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Unternehmen Wald

Wie im Dußlinger Forst gearbeitet wird

Im Wald wächst Holz – und Holz bringt Geld. Dass wirtschaftliches Handeln im Forst mehr bedeutet, als ausschließlich die Finanzen im Blick zu haben, wissen vor allem die hiesigen Forstbeamten nur allzu gut.

27.06.2012
  • Kathrin Löffler

Dußlingen. „Sofort abzuschaffen“ sind Wege und Wanderparkplätze, sagt Ulrich Höcker, Gebietsleiter der Abteilung Forst beim Landratsamt augenzwinkernd. Die Zugangsinfrastruktur bringt nämlich nichts ein – zumindest, wenn man den Wert einzelner Flächen im Wald streng nach ihrem monetären Gewinn und Verlust errechnet.

Zwar ist Holz der Rohstoff, mit dem sich der Großteil des finanziellen Ertrags erwirtschaften lässt. Holz ist aber längst nicht das einzige Produkt im Forst. Das Unternehmen Wald fertigt auch Güter ökologischer und sozialer Art: Tieren dient es als Lebensraum, Menschen zur Erholung. Der Wald ist Produktions- und Dienstleistungsunternehmen. Nordic Walkern wie Naturfreunden, Jagdpächtern wie Rehen: Ihnen allen will Rechnung getragen werden.

Die Wirtschaftlichkeit im Gemeindewald zu optimieren heißt deshalb, so Höcker: Anhand von Einzelflächen muss der Fachmann die sinnvollste Gestaltungsweise für den jeweiligen Standort überlegen. Gemeinsam mit Revierförster Reinhold Gerster zeigte er Bürgermeister Thomas Hölsch und knapp 40 lauffreudigen Gemeinderäten und Bürgern plus Hund kürzlich bei bestem Waldumgangswetter beispielhaft, wie multifunktional in der gemeindeeigenen Dußlinger Grünanlage gewirtschaftet wird.

Ordentlich gewütet hat ein Sommergewitter vor dem letztjährigen Fronleichnamstag unweit des Ausgangspunkts der kleinen Wanderung am Parkplatz Ohnhalde. Eigentlich hätten die alten Eichen hier konserviert werden sollen. Aber dann kam der Sturm. Neben Rest- und Brennholz macht in diesem Einzelhieb nur ein Drittel der Holzmasse Stammholz aus – aber dieses dicke und qualitativ hochwertigere Holz erbringt zwei Drittel des Erlöses.

Doch wie sieht es mit der Holzwirtschaftlichkeit im Laufe eines Bestandeslebens aus – also vom einjährigen Bäumchen bis zum 180-jährigen Riesen? „Starkholz vor Schwachholz, Altbestand vor Jungbestand“ lautet die Faustregel: Je dicker und älter die Bäume, desto wertvoller sind sie. Die ersten 30, 40 Jahre eines Bestandslebens gilt es, in die Pflege zu investieren. Erst an alten Bäumen mit großem Durchmesser lässt sich Geld verdienen. Folglich nimmt ein Förster lieber keinen Kahlschlag an 120 Jahre alten Eichen vor. Man lässt sie weiter wachsen und versucht, „die Phase, wo man dicke Bäume hat, zu strecken“, so Gerster. „Verlängerung der Umtriebszeit“ heißt das in der Fachsprache.

Runter vom Weg geht es, ab ins Gehölz, mitten in einen Jungbestand von im Schnitt 20-jährigen Eichen. Bevorzugt werden hier entsprechend „die Dicken mit schönem Stamm“, sagt der Revierleiter. Solche, die für später ein famoses Stammholz verheißen – und damit rollenden Rubel. In der Praxis bedeutet dies, dass nur um die so markierten Bäume herum „ausgeputzt“ wird. Punktuell also, nicht mehr klassisch, wie früher, auf der gesamten Fläche – das brächte statt einzelnen dicken nur viele nicht ganz so füllige Bäume hervor.

2010 hat die Gemeinde der Forstwirtschaft den Auftrag erteilt, ein Waldnaturschutzkonzept zu entwickeln. Die Nuancen setzt man hier etwas anders als im typischen Naturschutz, erläutert der Gebietsleiter: Die „Perlen“, also traditionell vom Aussterben bedrohte Tiere, werden im Wald nicht präferiert unter der Glasglocke behütet. Zwar sei es schön, den Hirschkäfer zu schützen, so Höcker. Den Forstleuten geht es aber um den Wald in seiner ganzen Vielfalt. Naturnahe Forstwirtschaft kümmere sich also vor allem auch um waldtypische Arten – „und wenn’s bloß ein Marder ist“. Zudem: Im Wald können Geldbeutel und Fauna gleichermaßen profitieren. Alte Baumbestände, die länger erhalten bleiben, bieten Rückzugsflächen für Tiere. „Da sind wir wirtschaftlich und ökologisch besser dran“, sagt Gerster.

Am Waldrand, fast schon an der Grenze zur Ofterdinger Gemarkung, wächst ein kleines Kooperationsprojekt zwischen Gemeinde und Jägern in die Höhe: ein Haufen junger Tannen. Wildtiere brauchen auch zur Winterzeit undurchsichtiges Nadelholz, um sich zu verstecken. Zwei Drittel der Kosten der vor sechs Wochen erfolgten Pflanzung haben die Jagdpächter Heinz Fauser und Heinz Kurz übernommen. Dass diese „nicht nur ihr Wild, sondern auch den Wald im Auge haben“, findet der Revierförster „sehr schön“.

Ein Stückchen weiter hat Reinhold Gerster noch mehr Grund zur Freude: Ganz üppig sprießen da die Weißtannen. Einfach von selbst, und derart zahlreich, dass die Rehe mit dem Fressen nicht mehr nachkommen. Ohne diese Naturverjüngung müsste der Förster selber pflanzen. Geld investieren, jahrelang Fixkosten bezahlen, eine teure Sache. „Aber wenn ich viel pflanze“, so der Forstbeamte, „geht meine Wirtschaftlichkeit im Forstbetrieb den Bach runter“.

Wie im Dußlinger Forst gearbeitet wird
Totes Holz im Rammert – lebendiger, als man so denkt.Archivbilder: Sommer

Wie im Dußlinger Forst gearbeitet wird
Bringt nicht nur Geld, sondern auch Freude: Der Rammert ist nicht nur Holzquelle, sondern auch Erholungsgebiet.

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27.06.2012, 12:00 Uhr

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