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Klinikpersonal

Wieder mehr Zeit für Patienten haben

Für mehr Personal in Krankenhäusern setzt sich ein am Donnerstag gegründetes Bündnis ein.

08.04.2017
  • jgf

In Krankenhäusern gibt es zu wenig Personal, besonders in der Pflege. Da waren sich am Donnerstag alle einig im Gemeindehaus Lamm. Unterstützt und initiiert vom Verdi-Ortsverein Neckar-Alb, gründete sich das Bündnis „Mehr Personal für unsere Krankenhäuser“ für die Region Tübingen. Das Ziel des Bündnisses ist es, die Bevölkerung auf die prekären Bedingungen für Krankenhauspersonal aufmerksam zu machen. Angedacht sind dazu Treffen und Aktionen, etwa zum 1. Mai. Außerdem wollen die Mitglieder über einen E-Mail-Verteiler Informationen austauschen. Auch für den „baden-württembergischen Appell für mehr Krankenhauspersonal“, der im Juni an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe überreicht wird, möchte das Bündnis Unterschriften sammeln.

Die Gruppe wendet sich auch gegen Vorwürfe in der Bevölkerung, dass das Pflegepersonal auf Kosten der Patienten streike. Konkrete Vorschläge, etwa zur Finanzierung von zusätzlichem Personal im Krankenhaus, möchte das Bündnis nicht machen. „Es geht uns ums Thema Kommunikation“, sagt Angela Hauser, die dem Personalrat des Uniklinikums (UKT) vorsitzt. Vorbild ist ein Bündnis in Berlin, dass mit der Bevölkerung im Rücken einen Tarifvertrag zu Mindestbesetzungen erstritten hat.

Die momentane Situation in der Uniklinik beschrieb Hauser. Ein Personalcheck habe ergeben, dass im UKT insgesamt 145 Pflegekräfte fehlten, die für eine gute Versorgung der Patienten nötig wären. „Das ist ungefähr jede fünfte“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Yvonne Baumann. Jährlich stellen Klinikumsangestellte 300 bis 500 Überlastanzeigen, die meisten kommen von Pflegekräften. Sie schreiben, dass Patienten aus Zeitmangel teilweise zu spät Essen oder Medikamente bekamen, dass im Nachtdienst eine Person für 47 Patienten verantwortlich war oder dass kaum Zeit für Pausen bleibe.

Bei der Gründungsveranstaltung des Bündnisses waren Klinikumsangestellte dabei, die von ihren Erfahrungen berichteten, und auch einige Klinikseelsorger. „Viele Patienten wissen nicht mehr, wer ihr Ansprechpartner ist“, sagte Seelsorger Martin Günter – eine Folge davon, dass ein Patient nicht mehr von einer Pflegekraft betreut wird, sondern jeweils verschiedene Angestellte verschiedene Aufgaben übernehmen. „Es fehlt die ganzheitliche Pflege, ich sehe zum Beispiel nicht mehr, ob der Patient über Wochen nicht richtig isst“, sagte die Krankenschwester Gabriele Kaiser, Personalrätin am UKT.

Auch im Hinblick auf mehrere Landtagswahlen und die Bundestagswahl im September möchte das Bündnis Druck auf die Politik ausüben. Derzeit sei es die Vorgabe der Politik, „Entscheidungen auf ökonomischer Basis statt auf medizinischer zu treffen“, sagt Johann Graf, der die Beschäftigten im UKT-Aufsichtsrat vertritt. In Zukunft müssten die Prioritäten anders gesetzt werden.

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08.04.2017, 01:00 Uhr

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