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Interview mit Bürgermeister von Erbil

„Wir brauchen Unterstützung“

Die Stadt Erbil liegt 85 Kilometer östlich von Mossul. Bürgermeister Nihad Qoid über Not, Flucht und Zukunftspläne.

26.10.2016
  • ELISABETH ZOLL

Mit dem Sturm auf Mossul werden Flüchtlingsströme erwartet. Wie bereitet sich ihre Stadt vor?

Nihad Qoid: Das wird nicht einfach werden. Doch wir haben außerhalb der Stadtgrenze sieben Flüchtlingslager vorbereitet. Damit wird Erbil nicht mehr eine so große Anzahl an Flüchtlingen aufnehmen müssen wie in der Vergangenheit.

Mit wem arbeiten Sie zusammen?

Wir konnten lange nur auf uns selbst bauen. Die irakische Zentralregierung hatte kein Geld und die Uno stellte vergangenes Jahr ihre finanzielle Hilfe ein. Jetzt wurde ein neues Hilfe-Abkommen zwischen der Regionalregierung und der Uno unterzeichnet. Auch die Zentralregierung will jetzt helfen. Das wird nicht reichen. Wir brauchen die Unterstützung von Ländern Europas, insbesondere Deutschlands.

Es gibt die Befürchtung, dass mit den Flüchtlingen auch Extremisten versuchen, in sichere Gebiete zu gelangen. Wie bewerten Sie diese Gefahr?

Unsere Sicherheitskräfte sind sehr wachsam. Beachten Sie, in den vergangenen zwei Jahren war die Situation in den kurdischen Gebieten relativ ruhig, trotz der Nähe des IS. Es hat kaum Bombenanschläge oder Selbstmordattentate gegeben. Zudem werden wir die Flüchtlinge nicht direkt in der Stadt, sondern in der Pufferzone aufnehmen. Die Lager sind 40 Kilometer von Erbil und 35 Kilometer von Mossul entfernt. Das macht es Terroristen schwerer, in Städte einzudringen.

Was ist die Perspektive für jene Menschen, die in diese Lager kommen? Werden sie eines Tages nach Mossul zurückkehren oder in den Westen abwandern?

Das hängt von dem Verlauf der militärischen Operation ab. Die neuen Lager dienen der Erstversorgung. Nach dem Ende des Krieges muss man die Städte und Region so schnell wie möglich wieder aufbauen, um die Menschen zur Rückkehr zu bewegen. Man muss ihnen Hoffnung und Perspektive aufzeigen, damit sie bleiben. Die internationale Gemeinschaft muss beim Wiederaufbau helfen, nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit technischem Know-how.

Erbil hat in den vergangenen zwei Jahren bereits rund 700 000 Flüchtlinge aufgenommen. Was bedeutet das für ein Zentrum mit 1,1 Millionen Einwohnern.

Diese Flüchtlinge leben in der Großregion. 200 000 direkt in der Stadt. Viele Flüchtlinge arbeiten, verdienen Geld. Wir Kurden haben lange Erfahrungen mit der Flucht. Ein Drittel der Bevölkerung in der Region Kurdistan sind Flüchtlinge. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist sehr, sehr groß.

Was erwarten Sie für die Zeit nach den Kämpfen?

Die Regierung darf Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Deshalb muss sie die Sunniten an der Macht beteiligen. Der IS ist stark geworden, weil er die Unterstützung des vernachlässigten Teils der Bevölkerung hatte. Der einzige Weg, den Irak zu retten, ist, alle Kräfte an der Macht zu beteiligen. Elisabeth Zoll

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26.10.2016, 06:00 Uhr

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