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Für Ursula

Wie ein Tübinger Weg zu seinem Namen kam

Was für ein Vogel ist Ursula? Im Tübinger Wohngebiet „Sand“ sind viele Vögel unterwegs. Da gibt es den Schwalbenweg, den Amselweg und den Finkenweg. Sowie den Falkenweg, den Sperberweg, den Milanweg und den Habichtweg.

01.09.2012

Vom Drosselweg schließlich gelangt man in den Ursula-Weg. Beispielsweise, wenn man mit der Buslinie 2 des Stadtverkehrs unterwegs ist und an der Haltestelle Drosselweg aussteigt. Dann vorgehen bis zur Wendeplatte, an der Altglassammelstelle vorbei, und schon steht man an einem Schild aus Holz mit der Aufschrift: Ursula-Weg. Warum Ursula-Weg?

Es ist ein schmaler Weg für Spaziergänger. In weitem Bogen führt er unterhalb des ehemaligen Versorgungskrankenhauses herum, zur Rechten Kleingartenanlagen und gelegentlich auch Weitblicke, zur Linken zwei Planetarien des Astronomischen Instituts. Der Pfad ist asphaltiert, hat kaum Steigung, und auf einer Strecke von etwa 250 Metern stehen fünf Sitzbänke. Mit anderen Worten: Er ist auch für Senioren, die nicht mehr gut zu Fuß sind und zwischendurch eine Pause einlegen möchten, ideal für einen kleinen Spaziergang geeignet.

Das war nicht immer so. Vor drei Jahren, als diese Wegstrecke noch nicht nach Ursula benannt war, befand sie sich in einem ziemlich desolaten Zustand. Der Belag war zerschlissen, voller Stolperfallen. „Da müsste man doch etwas machen“, sagte Otto Christian Straub, erst zu sich selbst, dann zu dem Chef des Tübinger Tiefbauamts. Albert Füger, hatte den schmalbrüstigen Stadtetat im Sinn und erwiderte – ob in vollem Ernst, lässt sich nach dieser langen Zeit nicht mehr rekonstruieren: „Was sind Sie bereit auszugeben?“ Straub, er in vollem Ernst: „10 000 Euro.“ Füger: „Das ist zu wenig.“ Straub: „Sind 15 000 Euro ausreichend?“

Und so kam es, dass der Weg hergerichtet wurde. Der 81-Jährige wollte eigentlich anonym bleiben. Er wohnt mit seiner Frau auf der Wanne, aber gelegentlich gehen die beiden auch gerne auf dem Sand spazieren. Deshalb kam dem pensionierten Präsidenten der baden-württembergischen Landestierärztekammer in den Sinn, er könnte doch seiner Frau eine Überraschung bescheren. Auf seinen Vorschlag hin fertigte das Tiefbauamt ein Dankeschön aus Holz, beschriftet mit einem weiblichen Namen. Und als die Straubs das nächste Mal auf dem „Sand“ spazieren gingen, stand Ursula Straub mit einem Mal vor einem Straßenschild: Ursula-Weg. Aber hallo!

Auch im offiziellen Tübingen gibt es Straßen mit Frauenvornamen. In der Südstadt erinnert die Charlottenstraße an die letzte württembergische Königin. Auf deren Vorgängerin verweist die Olgastraße. Die Isoldenstraße benennt keine Königin, sondern – in bemerkenswerter Vertrautheit – die Dichterin Isolde Kurz. Und auf ähnliche Weise wie der Ursula-Weg kam die Sofienstraße zu ihrem Namen: Benannt nach Sophie Belser, Gattin des Bauunternehmers, der das erste Haus in jener Straße erbaute.

Für eine Straße, kann man im Rathaus erfahren, hat – außer Straub – in Tübingen noch nie jemand Geld gespendet. Der Spender hätte dennoch gerne, dass sein Beispiel Schule macht. Und er wüsste auch schon wo: „Wie wär‘s denn mit der Germanen-Staffel, die von der Mühlstraße zum Österberg führt?“

Hans-Joachim Lang

Wie ein Tübinger Weg zu seinem Namen kam

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01.09.2012, 12:00 Uhr

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