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Leitartikel · AfD

Wille zur Macht

Frauke Petry hat ihrer AfD die Frage gestellt, ob sie lieber realpolitisch oder fundamentaloppositionell sein will. Die erste Antwort der Funktionäre war, dass sie solche Fragen nicht von der Parteivorsitzenden gestellt bekommen möchten.

12.04.2017
  • ANDRE BOCHOW

Denn, so die Unterstellung, Petry gehe es um die alleinige Spitzenkandidatur im Bundestagswahlkampf und letztlich um die Alleinherrschaft in der Partei. Das ist nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen. Wie machtbewusst Frauke Petry ist, hat sie spätestens bewiesen, als sie mit dazu beitrug, den einst unumstritten herrschenden Bernd Lucke kühl abzuservieren, als dem die eigene Partei zu nationalistisch wurde.

Ironischerweise holt die Geschichte in kürzester Zeit nun Luckes Nachfolgerin ein. Denn die AfD rückt unaufhaltsam nach rechts. Die Popularität des unerträglichen, völkischen Propagandisten Björn Höcke spricht Bände. Erst recht die Tatsache, dass sich scheinbar bürgerliche Intellektuelle wie Alexander Gauland und Jörg Meuthen mit Höcke entweder solidarisieren oder sich zumindest nicht wirklich von ihm distanzieren. Anders als andere in der AfD hat Frauke Petry verstanden, welche Folgen das hat. Der Partei gehen die Wähler verloren. Bundesweite Umfragen sehen die erfolgsverwöhnten Rechtsalternativen mittlerweile einstellig. Auch die anstehenden Landtagswahlen könnten ernüchternd wirken.

Nun muss man Frauke Petry, die ja selbst das „Völkische“ wieder hoffähig machen wollte, keineswegs irgendwelche Skrupel unterstellen, wenn es darum geht, das Land regieren zu wollen. Ihre vorgeschlagene „Realpolitik“ ist, bei Lichte besehen, reine Taktik. Kosten Höcke und ähnlich Gesinnte die AfD Stimmen? Dann weg mit den Schreihälsen. Führt die Fundamentalopposition erst in 20 bis 30 Jahren zur Machtübernahme? Dann ist das der falsche Weg. Wenn Petry sagt, Deutschland habe keine Zeit, eine Generation zu warten, dann kann man getrost davon ausgehen, dass sie es ist, die nicht erst als Hochbetagte Kanzlerin werden will.

Petry ist zweifellos klüger als viele ihrer Parteifreunde. Sie sieht voraus, dass sich das Protestpartei-Image der AfD schnell verbraucht. Sie erkennt auch, wie schnell die scheinbar gewonnene Wählerbasis bröckeln kann, wenn Hoffnungsträger anderer Parteien mit halbwegs glaubhaften Angeboten auftauchen. Bestimmt sieht sie auch die mobilisierenden Gegenkräfte, die der Aufstieg der AfD ausgelöst hat. Zusammen mit dem Wahlerfolg von Donald Trump hat dieser Aufstieg für Eintritte in die von der AfD geschmähten sogenannten Etablierten gesorgt.

Frauke Petrys Unglück ist, dass ihre Anhängerschaft in der eigenen Partei schmilzt wie Schnee im Frühling. So wie es aussieht, kann Petry die Radikalisierung ihrer Partei nicht stoppen. Und dabei hat ihr Widersacher Alexander Gauland völlig Recht, wenn er sagt, so unterschiedlich seien die Wege gar nicht, die die rechten Fundis und die Realos anstreben. Ob die AfD an diesen kleinen Unterschieden zerbricht, wird sich zeigen. Gut möglich aber, dass Frauke Petry auf der Strecke bleibt.

leitartikel@swp.de

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12.04.2017, 06:00 Uhr

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