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Präsidententreffen in der Türkei

Wieder beste Freunde

Putin und Erdogan betonen in Istanbul ihre Gemeinsamkeiten – dabei sind das gar nicht viele.

11.10.2016
  • GERD HÖHLER

Ankara. So schnell ändern sich die Zeiten: Vor einem halben Jahr herrschte wegen des Abschusses eines russischen Bombers durch die türkische Luftwaffe Eiszeit zwischen Ankara und Moskau. Doch nach der Entschuldigung des türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan sind er und Wladimir Putin offenbar wieder beste Freunde – dafür spricht jedenfalls ihre herzliche Begrüßung gestern in Istanbul.

Beide Präsidenten nutzten die Bühne des Weltenergiekongresses, um der internationalen Öffentlichkeit ihre Aussöhnung zu demonstrieren. Nach einem Besuch Erdogans in Sankt Petersburg Anfang August und einem Treffen beim G20-Gipfel im chinesischen Hangzhou war die gestrige Begegnung bereits das dritte Tête-à-Tête. Dabei ist der Vorrat an Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern begrenzt. Im Syrienkonflikt verfolgen Moskau und Ankara gar diametral entgegengesetzte Ziele: Russland stützt Assad, die Türkei will das Regime stürzen. Aber man bemüht sich, die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu rücken: Wie Ankara, wollen auch Moskau und Damaskus die Bildung einer kurdischen Autonomiezone in Nordsyrien verhindern.

Die Türkei will Assad stürzen

Erdogan zelebriert den Schulterschluss mit Putin umso genüsslicher, als er mit fast allen westlichen Partnern derzeit im Streit liegt. Das Verhältnis zu den USA ist durch die Kontroverse um die Auslieferung seines Erzfeindes Fethullah Gülen schwer belastet. Auch die türkische Strategie im Syrienkrieg sorgt für Spannungen mit Washington. Die Beziehungen zur EU leiden unter den „Säuberungen“, mit denen Erdogan nach dem versuchten Umsturz Kritiker und politische Gegner auszuschalten versucht.

Eine politische Wesensverwandtschaft Erdogans und Putins ist nicht zu übersehen. Es gibt aber auch handfeste gemeinsame Interessen, vor allem im Energiesektor. In Akkuyu baut der russische Staatskonzern Rosatom das erste türkische Atomkraftwerk – ein wichtiger Exporterfolg der Russen. Putin und Erdogan bekräftigten auch die Pläne zum Bau der Pipeline Turkish Stream, die russisches Erdgas durch das Schwarze Meer nach Kiyiköy bringen soll. Die Hälfte des Gases soll weiter nach Westeuropa fließen.

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11.10.2016, 06:00 Uhr

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