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Wie einst die Dinosaurier
Ein in den vergangenen Tagen viel bemühtes Symbolbild: Dunkle Wolken über der Frankfurter Banken-Skyline. Doch in der Branche gibt es durchaus auch lichte Momente. Foto: DPA
Geldwirtschaft

Wie einst die Dinosaurier

Deutsche Bank und Commerzbank sorgen für negative Schlagzeilen. Dabei steht die Branche nicht so schlecht da. Aber die Herausforderungen sind groß.

10.10.2016
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Der Mann schüttelt nur den Kopf, wenn er auf die Türme der Deutschen und der Commerzbank blickt. Er kennt die Branche genau, sitzt mit im Führungsgremium einer renommierten Privatbank. Der Ruf der ganzen Branche ist vor allem wegen der Deutschen Bank am Boden. Die Turbulenzen bei der Commerzbank tun ihr übriges.

Nach dem Wechsel an der Spitze der Deutschen Bank vor gut einem Jahr ist vom dringend notwendigen Wandel noch nicht viel zu spüren. Der Aktienkurs ist abgestürzt, die Bank schreibt rote Zahlen, das Kapital droht knapp zu werden, weil immer noch drastische Strafen für das Treiben vor allem der Investmentbanker in der Vergangenheit drohen. Nach dem Rekordverlust von fast 7 Mrd. EUR im vergangenen Jahr droht auch 2016 ein Minus. Bank-Chef John Cryan ist längst zum Krisenmanager mutiert, der Brände an allen Ecken und Enden löschen muss: Die Postbank wird er nicht los, die Niedrigzinsen bremsen das Geschäft, im Investmentbanking verliert das Institut an Boden, Filialen werden geschlossen, Personal abgebaut.

Die Commerzbank ringt zwar nicht mit Rechtsproblemen. Aber dass nur vier Monate nach dem Abschied von Martin Blessing sein Nachfolger Martin Zielke den Abbau von 9600 Vollzeit-Stellen verkündet, sorgt für mehr als nur Verwunderung. Die Gewerkschaften sind wütend, die seit Jahren gebeutelten Aktionäre müssen nicht nur mit Tiefstständen der Aktie leben, sondern wieder auf die Dividende verzichten.

Und trotzdem: So schlecht wie beide Branchenführer die Lage erscheinen lassen, ist sie nicht. Die niedrigen Zinsen und die Einlagen-Gebühr, die die Europäische Zentralbank von Banken kassiert, macht zwar allen Häusern zu schaffen. Ebenso die Regulierung und die Fintechs. Trotzdem gibt es Erfolge: Private Bankhäuser stehen gut da. DZ Bank und WGZ Bank, die Spitzeninstitute des Genossenschaftssektors, haben ihre Fusion zur drittgrößten deutschen Bank erfolgreich abgeschlossen und peilen einen Gewinn von 2 Mrd. EUR an. Auch die 400 Sparkassen und 1000 Volks- und Raiffeisenbanken stehen trotz aller Widrigkeiten stabil da, weitere Zusammenschlüsse sind aber unausweichlich. Direktbanken wie die ING Diba oder Onlinebroker wie Consors sind ohnehin gut im Geschäft. Selbst die Landesbanken haben sich aus dem Tief herausgearbeitet.

Aber die Herausforderungen sind gewaltig. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret sagt, Europas Geldhäuser erinnerten ihn an das Dinosaurier-Zeitalter: „Einzelne Banken sind bereits ausgestorben, wieder andere stehen unter großem Anpassungsdruck, und eine Lehre aus der Ära der Dinosaurier gilt auch heute noch: Größe allein ist kein Wert an sich“.

Erstaunlich ist, dass die Probleme gerade bei den beiden deutschen Großbanken so gravierend sind. In anderen Ländern ist das nicht so, vor allem nicht in den USA. Die Deutsche Bank rangiert weltweit nicht mal mehr unter den 100 wertvollsten Instituten.

„Im Moment ist die Lage noch nicht akut besorgniserregend“, sagt Bundesbanker Dombret. Das konjunkturelle Umfeld sei solide. Er bemängelt vor allem, dass die Branche die Digitalisierung noch nicht ausreichend nutzen. Und deshalb Marktanteile an Fintechs verlieren.

Kurzfristig muss es allen Banken darum gehen, für ihre Dienstleistungen wieder kostengerechte Preise zu verlangen, betont Felix Hufeld, Chef der Finanzaufsicht Bafin. „Wenn die Zinsen weiter erodieren, entsprechen höhere Preise der schieren Logik“. Die an kostenfreie Giro-Konten gewöhnten Verbraucher werden sich umstellen müssen. Bankdienstleistungen für lau werden der Vergangenheit angehören. Die Banken müssen schließlich Geld verdienen. Auch wenn die Renditen in naher Zukunft gering sein werden. Aber damit kommen die Maschinenbauer schon immer zurecht. Und zwar nicht schlecht.

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10.10.2016, 06:00 Uhr

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