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Wilde Maus

Wilde Maus

Josef Hader spielt in seinem Regiedebüt einen Musikkritiker, der nach seiner Entlassung tragikomisch in eine Krise stürzt.

Wilde Maus

Österreich 2017

Regie: Josef Hader
Mit: Josef Hader, Pia Hierzegger, Jörg Hartmann, Georg Friedrich

103 Min. - ab 12 Jahren

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15.01.2017
  • dhe

Vielleicht ging es Josef Hader einfach zu feierlich und zu traurig zu, als er zuletzt den von den Nazis ins Exil getriebenen Schriftsteller Stefan Zweig spielte. „Vor der Morgenröte“ wurde vielfach gepriesen, obwohl etliche Szenen stark nach gehobenem Event-Marketing aussahen.

Nun legt der österreichische Kabarettist nach. Im eigenen Regiedebüt gibt er den vom schnöseligen deutschen Chefredakteur gefeuerten Wiener Musikkritiker Georg Endl. Diesen Endl lässt Hader all das ausleben, was der 40 Jahre zuvor als Halbstarker (der er wohl kaum gewesen sein dürfte) ausgelassen hat. Die wenig plausible psychologische Grundlage macht den ganzen Film flach. Oder glaubt Hader, dass Männer um die 50 eben so drauf sind?

In zwei komplett unerotischen, aber mit dafür viel eindeutiger Gymnastik exekutierten Sexszenen beweist Endl, dass Männe im Bett selbstverständlich noch etwas bringt. Denn Ehefrau Johanna (Hader-Lebensgefährtin Pia Hierzegger), eine Therapeutin mit schicker Praxis, aber Hang zum Rotwein, möchte mit 43 plötzlich doch noch ein Kind.

Anders als bei Kündigungen im realen Leben spielt Geld beim Ex-Kritiker keine Rolle. Das gediegene Auto, die große Altbauwohnung – alles läuft weiter. Er leiht sogar einer neuen Zufallsbekanntschaft (Georg Friedrich als Schausteller Erich) 3000 Euro, um damit die bekannte Wiener Achterbahn „Wilde Maus“ wieder flottzumachen.

Fortan betrachtet sich Endl als Teilhaber und adoptiert die bunte Prater-Kulisse als neues Zuhause. So kann er sich aus seiner in die Jahre gekommenen Beziehung absentieren, ohne dass gleich auffliegt, dass ihm gekündigt wurde.

Mit viel Ressentiment walzt die österreich-deutsche Koproduktion aus, was so ein (Ex-)Kritiker für ein Würstchen ist: Denn Endl taumelt von einem Loser-Klischee zum nächsten. Er verliert sich in kindischen Racheakten (Sportwagen des Ex-Chefs zerkratzen, sich eine Knarre besorgen), bevor er sich hinter seinem albernen Nickelbrillen-Imitat in die finale Wut hineinsteigert.

Gilt im Kino wie im Kabarett: Klischees aufwärmen reicht nicht, damit es lustig (oder gallig) wird.

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15.01.2017, 16:23 Uhr

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