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"Wie im Zweiten Weltkrieg"
Russen sind hier gern gesehene Gäste: Das Café Moskau in der syrischen Stadt Latakia. Hier sind nach wie vor russische Truppen stationiert. Foto: afp
Trotz des Abzugs aus Syrien sind russische Einheiten dort weiter aktiv

"Wie im Zweiten Weltkrieg"

Offiziell hat Russland den Großteil seiner Streitkräfte aus Syrien abgezogen. Tatsächlich setzt es die Militäroperation in dem Bürgerkriegsland fort - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

07.04.2016
  • STEFAN SCHOLL

Moskau. Russlands Krieg in Syrien scheint gerade erst begonnen zu haben, auch was Heldentaten angeht. Die Heimat gedenkt dieser Tage in stolzer Trauer des Flak-Offiziers Alexander Prochorenko. Wie die Staatsagenturen berichten, kundschaftete er bei den Kämpfen um Palmyra Positionen der Terrormiliz IS aus. Die Feinde hätten ihn entdeckt und eingekreist, da habe er eigenes Feuer auf seine Position angefordert und sei darin opfermutig umgekommen. "Wie die Helden des Großen Vaterländischen Krieges", sagt Juri Berg, Gouverneur von Orenburg, der Heimatregion des Gefallenen.

Dabei galt die Militäroperation in Syrien als so gut wie abgeschlossen. Am 14. März hatte Russlands Präsident Wladimir Putin den Abzug der Streitkräfte befohlen, sie hätten ihre Aufgabe in Syrien "im Großen und Ganzen" erfüllt. Allerdings kündigte der Kreml schon damals an, ein Teil der Kampfbomber bleibe in Syrien, um den Kampf gegen die IS-Terroristen fortzusetzen, außerdem Marineinfanteristen und Flugabwehrsysteme zum Schutz der russischen Stützpunkte in Tartus und Latakia. Offizielle Zahlen gibt es nicht, nach Einschätzung des Moskauer Militärexperten Viktor Litokwin sind dort von den insgesamt 70 Fluggeräten vor dem Abzug jetzt noch etwa 20 Kriegsflugzeuge und Kampfhubschrauber stationiert. Der amerikanischen Fernsehsender ABC dagegen spricht von 28 Flugzeugen und 18 Kampfhubschraubern.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte, russische Bomber seien ebenso wie Militärberater maßgeblich an der Befreiung Palmyras beteiligt gewesen. Ein hoher israelischer Militär sagte der Zeitschrift Defense News, Moskaus Luftwaffe habe in Syrien eher eine Rotation als einen Abzug veranstaltet: "Die israelische Aufklärung erwartet eine langfristige russische Anwesenheit in Syrien."

Das russische Verteidigungsministerium bestellte vor wenigen Tagen 10 300 Medaillen für "Teilnehmer der Militäroperation in Syrien". Litwinow glaubt, viele davon gingen an in Moskau sitzende Stabsoffiziere, an Journalisten oder Künstler, die die russischen Militärbasen besucht hätten. "Insgesamt werden 6000 bis 7000 russische Soldaten in Syrien gewesen sein, und auch diese haben sich gegenseitig abgelöst." Allerdings zeigte das russische Fernsehen anlässlich der Heimkehr der Truppen nur Luftwaffenpiloten, während bei einer Feierstunde im Kreml auch ein Panzergeneral und drei hohe Artillerieoffiziere für ihre Leistungen in Syrien dekoriert wurden. Offenbar waren dort auch russische Bodentruppen im Einsatz - und sind es noch immer.

Dabei gilt Russlands Feldzug in Syrien im Gegensatz zu seinen verdeckten Angriffen auf die Krim und das Donbass nicht als völkerrechtswidrig. Auch westliche Politiker räumen ein, erst Moskaus Militäraktion habe den Waffenstillstand zwischen Regierungstruppen und gemäßigten Rebellen möglich gemacht. Aber Russlands Krieg in Syrien geht weiter, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bei Palmyra sollen hunderte Krieger des Söldnerbataillons "Slawisches Korps" kämpfen, die schon auf der Krim und im Donbass im Einsatz waren. Kämpfer sagten der Petersburger Internetzeitung fontanka.ru, bei Palmyra seien ihre Kameraden zu Dutzenden gefallen. "Wir gehen als erste Angriffswelle vor, drängen den Feind zurück. Wie im Zweiten Weltkrieg, es fehlen nur Bajonette auf den Kalaschnikows." Erst dann folgten syrische Infanteristen und russische Fernsehteams, die die siegreichen Syrer interviewten.

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07.04.2016, 06:00 Uhr

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