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Wie mit dem Wolf umgehen?
Foto: ©Holly Kuchera/Shutterstock.com
Symposium

Wie mit dem Wolf umgehen?

Die meisten Experten halten eine friedliche Koexistenz mit dem Tier für möglich.

20.03.2018
  • JENS SCHMITZ

Stuttgart. „Weidewirtschaft und Wolf in Baden-Württemberg – ein lösbarer Konflikt?“, hieß die Veranstaltung von Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) am Montag im Konferenzsaal des Innenministeriums. Angesichts der Vorgeschichte hätte sie auch anders heißen können: „Hauk und Untersteller in Baden-Württemberg – ein lösbarer Konflikt?“

Wenn es nach Zuständigkeiten geht, hätte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) mindestens Mitveranstalter sein müssen; so stellte er nur einen Referenten am Schluss. Die Tagung war der vorläufige Höhepunkt zweier Alphatiere, die sich beim Thema Wölfe ziemlich verbissen haben.

Beim grünen Koalitionspartner stößt Hauks Neigung zu Alleingängen schon länger auf Irritationen. Seit dem Nachweis von inzwischen sechs Wölfen fordert der oberste Jäger im Land bei jeder Gelegenheit, das Raubtier ins Jagdrecht aufzunehmen. Im Umweltministerium verdreht man darüber die Augen: Als streng geschützte Art kommen Abschüsse ohnehin nur mit Ausnahmegenehmigung in Frage.

Das ficht Hauk nicht an. Am Montag ließ er sich als Ideengeber des Symposions ankündigen. „Keine Anti-Veranstaltung gegen den Wolf“ sei das, erklärte er, sondern eine für mehr Artenvielfalt: Ohne Weidehaltung keine offene Landschaft, ohne offene Landschaft weniger Arten; von Jobs und Touristen zu schweigen. Dazu müsse der Wolf ins Jagdrecht. Wenn der Bestand groß genug sei, um als gesichert zu gelten, könne man den Schutzstatus senken; dann seien auch keine Ausnahmegenehmigung mehr notwendig, so Hauk: „Das muss das Ziel sein.“ Später präsentierte ein Referent Möglichkeiten, den Bestand schon heute als gesichert zu sehen.

Doch nicht alle Vortragenden stützten Hauks Ansichten. Sachsens Minister für Umwelt- und Landwirtschaft, Thomas Schmidt, erklärte, Sinn der dortigen Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz sei nicht die erleichterte Tötung gewesen; sie sei auch nicht leichter geworden. Der Rottenburger Biologe Rainer Luick warnte davor, auf diejenigen hereinzufallen, die mit Angst Interessenpolitik machten. Als Beispiele nannte er Warnungen vor dem Ende der Weidelandschaft, vor Jobverlusten und Tourismuseinbrüchen.

Nachdem eine Schäferin aus den Alpen von der problemlosen Koexistenz mit Herdenschutzhunden berichtet hatte, erklärt Hauks Moderatorin, es gebe natürlich in Baden-Württemberg viel mehr Touristen als auf der betreffenden Alm. Doch die nächste Referentin entkräftete auch diese Bedenken. Ob Besuche von Kindergartengruppen auf der Weide oder Volksfeste daneben: „Es ist absolut unproblematisch“, sagte Nicole Benning, die in Niedersachsen sowohl eine Schäferei wie einen Verein für Herdenschutzhunde betreibt.

Wer Hauk also loben wollte, musste ihm für die Auswahl der Referenten Respekt zollen. Das Dargebotene war substanziell. Nur Kollege Untersteller fehlte.

Jens Schmitz

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20.03.2018, 06:00 Uhr

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