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Wiederbelebte Vergangenheit
Andrej Holm. Foto: dpa
Diskussion um designierten Staatssekretär Andrej Holm

Wiederbelebte Vergangenheit

Andrej Holm war Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Punkt. Das hat der heute 46-Jährige nie bestritten. Offen sei er mit seiner Biografie umgegangen, betont er. Und in seiner Fraktion erzählt man sich, dass man geahnt habe, dass da nochmal was „hochkocht“.

13.12.2016
  • ANDRé BOCHOW

Schließlich ist Holm sowas wie ein Superstar unter den Kritikern der aktuellen deutschen Bau-und Mietpolitik. Gern nennt man ihn „Gentrifizierungskritiker“, als solcher wird er immer wieder in Diskussionsrunden und Fernsehsendungen eingeladen.

Jetzt aber meldet sich der Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, zu Wort und spricht von einem „Tabubruch, der für viele Opfer und Kritiker der SED-Diktatur schwer zu ertragen wäre“. Politiker von CDU, FDP und AfD äußern sich ähnlich.

Holms mögliche künftige Vorgesetzte, Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke), kündigt eine Regelanfrage bei der Stasiunterlagen-Behörde an, weil das bei Staatssekretären üblich sei. Im Übrigen solidarisieren sich die Berliner Linken auf ihrem Landesparteitag. Holm erklärt dort, dass er „extrem erleichtert war, als die DDR zusammengebrochen ist“ und dann zügig auch die Stasi aufgelöst wurde. Er habe sich damals aus einem „Dilemma“ befreit gefühlt, aus dem er allein „nicht den Mut“ hatte, herauszukommen. Auf Twitter teilt er mit: „Ich kann meine Biografie nicht nachträglich verändern – nur daraus lernen und einen offenen Umgang mit ihr anbieten.“

Mit 18 Jahren zur Stasi

Holm, geboren 1970 in Leipzig, wächst mit antifaschistischen Großeltern auf und einem Vater, der bei der Stasi arbeitet. Schon mit 14 Jahren unterschreibt er zusammen mit seinen Eltern eine „Bereitschaftserklärung“. Am 1. September 1989 wird Holm Offiziersschüler beim MfS-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ und beginnt eine militärische Grundausbildung. Am 9. November fällt die Mauer. Holm arbeitet noch bis Februar 1990 bei einer „Auswertungs-und Kontrollgruppe“. Mit dem Ende der Stasi ist dann auch Holms Karriere dort besiegelt.

Der Wissenschaftler der Humboldt-Uni ist noch aus einem anderen Grund umstritten. Er gilt als Sympathisant der Hausbesetzer-Szene und anderer linksradikaler Gruppen. 2007 wurde er nachts vor den Augen seiner Kinder und Lebensgefährtin verhaftet. Der Verdacht: Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Nach mehreren Wochen U-Haft wurde Holm freigelassen. Eine Anklage wurde nie erhoben. Die Ermittlungen wurden eingestellt. André Bochow

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13.12.2016, 06:00 Uhr

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