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Laserfinger im Kressbacher Wind

Windräder auf der Hochebene?

Stürmisch ist weder der Wind auf dem Kressbach noch der Optimismus der Stadtwerke Tübingen. Und doch will der Energieversorger nichts unversucht lassen, um in heimischen Gefilden einen Standort für Windräder zu finden. Deshalb starten nun, wie kurz berichtet, Windmessungen auf der Hochebene.

02.08.2012
  • gernot stegert

Tübingen/Kressbach. Es ist ein einfacher logischer Schluss, wie ihn der studierte Mathematiker Boris Palmer – als Oberbürgermeister Aufsichtsratsvorsitzender der Tübinger Stadtwerke – liebt: Die Energiewende braucht die Erzeugung von mehr erneuerbaren Energien. Die Stadtwerke setzen auf diese Form, für die Farben wie Grün und Blau stehen. Also versuchen die Stadtwerke, ihren Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen.

Doch das ist gar nicht so einfach. Der Neckar gibt zwar etwas an Wasserkraft her. Aber für mehr ist er im Kreis Tübingen zu klein und zu flach. Auch bei der Windenergie drängen sich in Stadt und Landkreis Tübingen nicht gerade die Standorte auf. An der norddeutschen Küste weht da ein ganz anderer Wind, in Baden-Württemberg auch im Schwarzwald-Baar-Kreis und auf der Hohenloher Hochebene. Das zeigt der Windatlas des Landes. Doch dann wird es schon flauer. Der Albtrauf käme zwar noch in Frage. Doch dort verbieten oft Naturschutzgesetze Windräder oder sind Standorte bereits vergeben.

„Wir haben bisher keinen einzigen Standort“, sagte Palmer jüngst ernüchtert. Der Spitzberg scheide ebenfalls aus Naturschutzgründen aus. Die Höhe von Pfrondorf nannte der Oberbürgermeister zwar, doch ist sie nicht im Windatlas als ergiebig ausgewiesen. Auch wurde dort der Rotmilan gesichtet, der das Aufstellen von Windrädern verhindern würde. Auf den Härten bläst es ebenfalls zu wenig.

Am Ende blieb bei der Suche nur die Ebene auf dem Kressbach. Dort sind die Windverhältnisse laut Atlas zwar nur „grenzwertig“, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Ortwin Wiebecke einräumte. Eine Geschwindigkeit von 5,5 Metern in der Sekunde wäre zu wenig, eine von 5,75 Metern in der Sekunde könnte ausreichen. Doch die Hoffnung verweht zuletzt. „Der Windatlas beruht nicht auf konkreten Messergebnissen, sondern auf Hochrechnungen weiter entfernter Standorte“, erklärte Wiebecke. Deshalb wird nun gemessen. Noch im August geht es los.

Das Ergebnis ist völlig offen. Doch für Palmer ist klar: „Sollte die Messung erfolgreich sein, werden wir die Windräder auch bauen.“ Und Wiebecke formuliert ähnlich: „Wenn ein Standort sinnvoll ist, wollen wir auch investieren.“ Das gehöre zur Unternehmensstrategie. Vier, vielleicht sechs Windräder hätten im Waldgebiet Platz. Ein Exemplar kostet etwa 4,5 Millionen Euro. Vier Windräder mit jeweils einer Leistung von drei Megawatt würden nach Stadtwerke-Berechnung im Jahr 20 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Und zusammen fast 10 000 Tonnen CO2 einsparen. „Auf dem Kressbach könnte mehr Strom erzeugt werden als mit den Tübinger Wasserkraftwerken“, freute sich Palmer.

Dass Windräder nicht gern gesehen sind, ist dem Oberbürgermeister bewusst. Deshalb sollen sie 700 Meter Abstand zu Kressbach, Weilheim und Kilchberg haben. „Die Lärmemissionen werden begrenzt sein“, versprach Palmer. Der genaue mögliche Standort der vier bis sechs Räder ist noch nicht festgelegt. Klar aber ist: Sie werden von weit her sichtbar sein. Da redet der grüne OB nicht drum herum: „Wenn Deutschland ein Industrieland bleiben soll, dann muss man den Anblick aushalten.“

Die Bürger sollen zeitig beteiligt werden. Das versprach auch Hanno Brühl, Fachbereichsleiter Erneuerbare Energien der Stadtwerke. Auch der Naturschutz werde berücksichtigt. So sei bereits im April ein ortsansässiger Ornithologe damit beauftragt worden, zu schauen, welche geschützten Vogelarten beeinträchtigt werden könnten. Zur Vorbereitung sind nach Angaben der Stadtwerke auch Gespräche mit Grundstückseigentümern geführt worden. Doch noch ist nicht einmal mit der Messung begonnen worden.

Windräder auf der Hochebene?
Aus der Vogelperspektive sieht man die möglichen Standorte für die vier bis sechs Windräder auf der Hochebene bei Kressbach. Nur in den lila schraffierten Flächen könnten sie aufgestellt werden. Doch entschieden ist nichts. Bild: Stadtwerke

Gemessen wird mit einem Gerät namens LIDAR (Light oder Laser Detection and Ranging). Es ist eine dem Radar (Radiowave Detection and Ranging) verwandte Methode zur Abstands- und Geschwindigkeitsmessung. Statt Funkwellen wie beim Radar werden Laserstrahlen verwendet. Das LIDAR-Gerät ist mobil auf einem Autoanhänger und kann bis zu 200 Meter in der Höhe messen. Die Standardwindradhöhe beträgt 140 Meter. Die Messung auf dem Kressbach soll 50 000 Euro kosten. Die Messung soll ein Jahr dauern. Doch schon nach sechs Monaten wird eine Zwischenbilanz gezogen. Sollte alles in Messung, dann Planung und Genehmigung optimal laufen, dann könnte laut Palmer im Herbst 2014 das erste Windrad stehen.

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02.08.2012, 12:00 Uhr

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