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Nicht immer Sportsfreunde

Wie die Wissenschaft Pressearbeit in der Bundesliga sieht

Ein Stefan Effenberg laviert nicht. „Da muss man aufpassen, was man schreibt. Weil ich bin einer, der lässt sich das nicht gefallen, Freunde der Sonne“, riet der damals in FC Bayern-Diensten Stehende anno 2000 der an der Säbener Straße versammelten Sportjournaille. Er empfand sein Wirken auf dem Platz als zu Unrecht kritisiert.

18.06.2015
  • Kathrin Löffler

Die Reporter-Schmähung des beleidigten Ex-Mittelfeldstrategen ist freilich längst geflügeltes Wort.

Auch schon legendär: Klaus Augenthaler erledigt das mediale Frage-und Antwortspiel in Personalunion und 42 Sekunden, Bruno Labbadia grüßt in der Pressekonferenz mit einem launigen „Am Arsch geleckt!“, Völler disputiert mit Weizenbierfreund Hartmann. Das Konfliktpotenzial zwischen Rasensportakteuren und Pressevertretern bedient den gemeinen grottenkicksgeplagten Fußballfan mit verlässlichem Amüsement. Im Sinn der Vereine ist das weniger. Profiklubs agieren auch in ihrer Außenkommunikation zunehmend wie Unternehmen. Allein der Münchner Klassenprimus gönnt sich eine über 30-köpfige Medienabteilung. Christoph G. Grimmer kennt ihre Strategien.

Der promovierte Sportwissenschaftler forscht und lehrt an der Uni Tübingen über Journalismus und Public Relations im Sport. Am Dienstag kam er als Gastredner der populären Vortragsreihe „Verständliche Wissenschaft“ in die Sportgaststätte des TV Belsen. Dem lokalen Fachpublikum präsentierte er seine Studien. Grimmer hat in seiner Dissertation analysiert, wie Medienarbeit in der Fußball-Bundesliga funktioniert. Dafür hat er die Pressesprecher der Vereine im deutschen Fußball-Oberhaus und 174 Zeitungsschreiber nach ihrem gegenseitigen Verhältnis befragt. Ergebnis: „Es ist spannungsgeladen.“

Die Pressechefs von HSV und Co mögen bei den berufsmäßigen Berichterstattern nämlich keinen so rechten Nimbus erkennen: Letztere „können keine Kritik vertragen“, verhielten sich wie „Superschlaue“ und nähmen sich selbst zu wichtig, zitierte Grimmer aus seinen Interviews. Allein die sonntägliche TV-Frühschoppengesellschaft „Doppelpass“, in der Journalisten sich im Bescheidwissen battlen, scheint dafür trefflicher Beleg.

Die Medienbosse der Profi-Klubs tun laut Grimmer einiges, damit ihre Arbeitgeber im besten öffentlichen Licht glänzen: nur ausgewählten (Fach-)Magazinen Auskunft geben, motzbereite und plappermäulige Kicker „aus dem Verkehr ziehen“ (Markus Hörwig, FCB-Mediendirektor), mit Spielern geführte Interviews schönfärben und unerquickliche Fragen streichen lassen. Und auf Connections setzen: „Es gibt die Möglichkeit, Geschichten durch gute Beziehungen zu verhindern“, sagte Oliver Schraft, VfB-Kommunikationsleiter. Auf Vereinsseite weiß man um die Deutungsmacht der Medien. „Wenn die Presse die ganze Woche schreibt, der Spieler sei schlecht, wird beim ersten Fehlpass auch gepfiffen“, sagte Christopher Lymberopoulos in seiner Pressesprecher-Ära beim 1. FC Köln.

Grimmer, selbst mit einiger journalistischer Erfahrung im Lebenslauf, bezeichnet das mediale Geschehen am Spielfeldrand in anderen Sportarten als deutlich offener und entspannter, aber auch unprofessioneller. Im Fußball, glaubt er, werden die Klubs auf Journalisten „künftig noch mehr Druck ausüben“. Mit Homepage, Club-TV und Social-Media-Auftritten bieten sich ihnen Möglichkeiten, die gewünschten Botschaften direkt an die Klientel Fan zu senden. Ohne kritische Untertöne vom unabhängigen Schreiberling. Authentizität? Nun ja.

Klappt allerdings nicht immer. Manuel Neuer, noch im S04-Trikot, sollte nach eher mittlerem Spiel der Meute der Auskunftswilligen fernbleiben – pfiff aber auf die Vereinsinstruktion und stellte sich ihr dennoch. Grimmer: „Mancher lässt sich aus dem Verkehr ziehen, mancher nicht.“

Wie die Wissenschaft Pressearbeit in der Bundesliga sieht

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18.06.2015, 12:00 Uhr

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