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VfB Stuttgart

„Wir sind ein gutes Team“

Präsident Wolfgang Dietrich sieht den Traditionsklub mittelfristig in der Spitzengruppe der Bundesliga.

03.12.2016
  • ARMIN GRASMUCK

Stuttgart. Vor acht Wochen sind Sie von den Mitgliedern zum Präsidenten gewählt worden. Sind Sie schon beim VfB angekommen?

Wolfgang Dietrich: Es macht mir richtig Spaß. Ich fahre jeden Tag sehr gerne in mein Büro, bin von morgens bis abends hier. Auch habe ich das Gefühl, dass es den Leuten im Verein Spaß macht, dass sie froh sind, dass ich da bin. Ich bin in gutem Austausch mit den Mitarbeitern. Wir sind ein gutes Team. Damit meine ich auch die Zusammenarbeit mit den Gremien wie Aufsichtsrat oder Ehrenrat. Das alles ist stimmig, es gibt mir ein gutes Gefühl.

Als eine Ihrer ersten Maßnahmen haben sie einen Verhaltenskodex eingeführt, der für alle Mitarbeiter des VfB gilt. Warum war es so wichtig, diese Leitlinien zu definieren?

Alle Mitarbeiter haben es unterschrieben, es gab sehr viel positives Feedback. Ich halte es einfach für wichtig, das Zusammenleben klar zu regeln: Wer macht eigentlich was? Etwa im Umgang mit den Medien. Mit Sponsoren. Wer pflegt den Kontakt mit den Gremien? Manches erschien mir beim VfB etwas unstrukturiert. Es ist irgendwie auch normal, wenn man bedenkt, dass der Verein nach dem Abstieg ohne Präsident, ohne Sportvorstand und ohne Trainer dastand. Da ist der Einzelne in einem Verein hin und wieder Einflüssen ausgesetzt, die das Arbeiten nicht einfacher machen. Da braucht es Leitplanken, auch was die Verantwortung dem Klub gegenüber betrifft.

Es gibt viel zu tun, auch gemessen an den hohen Ansprüchen, die der VfB traditionell hegt. Wo werden Sie konkret ansetzen?

Eine Abwärtsspirale, wie sie der VfB in den vergangenen Jahren erlebt hat, geht an den Mitarbeitern nicht spurlos vorbei. Da gibt es Frust, finanzielle Einbußen, öffentliche Kritik, man verliert wahrscheinlich ab und zu den Glauben. Vielleicht haben manche Fans und Mitglieder teilweise sogar schneller wieder an den VfB geglaubt als es mancher Mitarbeiter aufgrund der Umstände konnte. Wie ist es sonst möglich, dass sich direkt nach dem Abstieg die Zahl der Mitglieder erhöht hat und zu den Heimspielen weiterhin 50 000 Zuschauer kommen? Es ist mir auch aufgefallen, dass die Fans geduldig sind, weil sie sehen, dass unsere Mannschaft einen guten Charakter hat. Nehmen Sie das Spiel gegen Nürnberg: Wir haben ein schnelles Tor erzielt, danach taten wir uns eine halbe Stunde lang schwer. Trotzdem hat keiner gepfiffen. Ich spüre auch sehr stark, dass bei vielen Mitarbeitern der Glaube wächst.

Stimmt es, dass Sie bei Ministerpräsident Kretschmann und Oberbürgermeister Kuhn vorstellig geworden sind, um für den VfB zu werben?

Natürlich. Der VfB Stuttgart ist eine wichtige Institution in der Stadt und in der Region. Es waren gute Gespräche, obwohl jeder weiß, dass mein berufliches Verhältnis mit diesen Herren nicht immer entspannt war. Klar, damals, als es um Stuttgart 21 ging, hatten wir verschiedene Positionen. Aber wir hatten nie persönliche Probleme miteinander. Jetzt geht es darum: Was können wir gemeinsam tun, dass der VfB vorankommt? Sie schätzen den VfB auch als traditionsreiches Aushängeschild. Es geht darum, dass der Klub wieder besser vernetzt wird, in der Politik, in der Kultur und in der Wirtschaft. Die Leute sollen wieder Lust auf den VfB bekommen, unabhängig davon, ob wir gerade gewinnen oder verlieren. Natürlich ist der sportliche Erfolg das Maß aller Dinge, aber wir müssen die Leute wieder dazu bringen, dass sie mit Stolz das VfB-Wappen auf der Brust tragen.

Sie haben vor der Wahl zum Klubobersten stark polarisiert. Wie froh waren Sie, dass es am Wahltag relativ klar zu Ihren Gunsten ausging?

