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Gala

Wieder nur Schwarz auf Rot?

Preis-Verleihungen sind Bühnen für Botschaften. In Zeiten von #MeToo und Times's Up wird Solidarität auch durch Kleider, Farben, Accessoires ausgesandt. Wie das wohl bei den Oscars wird?

03.03.2018

Von GUDRUN SOKOL

Geschlossen in Schwarz auf dem roten Teppich der Golden-Globe-Verleihung Anfang Januar: Schauspielerin Meryl Streep (ganz links) mit acht Mitstreiterinnen. Foto: Joe Scarnici/Getty Images/AFP

Los Angeles. Golden-Globe-Gala, die Verleihung der britischen Filmpreise Bafta und die Berlinale haben es vorgemacht: Der rote Teppich ist bei Filmpreis-Vergaben zurzeit mehr als eine Bühne für Selbst-Inszenierungen und spektakuläre Roben. Der Auftritt dort ist eine Botschaft. Das dürfte bei der Oscar-Verleihung Sonntagnacht kaum anders werden.

Natürlich wird über die Outfits der Stars vorab nichts bekannt; Spekulationen gehören schließlich zum Oscar-Ritual. Kein Wunder: So manches Kleid schrieb hier schon Geschichte. Und die ein oder andere Darstellerin erlangte mehr Ruhm durch ihr Styling als mit ihrer Rolle.

Blick in die eigenen Abgründe

Statt Farbe und Glitter zeigten die Stars bei der Globe-Verleihung Anfang Januar dieses Mal schlichtes Schwarz – als Protest gegen sexuellen Missbrauch und aus Solidarität mit den Unterdrückten. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte, so beschrieb es „Der Spiegel“, beschäftigte sich die US-Filmbranche vor dem Hintergrund der #MeToo-Debatte mit ihren eigenen Abgründen: Strukturen, die Belästigung, Missbrauch und Benachteiligung von Frauen Vorschub geleistet haben. Ausgelöst durch die Enthüllungen um den Filmproduzenten Harvey Weinstein nahm sich die Branche selbst ins Visier.

Unter dem Slogan „Time's Up“ wurde die Globe-Verleihung zur Kampfansage gegen Sexismus. Talkshow-Königin Oprah Winfrey war dabei, ebenso Heidi Klum. Hollywoodstars wie Diane Kruger, Reese Witherspoon, Meryl Streep, Natalie Portman und Angelina Jolie schritten geschlossen in Schwarz über den roten Teppich.

Auch bei den britischen Bafta-Awards Mitte Februar stachen neben kämpferischen Reden die schwarzen Roben der Stars hervor. Jennifer Lawrence, Salma Hayek und abermals Angelina Jolie reihten sich in die monochrome Riege ein. Herzogin Kate, die in Smaragdgrün zur Filmpreis-Vergabe erschienen war, musste sich für ihre Kleiderwahl scharf kritisieren lassen. Die Farbe sei ein Bruch mit dem „Time's-Up“-Dresscode, wetterten Geschlechtsgenossinnen.

Den Stars bei den Brit Awards war das dezente Schwarz als Protestnote dann offenbar langweilig geworden. Sie setzten bei der Musik-Preisverleihung vor einer Woche auf schrille Auftritte: Kleider wie Tüll-Bomben, jede Menge Farbe und viel nackte Haut posierten dort vor den Kameras. Sängerin Rita Ora stand gar in weißem Mieder auf der Bühne. Auch der Auftritt der Nachwuchs-Künstlerin Duo Lipa irritierte. In einem superknappen Badeanzug plädierte die 22-Jährige für „mehr Frauen auf den Bühnen und in der Welt“ und regte damit Diskussionen um das weibliche Selbstbild.

Ausgeschnitten bis zum Nabel

Auch Lena Meyer-Landrut musste sich Fragen zu ihrem Selbstverständnis als Frau gefallen lassen. In einem lilafarbenen Kleid, das fast bis zum Bauchnabel ausgeschnitten war, war die 26-Jährige auf der Berlinale erschienen und zog sämtliche Blicke auf sich, woraufhin sich eine Journalistin auf ntv.de in einem offenen Brief an die Sängerin empörte: Sie habe die Hauptfrauen des Premierenfilms quasi ausgestochen. Zudem verwies die Journalistin darauf, dass viele andere in Schwarz erschienen waren, um ihre Solidarität mit „#MeToo“ zu bekunden.

Die Gleichstellung der Geschlechter im Filmgeschäft war in Berlin nur am Rande Thema. Die Schauspielerin Anna Brüggemann zum Beispiel ging in Pulli, Hose und Turnschuhen statt in Abendkleid und High-Heels über den roten Teppich. „Wir Frauen tun nach wie vor Dinge, die unbequem für uns sind, unpraktische Dinge, von denen wir glauben, dass wir sie machen müssen“, erklärte die 36-Jährige ihren Auftritt. Dass Smoking und Fliege oder Krawatte auch nicht gerade zu den bequemsten Outfits gehören, war kein Thema.

Brüggemanns Initiative „Nobody's Doll“, wonach sich Frauen für die Berlinale so anziehen sollten, wie sie sich wohlfühlen, zeigte wenig Durchschlagskraft. Die Outfits der Damen waren wie immer nobel; die Farben meist gedeckt. Schauspielerin Iris Berben erschien in Schwarz, Oscar-Preisträgerin Helen Mirren trug Grau, Moderatorin Anke Engelke glänzte in Petrolblau. Auch Forderungen nach einem schwarzen statt einem roten Teppich waren schnell verhallt. Ein schwarzer Teppich wäre nicht mehr „als ein Signal, das morgen vergessen ist“, sagte Senta Berger.

Gefühlt haben sich inzwischen fast alle Film-Promis zur Debatte um Machtmissbrauch in der Branche geäußert. Ob „#MeToo“ und „Time's Up“ bei den wichtigsten Filmpreisen der Welt, die in der Nacht zum Montag zum 90. Mal in Los Angeles vergeben werden, abermals Thema sein werden? Wieder nur schwarze Roben? Fest steht jedenfalls: Der Teppich bei den Oscars wird bleiben, wie er schon immer war. Schließlich ist Rot Inbegriff von Ruhm, Glanz und Glamour. Das lässt sich Hollywood bestimmt nicht nehmen.

Info Pro?7 berichtet am Sonntag von 23.25 Uhr an live von der Oscar-Verleihung.

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Erstellt:
3. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
3. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. März 2018, 06:00 Uhr

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