Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Ein fragwürdiger Pate

Wilhelm-Hofmann Schule in Dornstetten wird Namen ändern

Die in Dornstetten ansässige Kreissonderschule wird künftig nicht mehr „Wilhelm-Hofmann-Schule“ heißen. Überraschend gab Landrat Dr. Klaus Michael Rückert dies in der gestrigen Kreistagssitzung bekannt. Grund sind fragwürdige Äußerungen des Namensgebers zur Nazi-Zeit. Mit dem Grundgedanken der Schule sind diese unvereinbar.

22.02.2011
  • MONIKA SCHWARZ

Dornstetten. „Für uns war es unter den gegebenen Umständen undenkbar, dass die Schule den Namen weiter führt“, erklärte Rückert gestern dem Kreistag.

Wilhelm Hofmann hat sich während der Naziherrschaft offensichtlich recht abwertend über die Bildungschancen Behinderter geäußert. „Schwachsinnige, Blinde, Taube und Epileptiker sind nicht bildungsfähig“, zitierte Rückert eine seiner Aussagen, die da in den vergangenen Monaten ans Licht gekommen und mittlerweile auch durch ein Gutachten bestätigt worden sind.

Auslöser waren Recherchen aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Heilbronner Pestalozzi-Schule im vergangenen Jahr. Dabei stieß man dort auf Verdachtsmomente gegen Hofmann, die zwischenzeitlich durch ein vom Heilbronner Archivdirektor in Auftrag gegebenes Gutachten belegt sind. Demnach steht fest, dass Hofmann durchaus ein Anhänger der Naziideologie gewesen ist und im Zuge dieser Haltung auch freiwillig Ämter in der NSDAP übernommen hat.

Im Lichte dieser Entwicklung musste sich auch der Landkreis Freudenstadt als Träger der Sonderschuleinrichtung fragen, ob dieser Namenspate noch haltbar ist. Und man steht mit dem Problem wahrlich nicht alleine da. Neben Dornstetten sind auch die Wilhelm-Hofmann-Schulen in Heilbronn, Herbrechtingen und Weingarten betroffen. An den dortigen Schulen wurde bereits entsprechend verfahren.

Für Rektor Peter Billmaier ist diese ganze Entwicklung „sehr,sehr bedauerlich“, wie er gestern gegenüber der SÜDWEST PRESSE betonte. Man habe in der Schule mindestens 15 Jahre lang aktiv Öffentlichkeitsarbeit mit einem sehr positiven Ergebnis betrieben. Nun falle durch diese Geschichte ein solcher Makel auf die Schule. Allerdings sei seine Schule nicht vom Namen, sondern von ihrem Tun her bestimmt. „Das Sosein der Schule hängt nicht am Namen“, so Billmaier. Am Mittwoch werde man die Problematik nun intern besprechen und sich auch überlegen, wie weiter verfahren werden soll – auch hinsichtlich eines künftigen Namens. Für Billmaier eine Entscheidung, die gut überlegt sein will. Es hat schon Überlegungen gegeben, vielleicht künftig auch auf einen persönlichkeitsunabhängigen Namen zurückzugreifen, auch eine Frau als künftige Namensgeberin könne man sich vorstellen. Kreisrat Walter Trefz (Grüne) würde aus Quotengesichtspunkten heraus gerne einen Frauennamen wählen. Eberhard Haug (SPD) brachte den Namen Hans Gohr wegen dessen Verdienste um die Lebenshilfe ins Spiel. Daniel Wochner liebäugelte mit dem gebürtigen Mühringer David Berlitzheimer, Gründer der Berlitzschulen. Kreisrat Rodolfo Panetta störte sich daran, dass die Nazivergangenheit hier überhaupt als Grund für die Namensaufgabe ins Feld geführt wird. Schließlich seien auch andere Politiker Mitglieder der NSDAP gewesen.

Wilhelm-Hofmann Schule in Dornstetten wird Namen ändern
Der Noch-Schriftzug der Wilhelm-Hofmann-Schule.Bild: mos

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.02.2011, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball