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Flüchten oder Shoppen

Wie sich der kalte August auf Geschäfte und Gaststätten auswirkt

Pünktlich zum Start in die Sommerferien begann die Regenzeit in Tübingen. Mit Niederschlagsrekorden und Tiefstwerten von bis zu zehn Grad hatten die Tübinger in der ersten Augusthälfte zu kämpfen. Wie wirkt sich das auf Geschäfte, Restaurants und Freizeitbetriebe aus?

23.08.2014
  • Ellen Skuza

Tübingen. „Ich flüchte, aber ich komme wieder“, sagt Adriana Bevilacqua lachend. Die Italienerin ist mit ihrer deutschen Heimat eigentlich ganz zufrieden, nur die Sonne zeigt sich zu selten. So war sie nicht die Einzige, die in den vergangenen Tagen auf der Suche nach einem Last-Minute-Angebot die Tübinger Reisebüros aufgesucht hat. „Ich muss einfach wieder das Meer und die Sonne sehen!“ Beim City-Reisebüro merkt man diese Sehnsucht der vom Regen geplagten Tübinger in diesem Sommer ganz besonders. „Dieses Jahr ist es schon extrem. Demnächst gehen uns sogar die Kapazitäten bei den Flügen und Angeboten aus. Jeder möchte noch ein bisschen Sonne tanken“, heißt es dort.

Die fehlenden hochsommerlichen Temperaturen spüren auch das Tübinger Freibad und die umliegenden Bäder im Kreis. So sind insbesondere in den Sommerferien die Besucherströme ausgeblieben, als sich der Boden wegen der kühlen Temperaturen nicht aufwärmen konnte. Das Tübinger Freibad liegt zur Zeit im Vergleich zum Vorjahr rund 56 000 Besucher hinter den Zahlen von 2013. Lediglich auf die „Stammschwimmer“ ist Verlass. Die Studentin Therese geht beispielsweise immer, aber am liebsten bei schlechtem Wetter schwimmen, „weil dann das Becken so schön leer ist“.

Dieter Kruis, Inhaber der Tangente Jour und der Marktschenke, freut sich hingegen über die gemäßigten Temperaturen: „Bei 30 Grad sitzt niemand auf dem Marktplatz, sondern alle sind im Freibad.“ Im Ranitzky hat man ähnliche Erfahrungen gemacht. Auch dort ist man mit dem Sommer zufrieden: „Wir merken nichts von einem schlechten August.“ In den schönen Monaten Mai und Juni saßen die Cafébesucher draußen, und nun trotzen sie eben drinnen mit heißen Getränken den kühlen Temperaturen. Auch in den Eisdielen herrscht Hochbetrieb, sobald sich die ersten Sonnenstrahlen des Tages zeigen. Im La Dolce Vita war die Saison daher bislang auch „vollkommen in Ordnung“.

Ruhiger Biergarten, gefragte Wolle

„Nicht gerade Biergartenwetter“ herrschte hingegen in den letzten Wochen für den Schwärzlocher Hof. Auch Petra Ott-Fischer, Geschäftsführerin vom Neckarmüller, sagt: „Abends bleibt’s im Biergarten ruhig.“ Laut Ott-Fischer machen insbesondere die Temperaturschwankungen im Lauf des Tages den deutlichen Unterschied zu den vorigen Sommern aus. „Immerhin, zur Fußballweltmeisterschaft vor den Ferien ist es einigermaßen trocken gewesen.“

Bei Wolle Rödel haben die Kunden dieses Jahr bereits im Juli die Handarbeitssaison eingeläutet und mit dem Pulloverstricken begonnen. Deutlich früher wurde nach dicker Wolle und Strickmustern für den Winter gefragt, aber: „Wir haben leider noch nichts da.“ Ähnlich ergeht es momentan auch Intersport Räpple. „Wir könnten noch mehr lange Sachen haben“, stellt Demian Werminghausen fest. Dennoch komme ihnen das Wetter entgegen, denn bei kühleren Temperaturen, so die Erfahrung, zieht es die Tübinger eher in Shoppinglaune in die Stadt, anstatt beispielsweise an den Bodensee zu fahren. Da dürfen es dann gerne schon einmal Pullover oder erste Stiefeletten für die Übergangszeit sein.

Auch in den Tübinger Schuhgeschäften kann man die Wetterlage an der Nachfrage ablesen. Ob nun zu einer Sandale oder zu einem Stiefel gegriffen wird, ist sehr wetterabhängig. Ira Fleischer von Schuh Schneider sagt dazu: „Das Wetter beeinflusst, wonach wir beim Einkaufen suchen.“ Dennoch beginnt die Saison für Winterschuhe generell bereits ab der zweiten Augustwoche, und wer die große Auswahl schätzt, zieht in dieser Zeit bei jedem Wetter los.

Bei Zinser stellt man diese Entwicklung schon länger fest. Die Herbstware startet seit einigen Jahren immer früher in den Geschäften und der Andrang beginnt meist im Laufe des Augusts. Das Timing für die neuen Herbstkollektionen war dieses Jahr daher perfekt. Laut Stefan Rinderknecht, Geschäftsführer von Mode Zinser in Tübingen, sind außerdem in diesem Jahr trotz etlicher Regentage auffallend viele Touristen im Modehaus und in der Stadt unterwegs.

Dies deckt sich mit den Eindrücken vom Tübinger Verkehrsverein. Dort heißt es: „Die Leute sind da!“ Den ausgebuchten Stadtführungen und Stocherkahnfahrten nach zu urteilen, lassen sich die vielen Tagestouristen und Einheimischen vom Wetter nicht abschrecken. Gerade für die Freizeitaktivitäten im Freien ist es „ganz gut, wenn’s keine 28 Grad hat“, so Barbara Honner vom Verkehrsverein. „Außerdem war das Neckar-Hochwasser nicht so schlimm wie im letzten Jahr.“

Das Jahr als Ganzes betrachten

Der „Neckar-Caruso“ hat als Stocherkahnfahrer schon viele Sommer auf dem Neckar erlebt. „Im Prinzip war’s wie jedes Jahr“, findet auch er und weist auf die schönen Frühlingstage hin, die den August in der Rückschau auf die Saison wettmachen. „Die Leute beurteilen immer nur die letzten drei Wochen, aber man muss das Jahr im Gesamten betrachten.“ Die Stocherkahnfahrer stellen sich bereits zu Beginn der Saison darauf ein, dass es jedes Jahr insgesamt mindestens einen Monat regnet. Der „Neckar-Caruso“ zieht daher auch eine vorläufige positive Bilanz: „Man muss damit leben, dass es manchmal weniger Arbeit gibt als an anderen Tagen.“

Für die letzte Augustwoche brauchen die Tübinger und ihre touristischen Gäste noch einmal viel Geduld. Neben angekündigten Regenschauern soll die Sonne nur teilweise für sommerliche Temperaturen von bis zu 20 Grad sorgen. Der Hochsommer kommt dieses Jahr nicht mehr.

Wie sich der kalte August auf Geschäfte und Gaststätten auswirkt
Der Besuch in Tübingen ist längst gebucht. Da schreckt auch ein „schlechter Sommer“ die Touristen nicht ab..Archivbild: Sommer

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23.08.2014, 12:00 Uhr

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