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Leuchten landen im falschen Müll

Wie man Energiesparlampen wieder los wird

Ihre besondere Eigenschaft ist das sparsame Leuchten. Laut Deutscher Umwelthilfe verbrauchen Energiesparlampen bis zu 80 Prozent weniger als Glühbirnen. Einziger Nachteil: Wenn sie kaputtgehen, wird man sie nur schwer wieder los.

10.09.2010
  • Lutz Bergmann

Tübingen. Die Europäische Union verbietet ineffiziente Glühlampen stufenweise bis 2012. Statt derer sollen sich die Verbraucher mit Energiesparlampen eindecken, die im Vergleich zu Glühbirnen nur einen Bruchteil an Strom verschlingen. Diese enthalten jedoch Giftstoffe und müssen zu so genannten Problemstoff-Sammelstellen gebracht werden. Die Deutsche Umwelthilfe behauptet, nur 10 bis 20 Prozent der ausgedienten Lampen würden umweltgerecht entsorgt werden. Schuld daran sei die Politik, die Händler freiwillig entscheiden lasse, ob sie Entsorgungsmöglichkeiten einrichten.

Sammelstellen sind schwer zu finden

Wie man Energiesparlampen wieder los wird
Im Dußlinger Entsorgungszentrum werden pro Woche circa 100 Energiesparlampen abgegeben. Von dort kommen sie in eine Recyclinganlage. Bild: Metz

Das SCHWÄBISCHE TAGBLATT testete, welche örtlichen Händler die Lichtquellen zurücknehmen. Dabei stellte sich heraus: Keiner der drei befragten Supermärkte bietet eine Sammelstelle für die Lampen an. Beim Baumarkt Globus in Rottenburg erklärte eine Mitarbeiterin, dass sie keine Energiesparlampen mehr entgegennähmen und verwies auf ein Schild, das Energiesparlampen als Sondermüll ausweist. Ein Sprecher des Baumarkts behauptete jedoch später, sie hätten eine Sammelstelle für solche Lampen.

Im Vergleich zum bundesweiten Test, bei dem nur jeder fünfte Händler defekte Leuchten sammelte, schnitten die Geschäfte im Tübinger Umkreis wesentlich besser ab: Vier der acht getesteten Händler entsorgen die giftigen Leuchtkolben: Saturn, Toom, Expert und Elektro Kürner (alle aus Tübingen). Keines der Geschäfte wies allerdings deutlich darauf hin, wo der Kunde die Birnen abgeben kann. Einige legten Broschüren vom Hersteller Osram aus, in denen auf der letzen Seite erwähnt wird, dass es sich bei Energiesparlampen um Sondermüll handele.

Geschäfte, die keine verbrauchten Birnen entsorgen, verstoßen nicht gegen Vorschriften. So heißt es im Elektronikgerätegesetz: „Die Vertreiber können freiwillig Altgeräte zurücknehmen.“ Für die Sammelstellen muss der Landkreis sorgen. Der hat in Tübingen insgesamt drei Plätze eingerichtet, die mittwochs von 14 bis 16 und Samstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet haben. Im Januar und in den Schulferien sind diese jedoch geschlossen. „Der Bürger wünscht sich natürlich längere Öffnungszeiten“, räumt Abfallberater Marcus Gaensslen vom Landkreis Tübingen ein. Das sei aber aus finanziellen Gründen nicht möglich. Wer seine defekten Lampen auch zu anderen Zeiten abgeben möchte, muss zum Entsorgungszentrum nach Dußlingen fahren. Dort geben Verbraucher wöchentlich 100 defekte Birnen ab, schätzt Vorarbeiter Jörg Thomma. Die Leuchtkolben sammeln die Mitarbeiter in Containern, die wasserdicht verschließbar sein müssen.

Ein Pfandsystem soll beim Entsorgen helfen

Doch warum eigentlich die ganze Trenneritis? Energiesparbirnen gehören zu den Gasentladungslampen. Sie enthalten in geringen Mengen Quecksilber. Wenn sie fälschlicherweise in der Mülltonne landen, enden sie in der Müllverbrennungsanlage Stuttgart-Münster. Dort verbrennen sie gemeinsam mit dem restlichen Abfall. „Die dabei entstehenden Giftstoffe werden herausgefiltert“, erklärt Thomma. Dies geschieht bei der so genannten Rauchgaswäsche. Dabei lagern sich die Giftstoffe an Aktivkohle ab. Die Müllverbrennungsanlage verarbeitet diese in einem weiteren Arbeitsschritt zu Versatzbaustoff. Dieser giftige Sondermüll dient dazu, stillgelegte Salzstollen auszustopfen.

Damit künftig weniger Energiesparlampen in den Müllverbrennungsanlagen landen, schlägt die Deutsche Umwelthilfe einen Pfandsystem für solche Sonderabfälle vor. Gaenssle hält davon nichts: „Dann werden die Lampen ja noch teurer und keiner kauft sie mehr.“

Info: Eine Übersicht der Problemstoff-Sammelstellen gibt es im Internet unter: www.abfall-kreis-tuebingen.de.

Die Glühlampe stirbt langsam aus

In insgesamt vier Stufen bis 2012 müssen die Händler ineffiziente Glühlampen aus ihren Verkaufsregalen verbannen. Die Verordnung soll zur Einhaltung der europäischen Energieeffizienz- und Klimaschutzziele beitragen. Die unter den EU-Staaten und mit dem Europaparlament abgestimmte Regelung verbessert die Marktanteil von energieeffizienten Beleuchtungstechniken und soll im Jahr 2020 rund 39 Terawattstunden Energie einsparen. Das entspricht der Erzeugung von sieben modernen Kohle- oder vier großen Atomkraftwerken. Seit 1. September ist die zweite Stufe des Glühlampenausstiegs in Kraft getreten. Seitdem dürfen die Einzelhändler 75 Watt-Birnen nicht mehr verkaufen. Zudem müssen die Hersteller den Quecksilbergehalt einer jeden Lampe auf der Verpackung „sichtbar angeben“.

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10.09.2010, 12:00 Uhr

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