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Der unscharfe (Schlossberg-)Tunnelblick

Wie viel Baustelle verträgt Tübingen?

Kein allzu großes Problem oder die totale Katastrophe? Tübingen fiebert der Sanierung des Schlossbergtunnels entgegen. Die wichtige Verkehrsachse über den Neckar beschäftigte gestern auch den Planungsausschuss des Tübinger Rats. Der muss jetzt klären, wie viele Baustellen die Stadt gleichzeitig verträgt und wie man den Verkehrsfluss in der Bauzeit verbessern kann.

30.01.2013
  • Matthias Stelzer

Tübingen. Auch wenn es der eine oder andere Stadtrat, wie beispielsweise CDU-Mann Albrecht Kühn, gerne anders sehen würde, im April beginnt das Regierungspräsidium Tübingen (RP) mit der Sanierung des Schlossbergtunnels. 6,5 Millionen Euro steckt der Bund in die beiden 35 Jahre alten Röhren. Noch während der Sanierung geht die Unterhaltspflicht für die innerörtlichen Abschnitte der beiden Bundesstraßen 27 und 28 an die Stadt über.

„Die Sanierung hat nichts mit dem Übergang zu tun“, beteuerte Martin Ciolek vom RP am Montagabend in der Planungsausschuss-Sitzung. Die Schlossberg-Röhren sind die letzten im Regierungsbezirk, die noch auf ihre Sanierung im Sinne der neuen Sicherheitsbestimmungen aus dem Jahr 2006 warten. Eine Verschiebung komme nicht in Frage. Ciolek: „Wir müssen bauen.“

Unter dieser Maßgabe hatten sich die Ausschussmitglieder über die Auswirkungen der Baustelle zu unterhalten und die Frage, wie man die zu erwartenden Verkehrsbehinderungen minimieren kann. Während RP-Mann Ciolek mit der Ansage, durch die einseitige Sperrung würden erfahrungsgemäß 20 Prozent des Verkehrs verdrängt, den Ball flach hielt, rief Albrecht Kühn den Verkehrsnotstand und die Unerreichbarkeit Tübingens aus: „Sie wissen ja, CDUler sind Autofahrer und haben Verkehrserfahrung.“

Oberbürgermeister Boris Palmer kam gesundheitlich angeschlagen in den Ausschuss, um zu zeigen, wie wichtig ihm das Thema ist. Er hörte Kühns Botschaft wohl, empfahl aber einmal mehr: „Wir müssen da eine Diskussion beenden, die dem Innenstadthandel schadet.“ Die Verkehrssituation dürfe nicht länger schlecht geredet werden: „Wir handeln pragmatisch.“

Schriftlich untermauert wurde diese Ankündigung mit einer Vorlage, in der die Verwaltung alle aus ihrer Sicht bestehenden Möglichkeiten zur Verflüssigung des Verkehrs während der (mit Unterbrechungen) zweijährigen Bauzeit auflistete. Die Optionen, mit denen sich die Fraktionen bis zur nächsten Sitzung am 18. Februar beschäftigen sollen, wurden von Baubürgermeister Cord Soehlke in zwei Pakete – nach dem Motto Tun und Lassen – unterteilt:

Das könnte dem Verkehrsfluss gut tun:

  • An der B 28 könnte in die Rosentalstraße ein temporärer Linksabbieger zum Hagellocher Weg (Richtung Kliniken) eingerichtet werden.
  • >>In der Westbahnhofstraße könnten – wie in der Zeit des Mühlstraßen-Umbaus – wieder zwei Spuren stadteinwärts eingerichtet werden.
  • >>An der Kreuzung der Belthlestraße mit der Kelternstraße könnte die Allseits-Grün-Schaltung für Fußgänger ausgesetzt werden.
  • >>Im Straßenzug Friedrichstraße-Mühlstraße-Wilhelmstraße könnte der Verkehr beschleunigt werden, indem man den Fußgängern 25 Prozent mehr Wartezeit zumutet.
  • >>Die Stuttgarter Straße in Lustnau könnte an der Kreuzung mit der Nürtinger Straße auf zwei Fahrspuren aufgeweitet werden.
  • >>Ein zusätzlicher Busverkehr könnte eingerichtet werden.
  • >>Neubau des Kreisverkehrs beim Weststadt-Aldi (2014 geplant).
  • >>Einrichtung eines verkehrsberuhigten Bereichs in der Herrenberger Straße (2013)
  • >>Markierung eines Radstreifens in der Westbahnhofstraße (2013)
  • >>Rückbau der Nürtinger Straße auf Tempo 30 (2013)
  • >>Neubauprojekt Lustnauer Mühle an der Nürtinger Straße (2014)
  • >>Verlegung von Fernwärmeleitungen in der B28 beim Depot (2013/14)
  • >>Bauvorhaben Kultursaal am Museum (2014/2015)
  • >>Hotel-Neubau auf dem Foyer-Gelände an der Blauen Brücke (2014)
  • >>Umgestaltung der Poststraße am Zinser-Dreieck (2013)
  • >>Umgestaltung der Friedrichstraße am Zinser-Dreieck (2014)

Außer den Gemeinderats-Fraktion will die Stadtverwaltung bis zur Entscheidung auch noch die tangierten Ortsbeiräte einbinden.

Wie viel Baustelle verträgt Tübingen?
Wo es hier im Schlossbergtunnel schon auf zwei Spuren eng zugeht, werden sich die Autos von April an auf einer Spur drängen müssen.

Wie viel Baustelle verträgt Tübingen?

Von April an müssen sich Autofahrer in Tübingen vor allem im Berufsverkehr auf lange Staus einstellen. Von da an wird der Schlossbergtunnel saniert und der komplette Verkehr gegenläufig durch nur eine Röhre geführt. Zunächst wird die Röhre Richtung Herrenberg gesperrt. Im nächsten Jahr (2014) kommt dann die zweite Röhre dran, über die bisher der Verkehr Richtung Reutlingen läuft (wir berichteten). Eine Umleitung wird das Regierungspräsidium (RP) nicht ausweisen. „Es gibt keine effizienten Umleitungsstrecken“, sagte Martin Ciolek vom RP in der Sitzung des Planungsausschusses. Das Amt kalkuliert, dass von den 39 000 Autos, die täglich den Tunnel passieren, ohnehin etliche verdrängt werden. „30 000 plus XAutos blieben dann übrig. Eine Zahl, die fast von einer Tunnelröhre zu bewältigen sei.

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30.01.2013, 12:00 Uhr

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