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Schoko-Vielfalt als Erlebnis

Wieder mehr als 250.000 Besucher beim Schoko-Festival

Die 11. Tübinger Chocolart lockte erneut mehr als 250000Leckermäuler aus nah und fern in die Altstadt.

04.12.2016
  • Dorothee Hermann

Das trübe Wetter zum gestrigen Chocolart-Finale konnte Schokofreunde nicht schrecken. Schließlich schmeckt die kakaohaltige Köstlichkeit nicht nur, sondern spendet auch Energie, wie jeder Wanderer weiß. Schon bevor die Schoko-Pavillons um elf Uhr öffneten, schlenderten die ersten Genießer durch die Altstadtgassen.

Gegen 14.50 Uhr war auf dem Holzmarkt Volksfestdichte erreicht. „Geschafft!“, murmelte erleichtert ein Paar beim Einbiegen in die budenfreie Pfleghofstraße. Andere verweilten gerne im Gedränge, um im Schatten der Stiftskirche dem Gaumen mit Wilden Kartoffeln und Schupfnudeln etwas Abwechslung zu bieten.

In der Hafengasse ging es am frühen Sonntagnachmittag noch etwas entspannter zu. Man konnte noch auf die Schoko-Auslagen spähen und erst einmal mit dem Auge genießen: Grünen Pistaziennougat oder kunstvoll aufgeschichtete Pralinen in der „Italienischen Gasse“, auf die ein Wegweiser auf dem Holzmarkt aufmerksam gemacht hatte. Da lockten die Sorten „Dunkle Schokolade und Schwarzkirsche“, „Ricotta und Honig“ oder „Schwarzes Salz und Karamell“, eine exquisit dunkle Kreation. Mit 4,50 Euro für hundert Gramm waren die Pralinen auch erschwinglich.

„Wir sind Tübinger. Wir sind fast jeden Tag hier“, schwärmte gestern Nachmittag der 64-jährige Martin Schütz, der mit seiner Frau nicht zum ersten Mal durch das üppig bestückte Schoko-Paradies schlenderte. „Wir kommen zum Essen und zum Schlecken.“ Am Freitag und am Samstag sei es extremvoll gewesen, „aber wenn man vorher kommt, am Mittwoch oder am Donnerstag, ist es gut“.

Schütz liebt italienische Cantuccini (ein traditionelles Mandelgebäck) und vor allem Cannoli. „Das sind Waffelröllchen mit Schoko- oder Pistazienfüllung“, erläuterte er.

Der Markt-Ableger vom Restaurant „Casino“ am Neckar kredenzte Glühwein aus der Remstalkellerei und Heißen Holunder. Als habhafte Grundlage wurde Rote vom Grill serviert. Mit am Stand arbeitete Max-Bastian Horn, der Sohn von „Casino“-Wirt Hans-Peter Horn. „Ich bin zum Schaffen angereist“, sagte der 27-Jährige. Er ist sonst nicht in der Gastronomie tätig, sondern Pilot bei der Schweizer Ferienfluggesellschaft Edelweiss Air in Zürich. „Vorgestern war ich in Teneriffa. Morgen fliege ich nach Pristina.“

Der langjährige Tübinger SPD-Gemeinderat Ismayil Arslan, der sein Amt vor kurzem aus beruflichen Gründen aufgegeben hat, mag eigentlich keine Schokolade. Er kommt wegen der Atmosphäre und um Leute zu treffen. „Das Gedränge ist vielleicht ein bisschen nervig“, sagte er. „Aber es macht Spaß, hier durchzulaufen.“ Er liebt „die Atmosphäre um diese Jahreszeit, die Lichter“.

Bei den „Tiroler Spezialitäten“ vor der ehemaligen Stadtpost brummte das Geschäft. „Es ist der Wahnsinn, was heute los ist“, sagte Verkäuferin Sarah Bernhardt gestern Nachmittag. „Wir sind der Ausgleich zu der Schokolade. Da kommen die Leute mit einem Wahnsinnsappetit auf etwas Herzhaftes.“ So gegen Abend strömten die jungen Leute herbei und riefen: „Ich brauche eine Kaminwurzen, sofort!“ Kaminwurzen sind herzhafte Tiroler Dauerwürste. „Die sind so überzuckert von der ganzen Schokolade“, meint Bernhardt. Die „Tiroler Spezialitäten“ bieten unter anderem Bergkäse unterschiedlicher Reifegrade, Tiroler Speck und im Advent auch Früchtebrot an. Die Firma mit Sitz in Kirchentellinsfurt ist auch auf Wochenmärkten in der Region präsent, etwa in Reutlingen und freitags auf dem Tübinger Marktplatz.

„Das ist ganz arg süß“, warnte Hanne Haag ihre drei Mitreisenden aus Schwaikheim bei Winnenden vor dem Stand mit weißem Nougat aus der Provence und handgemachtem Mandelgebäck aus Sizilien. Die vier waren zum ersten Mal beim Tübinger Schoko-Festival. „Es ist ein Erlebnis“, fand Hanne Haag. Die beiden Paare waren mit dem Zug angereist, zu viert mit dem Metropol-Ticket. „Wir sind umweltbewusst“, sagte ihr Ehemann Fritz Haag. Und: „Es ist ja so bequem.“ Eine kluge Entscheidung: Denn Autofahrer blieben auf dem Weg in die Tübinger Innenstadt mehrfach stecken. Am frühen Samstagabend beispielsweise staute sich der Verkehr vor der Einfahrt ins Neckar-Parkhaus bis zur Disko „Top Ten“ in der Reutlinger Straße.

„Wir hoffen, dass künftig noch mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen. Aber steuern lässt sich das nur schwer“, sagte Chocolart-Veranstalter Hans-Peter Schwarz. „Viele sind auch mit Reisebussen angereist.“

Weihnachtsmärkte gebe es überall. „Die Chocolart ist etwas Besonderes“, finden die Haags. „Die verschiedenen Arten von Schokolade, die es da gibt. Da kann man als normaler Mensch nicht widerstehen“, sagte Fritz Haag mit einem Schmunzeln.

Doch die vielfältigen Schoko-Attraktionen fanden nicht bei allen Anklang, die sich in den letzten Tagen durch die Gassen drängten. Ein Anwohner aus der Kronenstraße, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, fühlt sich an Wochenenden wie diesen nicht mehr wohl in seiner Stadt. „Am Samstagabend war alles zugemüllt!“, berichtete er. „Morgens um sieben muss alles wieder sauber sein. Nachts haben wir dann die Stadtreinigung.“

Chocolart-Bilanz: Der Samstag war der stärkste Tag

Hoch zufrieden mit der diesjährigen Schoko-Messe Chocolart war Veranstalter Hans-Peter Schwarz von der Stadtmarketing-Firma „Tübingen erleben“:. „Es waren auf jeden Fall mehr als eine Viertelmillion Besucher“, sagte er am gestrigen Sonntagabend. Die Händler seien sehr zufrieden. Der stärkste Tag war der Samstag mit der langen Einkaufsnacht. „Die Besucher sind noch internationaler geworden.“ Man hörte viel Englisch. Etliche kamen aus asiatischen Ländern. „Eine spanische Reisegruppe, die noch vorbeischauen wollte, rief aus Straßburg an.“ Der Andrang war so groß, dass der Sozialpartner Evangelische Schulseelsorge bereits am Samstag ausverkauft war.

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04.12.2016, 22:17 Uhr

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