden, sagt Küchenleiter Heiko Püchel. In diesen knappen Abständen müssten die Flüchtlinge ihre Tabletts aufnehmen und weitergehen, ob mit Rührei und Brot zum Frühstück oder Hühnchen, Reis und Gemüse zum Mittagessen.

Der 50-Jährige ist für die Versorgung der Tausenden zuständig, die in der Landeserstaufnahmeeinrichtung Ellwangen (Ostalbkreis) ausharren. "Unsere Versorgung ist gut", sagt Püchel. "Sie ist ausreichend und bedarfsgerecht." Püchel ist Koch bei der Firma "European Homecare" (EHC), einer Firma aus Essen, die sich auf die Betreuung sozialer Einrichtungen spezialisiert hat. Nach Firmenangaben stemmen deren 900 Mitarbeiter aktuell unter anderem die Versorgung von mehr als 15 000 Flüchtlingen im Bundesgebiet, etwa 3500 davon in Ellwangen.

EHC ist gewissermaßen Krisenprofiteur. "Wir wachsen, wachsen und wachsen, weil die Einrichtungen zur Betreuung der Schutzsuchenden überall aus dem Boden gestampft werden und der Bedarf nach Versorgung steil nach oben geht", sagt Managerin Petra Gänsler. Während Püchel für die Kantine zuständig ist, ist Gänsler die oberste Dienstleisterin der Lea Ellwangen. Zusammen mit Beamten, die vom Bund und vom Land entsandt wurden, sowie mit anderen Helfern schmeißen Gänsler und ihr Team den Laden. Über die Bezahlung will sie nicht sprechen - "Betriebsgeheimnis". Beauftragt wird ihre Firma vom Regierungspräsidium Stuttgart. "Wir sind eine ganz normale Firma, die sich nur am Markt halten kann, wenn sie auch Gewinne erzielt." Die Behörde zahlt eine Pauschale pro Flüchtling von rund elf Euro am Tag, bei mehr als 300 zu Verpflegenden gibt es einen Abzug von zwei Euro. In den Verträgen mit dem beauftragten Dienstleister werden Standards festgelegt: So soll der Nährwert der Lebensmittel pro Tag und Person mindestens 2660 Kalorien betragen. Die tägliche Getränkemenge pro Kopf wird mit zwei Liter angegeben.

Die Ausgabezeiten der drei Mahlzeiten können bei Bedarf - insbesondere während der muslimischen Fastenzeiten - geändert werden. Das Regierungspräsidium achtet auf die Einhaltung der Verträge über die Leiter der Einrichtungen, die Landesbeamte sind. Andere Firmen, die Verpflegung für Flüchtlinge stellen, sind der Lebensmittelservice Drei König aus Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) und die Apetito AG aus Nordrhein-Westfalen.

Leicht ist der Job nicht. "Geschmäcker sind sehr verschieden - wir versuchen, auf die verschiedenen Weltregionen einzugehen", sagt Gänsler. Für Araber gebe es mitunter Feigen und Oliven. "Die wollen keine knusprigen Brötchen, sondern labbriges Fladenbrot." Schweinefleisch gebe es nie, sagt Küchenleiter Püchel. Meistens wird Hühnchen aufgetischt, je ein Fünftel der Gerichte ist Fisch oder vegetarisch. Und was ist mit "urdeutscher" Kost, etwa eine dunkle Vollkorn-Stulle zum Frühstück? Püchel schüttelt den Kopf. "Das will niemand - und was nicht nachgefragt wird, bieten wir auch nicht an."

Eine große Herausforderung bei der Verpflegung sind die ständigen Schwankungen in der Lea-Belegung. "Unsere Lieferanten müssen in der Lage sein, Nahrung für mal 300 Menschen mehr oder 300 Menschen weniger bereitzustellen", sagt Kantinenchef Püchel. Zwischen 12 000 und 20 000 Brötchen werden täglich gebraucht für Ellwangen sowie die Außenstellen in Wertheim und Neuenstadt - an allen drei Standorten sind insgesamt 5000 Flüchtlinge untergebracht.

Das kulinarische Highlight: das sonntägliche "Gockelmobil".

Wie die Versorgung der Flüchtlinge mit Lebensmitteln organisiert wird
Essenszeit in Ellwangen: Haitham Sairaty (rechts) gibt Tabletts aus. Zwei bis fünf Sekunden sind pro "Kunde" eingerechnet. Foto: dpa

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20.11.2015, 12:00 Uhr

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