Ich war insofern entspannt, als ich gesagt habe: Ich kann nicht mehr tun, als meine Hilfe anbieten. Wenn der Aufsichtsrat mich bittet, es zu machen, und sich auch der Vorstand vorstellen kann, mit mir zu arbeiten, dann ist es eine hervorragende Basis. Wenn ich nicht gewählt worden wäre, wäre es für mich auch weitergegangen. Andererseits bin ich Sportler: Wenn ich antrete, will ich auch gewinnen. Ich war mit der Wahl, wie sie gelaufen ist, zufrieden. 57, 2 Prozent, damit könnte jeder Politiker gut leben. Mein Ziel, das hatte ich schon vor der Wahl gesagt, war immer: Die Anzahl der Stimmen sollten an dem Tag, an dem ich am Ende meiner Amtszeit entlastet werde, deutlich höher sein als an dem Tag, an dem ich gewählt werde.

Was kann der erfahrene Unternehmer Wolfgang Dietrich in den Fußballklub einbringen?

Ich bin nicht nur Unternehmer, ich bin auch seit 42 Jahren Mitglied des VfB Stuttgart und ich kenne das Fußballgeschäft aus verschiedenen Blickwinkeln. Ich denke, der VfB hat hervorragende Perspektiven, wenn es gelingt, die große Tradition des Vereins mit den wirtschaftlichen Herausforderungen zu verbinden. Das ist der Punkt, an dem ich meinen Teil beitragen kann. Ich bin kein reiner Traditionalist, sehe aber auch Grenzen, was den Kommerz im Fußball betrifft. Der VfB wird garantiert nie ein Kommerzklub werden. Allein als Traditionsverein können wir in dem knallharten Wettbewerb aber auch nur schwer überleben. Wenn wir auf Dauer in der Bundesliga mitspielen wollen, brauchen wir beides.

Hat die aktuelle Mannschaft genug Substanz, um wieder aufzusteigen?

Absolut. Auch deswegen, weil der Trainer es geschafft hat, jeden Spieler besser zu machen. Wir sind auch in der Breite besser geworden, weil plötzlich einige Spieler dabei sind, die zu Beginn der Saison noch keine Rolle spielten. Natürlich müssen wir auch schauen, wo wir uns noch verstärken können. Das oberste Ziel ist, dass wir so schnell wie möglich wieder aufsteigen.

Planen Sie, den Kader bereits in der Winterpause zu verstärken?

Das werden wir intern festlegen. Wir holen sicher keinen Spieler, nur damit er da ist. Wenn wir sehen, dass uns einer mittelfristig weiterbringt, kann die sportliche Leitung sicher aktiv werden. Sie ist immer dabei, den Markt zu sichten und das machen sie gut.

Ist der Schlossplatz für die Aufstiegsfeier schon reserviert?

Gute Frage, auch zum Thema Amtsführung. Der VfB Stuttgart ist nicht in der Situation, sich über Feste und Feiern zu äußern oder darauf Energien zu verwenden. Wir alle müssen erst einmal liefern. Wichtig ist, dass wir vorne dabei sind, dass wir dabei bleiben und es bis zur Winterpause halten. Dann müssen wir alle daran arbeiten, dass wir im Frühjahr noch stärker werden können, wenn sich die Mannschaft endgültig gefunden hat und nach dem Trubel im Sommer wieder Ruhe eingekehrt ist.

Schmerzt es Sie, wenn Sie sehen, dass RB Leipzig in der Bundesliga mit Talenten und Trainern, die einst beim VfB wirkten, erfolgreich ist?

Natürlich schmerzt es etwas. Aber wir müssen uns nicht schlechter machen als wir sind. Im Spiel gegen Nürnberg standen vier Akteure aus unserem Nachwuchsleistungszentrum auf dem Platz: Gentner, Özcan, Baumgartl und Zimmermann. Generell gilt: Im Nachwuchsbereich müssen wir umdenken. Im Moment ist es so, dass das Leistungszentrum nur über das Geld verfügen kann, das im Profibereich verdient wird. Im Augenblick ist es weniger, weil wir nach dem Abstieg weniger einnehmen. Mein Konzept sieht vor, dass das Nachwuchsleistungszentrum wirtschaftlich in Eigenregie geführt wird, also abgekoppelt vom Profibereich. Mit der Zusage von Porsche als Partner der Fußballschule haben wir einen ersten kleinen Schritt schon gemacht.

Wo sehen Sie den VfB mittelfristig?

Ganz klar, der VfB gehört in der Wahrnehmung der Fans und Mitglieder nicht nur in die Bundesliga. Er gehört zu den Vereinen, die in der Bundesliga vorne mitspielen sollen. Aber wir kommen gerade aus einem tiefen Tal. Deshalb müssen wir den Ball ganz flach halten und Schritt für Schritt machen. Es liegt ein langer und arbeitsintensiver Weg vor uns.

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03.12.2016, 06:00 Uhr

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