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Heimatgeschichtliche Sammlung zeigt die Geschichte des Waschens

Wie ein riesiges Butterfass

BODELSHAUSEN. Im Jahre 1901 erfanden Carl Miele und Reinhard Zinkann die erste Waschmaschine. Sie war aus Eichenholz und wurde von Hand betrieben. Was sich seither im Bereich der Wäschepflege getan hat, kann man in der Ausstellung „Alles sauber – Waschen und Hygiene im Wandel der Zeit“ in der Heimatgeschichtlichen Sammlung in Bodelshausen anschauen.

31.05.2003
  • Susanne Mutschler

Dass Wäschepflege vor hundert Jahren körperliche Schwerarbeit war, sieht man den schweren Zinkzubern, in denen die Wäsche am Vortag eingeweicht wurde, den Waschbrettern und Wäschestampfern selbst in staubtrockenem Ausstellungs-Zustand noch an. Wenn früher Waschtag war, blieb alle andere Arbeit liegen.

Nur alle paar Wochen wurde der doppelwandige Waschkessel von unten mit Holz angefeuert, im Sommer vorzugsweise im Hof, wie die ausgestellten Fotografien zeigen. Im Winter verlegte sich das ganze Reinigungsgeschehen in die Waschküche. Dort stand auch die so genannt „Volksbadewanne“, die ebenfalls vom schwenkbaren Hahn des Waschkessels aus befüllt wurde. So konnte man nach der „großen Wäsche“ die Hitze des Waschkessels gleich weiter zum Familienbad nutzen.

Der grobe Schmutz auf der Kleidung – und davon gab es bei der bäuerlichen Arbeit früher nicht wenig – wurde auf Waschbrettern weggerubbelt, „gerumpelt“ heißt der Fachausdruck dafür. Im dampfenden Kessel rückte man dann der Wäsche mit Wäschestampfern zu Leibe. Doch selbst bei diesen archaisch anmutenden Gerätschaften gab es schon Qualitätsunterschiede.

Waschbretter aus Zink lebten länger als die aus Holz. Als besondere Rarität ist in Bodelshausen ein gläsernes Exemplar zu sehen. Bei den Wäschestampfern entwickelten findige Köpfe verschiedene raffinierte Modelle, die von unten Wasser ansaugten, um es mit viel Druck durch kleine Löcher wieder auszupressen und so die Waschkraft zu verstärken.

Die erste Waschmaschine von 1901 ähnelte einem riesigen Butterfass. Im waschbrettartig gerillten Bottich „aus bestem Eichenholz“ befand sich ein hölzernes Drehkreuz, das mit seinem Rundlauf das „Rumpeln“ übernahm. Denselben Dienst leistete ein Schaukel-Waschgerät, in dem Stück für Stück durchgeknetet wurde.

Schon um 1910 gab es das Miele-Modell dann mit elektrischem Antrieb. In den 30-er Jahren wurde es durch eine Rohrflügel-Maschine aus Metall ersetzt. Später kam eine Wellenrad-Maschine, die den Namen „Laborant“ trug. Sie hatte schon ein wohnungstaugliches Klein-Format und eine eingebaute Heizung, um das Waschwasser zu erhitzen. Eine ganze Vitrine ist Seifen und Waschpulvern mit vergangenen Namen wie Henko, Sil und Burnus gewidmet. Die meisten der kleinen, handlichen Päckchen sind noch original befüllt.

Auch das Auswringen der Wäsche nach dem Waschen war kräftezehrend. Erste mechanische Hilfen boten Walz-Geräte, deren gegeneinander laufende Holzzylinder die Feuchtigkeit aus den Wäschestücken quetschten. In den 50-er Jahren bot die Firma Frauenlob eine hydraulische Wäschepresse an. Über ein Flügelrad wurde ein gelochter Zylinder, in den sich die tropfende Wäsche befand, durch Wasserdruck aus der ständig laufenden Leitung zur Rotation gebracht. Ans Wassersparen dachte damals noch keiner.

Obwohl das Bügeln mit den schweren, gusseisernen Bügeleisen ganz besonders anstrengend war, galt erst gebügelte Wäsche als wirklich sauber. Ein am Herd erhitztes Bügeleisen speicherte die Hitze nur etwa für zehn Minuten. Zügiges Arbeiten ermöglichte erst ein Bügeleisenofen, an dem zwei Ersatz-Eisen vorglühten.

Auch um körperliche Sauberkeit und Hygiene geht es in der Bodelshäuser Ausstellung. In einem verschämt abgeteilten Verschlag ist ein Abort zu besichtigen und zwischen verschiedenen, an Leinen aufgehängten Wäscheteilen – besonders eindrucksvoll die weißen „Stehbrunzhosen“ für die Frauen – kann man die Geschichte von Jacob Blutbacher nachlesen, der in Bodelshausen bis in die 50-er Jahre hinein eine öffentliche Badestube mit vier Wannen betrieb.

Wie ein riesiges Butterfass
Bürgermeister Bernd-Dieter Esslinger besichtigt den Abort der Ausstellung „Alles sauber“.

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31.05.2003, 12:00 Uhr

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