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„Wir zaubern wie Kai aus der Kiste“
Moderat von links Sebastian Szary, Sascha Ring und Gernot Bronsert bei einem Live-Auftritt vergangenes Jahr in Stuttgart. Foto: Udo Eberl
Pop

„Wir zaubern wie Kai aus der Kiste“

Tanzbar und doch mit Tiefgang: Moderat ist zur deutschen Band des Jahres 2016 avanciert. In diesem Jahr spielt das Berliner Elektro-Trio auf großen Musik-Festivals in aller Welt.

02.01.2017
  • UDO EBERL

Stuttgart/Berlin. Hinter dem Berliner Trio Moderat stecken Apparat, mit bürgerlichem Namen Sascha Ring, und das angesagte DJ-Duo Modeselektor. Das besteht aus Gernot Bronsert und Sebastian Szary. Im Jahr 2002 war es erstmals zur Kooperation gekommen, das Debütalbum sollte allerdings erst 2009 veröffentlicht werden. Das zweite Album „II“ erschien Anfang 2013 und stieg in etlichen europäischen Ländern in die Charts ein.

Mit ihrem Song „Bad Kingdom“ setzten die Drei einen ersten Meilenstein zum Welterfolg, den sie 2016 mit ihrem Album „III“ und dem nachfolgenden, am 25. November beim Label Monkeytown erschienenen „Live“-Album weiter ausbauen konnten. Die Anfang des vergangenen Jahres angekündigten Konzerte in London, Amsterdam, Mailand und Montreal waren innerhalb von Minuten ausverkauft.

2017 setzt das Trio zu einem weiteren Höhenflug an. Im kommenden Festivalsommer werden Moderat weltweit etliche Festivals spielen und am 17. Juni direkt vom Sónar Festival aus Barcelona kommend einer der Headliner des „Maifeld Derby“ in Mannheim sein. Darauf folgen Auftritte auf großen Festivals in Köln und Hamburg, bevor sie am 2. September auf der Berliner Wuhlheide ein Heimspiel geben. Wir sprachen mit den drei Musikern nach einem ihrer jüngsten Konzerte.

Hat Berlin als Ort oder haben dieselben Laufwege durchs Nachtleben gereicht, um aus dem Duo Modeselektor und Solist Apparat das Trio Moderat werden zu lassen?

Sebastian Szary: Wir haben 2001 bei einem Showcase unserer damaligen Labels miteinander gesprochen, gemerkt, dass wir nur drei Häuserblocks voneinander entfernt wohnen und dieselbe musikalische Sozialisation teilen. Olle Kellerlöcher mit Stroboskop und viel Nebel.

Gernot Bronsert: Bei diesem von Thomas Fehlmann und Gudrun Gut initierten Label-Abend mit dem Titel „Bärenmarken“ gab es nur zwei Acts, die komplett anders waren. Szary und ich: Wir dachten, wir sind die coolsten Hardcore-Breakcore-Dancehall-Noise-Heroes à la „Aphex Twin“. Und dann gab's da Sascha, der extrem gut klingenden, eleganten Mädchen-IDM-Elektro machte. Einfach eleganter Kram mit unheimlich viel Druck. So etwas hatte ich zuvor nie gehört. Und er hatte ein scharfes Setup. Sascha Ring: Und ein Powerbook hatte ich auch. Meine Oma hatte mir das fasziniert. Die Beiden sind mit einem Gerätepark angekommen. Alles analog. Eine Schubkarre voll Equipment. Da haben sich Welten getroffen. Wir haben uns auf so einer Art Nerd-Ebene sehr gut verstanden.

Hat sich seither aus Ihrer Sicht die elektronische Szene stark verändert?

Bronsert: Die Szene ist musikalisch nicht mehr so breitgefächert. Das kam durch die Internationalisierung.

Szary: Und durch die Normen.

Ring: Stimmt. Es gibt wirklich so etwas wie Club-Normen. Aber auch die wirtschaftlichen Kriterien sind dominanter. Am Anfang waren wir alle jung, das Leben war nicht teuer, und wir haben uns von Chinapfanne für 3 Mark und Cola ernährt. Mittlerweile ist die elektronische Musik ein Wirtschaftszweig, mit Erwartungshaltungen von Club- und DJ-Seite, die am Ende die musikalische Freiheit ein wenig einschränken.

Aber Sie sind mittlerweile Upper Class. Lassen Sie sich wirklich einschränken?

Ring: Wir haben auch wirtschaftlich erfolgreich zu sein, um uns das entsprechende Live-Setup, ein starkes Team und den Komfort des Reisens leisten können. Aber wir machen nach wie vor die Musik, die wir machen wollen. Wir nutzen Moderat als unser Vehikel.

Bronsert: Aber letztendlich ist es auch sperrig. Wir haben nie etwas gemacht, das leicht konsumierbar ist und Richtung Fahrstuhlmusik geht. Auch bei Apparat und Modeselektor musst du immer hinhören. Es plätschert nicht.

Moderat will also nicht gefällig sein, schließt aber Pop nicht aus.

Bronsert: Wir wollen Musik machen, die im Club, genauso funktioniert wie Zuhause. Wir nennen das jetzt nicht Pop. Für mich ist Depeche Mode aber auch nicht Pop, sondern eine eigene musikalische Welt. Aber in erster Linie machen wir, wenn wir im Studio sind, erst einmal alles für uns selbst.

Aber Sie wussten natürlich nach dem Erfolg der beiden ersten Alben, was nach der Nummer III passieren kann?

Bronsert: Nein. Wir haben glücklicherweise gut funktionierende Gehirne. Die blenden so etwas einfach aus. Man hat natürlich Visionen, man visualisiert, was kommen könnte.

Ring: Bei der allerersten Platte hatten wir überhaupt keine Visionen. Die haben wir einfach nur hingeloddert. Zusammen Mucke machen und drei Monate touren.

Bronsert: Was ich mit Visualisierung meine, ist dieser Traum davon, was wir sein wollen. Wir gehen nicht mit fertigen Songs oder Tonfolgen ins Studio, aber wir wissen, wie der Sound sein muss und welche Atmosphäre wir erzeugen wollen. Das verbindet uns, und wir sind bereit, uns darauf einzulassen.

Verstehen Sie sich als Botschafter der elektronischen Musik? Ihr Sound funktioniert ja überall in der Welt.

Ring: Klingt gut. Aber dieses Phänomen gab es schon vor Moderat. Und wir waren mit elektronischer Musik bereits weltweit unterwegs, als wir nur 2000 Platten verkauft haben. Es waren kleinere Bühnen, aber die Leute kannten uns, und das war alles sehr vernetzt. Der Erfolg in Deutschland kam viel später.

Bronsert: Das hat uns auch verbunden. Apparat und Modeselektor waren im Ausland zunächst viel erfolgreicher. Aber die Basis ist einfach nur Arbeit. Spielen, spielen, spielen. Tausende Shows weltweit. Und wir haben eine ehrliche Fanbase, die mitgewachsen ist.

Erwartet man von Ihnen einen deutschen Sound?

Bronsert: German Engineering. Wir kommen an und zaubern wie Kai aus der Kiste mit dem Zehntel des Equipments anderer Acts etwas Großes hin und alle wundern sich.

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02.01.2017, 06:00 Uhr

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