Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Im Westen weht der Wind

Windkraft-Spots entlang des Rammerts konkretisiert

Wenn, dann hier: Eine erste Windkraft-Potenzialanalyse hat zwei geeignete Standorte im Steinlachtal ausgemacht. Ob entlang des Rammerts aber tatsächlich irgendwann klimafreundliche Rotoren summen, hängt von vielen Faktoren ab.

22.09.2012
  • Eike Freese

Dußlingen/Steinlachtal. Eine aktuelle Windkraft-Potenzialanalyse im Auftrag der Gemeinde Dußlingen hat zwei geeignete Standorte entlang der Steinlach ergeben. Beide liegen westlich von Dußlingen entlang des Rammerts. Sie versprechen Windgeschwindigkeiten von über fünf Metern pro Sekunde in 140 Meter Höhe. Sie entsprechen den Vorschriften zum Abstand von Siedlungen, zum Natur- und Emissionsschutz. Und sie sind aufgrund infrastruktureller Kriterien am Ehesten geeignet. Sie könnten als künftige „Konzentrationszonen Windkraft“ in den Flächennutzungsplan des Gemeindeverbands Dußlingen/Gomaringen/Nehren aufgenommen werden.

Windkraft-Spots entlang des Rammerts konkretisiert

Wolfgang Heyder vom beauftragten Planungsbüro Heyder und Partner in Tübingen bewertet das Potenzial der beiden Flächen jedoch vergleichsweise gering (siehe Interview rechts). „Es ist derzeit kein Top-Gebiet“, so Heyder. „Aber auch Windgeschwindigkeiten nahe fünf Meter pro Sekunde könnten in Zukunft profitabel werden.“

Die beiden Flächen böten sicheren Platz für jeweils drei Rotoren. Für manches Unternehmen wäre die Lage wohl vor allem interessant, wenn es den Standort gemeindeübergreifend und damit flächengrößer nutzen könnte. Tübingen etwa prüft derzeit die Höhenlage Kreßbach, nördlich von Dußlingen. In Ofterdingen könnte eine Analyse an der nördlichen Gemeindegrenze zu positiven Ergebnissen führen. Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch will auch deshalb beide möglichen Standorte im Rennen halten. „Wenn direkt an unserer Gemeindegrenze zwanzig Anlagen entstünden“, so Hölsch, „spielte es auch keine Rolle, ob bei uns noch drei dazu kommen.“

Der Dußlinger Gemeinderat billigte am Donnerstag das weitere Vorgehen: Die Standorte werden als mögliche Konzentrationszonen zunächst akzeptiert. Mit ähnlichen Analysen aus Gomaringen und Nehren wird ein einschlägiger Nutzungsplan für die kommenden Jahre erstellt. Gemeinsame potenzielle Lagen mit Ofterdingen und Nehren im Süden und mit Tübingen im Norden werden geprüft.

Dußlingen ist die erste Gemeinde im Kreis, deren Windkraft-Analyse derart weit gediehen ist. Im Steinlachtal selbst hat etwa die Gemeinde Gomaringen eine Analyse bereits in Auftrag gegeben, Nehren wird folgen. Gerade für Gomaringen ist dabei mit geeigneteren Standorten zu rechnen. Für Investoren noch wesentlich rentablere Lagen aber sieht Gutachter Wolfgang Heyder in den Höhenlagen um Mössingen, Öschingen und Talheim. Zumindest der Windatlas Baden-Württemberg weist an Lagen auf Riedernberg, Filsenberg und Farrenberg Geschwindigkeiten von bis zu sieben Metern pro Sekunde aus.

Gutachter Wolfgang Heyder über Windkraft im Steinlachtal

TAGBLATT: Herr Heyder, wie wahrscheinlich sind Windkraftanlagen entlang des Dußlinger Rammerts?

Windkraft-Spots entlang des Rammerts konkretisiert
Wolfgang Heyder

Wolfgang Heyder: Derzeit nicht sehr wahrscheinlich. Dußlingen liegt für Investoren noch an der Grenze zur Rentabilität, sie werden Ihnen hier nicht die Türen einrennen. Es gibt zahlreiche Orte mit mehr Potenzial.

Zum Beispiel?

In Bereichen Dußlingens herrschen Winde von knapp über fünf Metern pro Sekunde. Auf der Alb dagegen finden sie Orte mit sechs oder sieben Metern pro Sekunde. Und im Steinlachtal scheinen Lagen in Gomaringen und vor allem bei Talheim besser geeignet.

Warum planen viele ähnliche Gemeinden derzeit dennoch?

Weil Anfang nächsten Jahres für Investoren die Sperrwirkung der aktuellen Regionalpläne wegfällt. Ohne Planung der Gemeinden könnten sie sich Standorte künftig selbst suchen. Jetzt können die Kommunen das derzeit sehr beflügelte Interesse noch steuern. Hinzu kommt: Mit dem technischen Fortschritt könnten auch derzeit unattraktive Lagen bald rentabel werden.

Im Fall des Falles: Wie könnte eine Gemeinde wie Dußlingen von den Anlagen profitieren?

In Dußlingen ginge es um drei Anlagen pro Fläche. Davon würden direkt die Grundstückseigentümer profitieren. Bürger könnten durch Genossenschaften an der Windkraft teilhaben. Auch die Gewerbesteuer von solchen Anlagen wäre spürbar. Bei drei bis fünf Anlagen könnten schnell 50.000 bis 100.000 Euro zusammenkommen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.09.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball